Roadmap Lehrkräftebildung in Sachsen-Anhalt
Die im Oktober 2026 veröffentlichte Roadmap zur Weiterentwicklung der Lehrkräftebildung in Sachsen-Anhalt basiert auf einem Werkstattgespräch von Juni 2026. Rund 50 Vertreterinnen und Vertretern aus allen Phasen der Lehrkräftebildung, aus Universitäten, Studienseminaren und dem Landesschulamt und den beiden zuständigen Ministerien für Bildung und Wissenschaft diskutierten Herausforderungen und fanden Lösungsvorschläge. Die erarbeiteten Lösungsvorschläge wurden nun in einer Roadmap gebündelt und so weiterentwickelt, das sie als strategische Planungsgrundlage in den weiteren Entwicklungsprozess der Lehrkräftebildung Einzug erhalten können.
Zur Weiterentwicklung der Lehrkräftebildung in Sachsen-Anhalt wurden vier zentrale Hebel identifiziert, die teils eng miteinander verknüpft sind und sich gegenseitig verstärken, um eine spürbare Wirkung zu entfalten. Gemeinsam verfolgen die hierunter genannten Maßnahmen das Ziel, die Qualität, Kohärenz und Attraktivität der Lehrkräftebildung langfristig zu sichern und den steigenden Anforderungen an Schule und Unterricht wirksam zu begegnen.
Der erste und grundlegende Schritt besteht in der institutionell abgesicherten phasenübergreifenden Vernetzung aller Akteure der Lehrkräftebildung. Hierfür ist die Einrichtung eines dauerhaften "Landesnetzwerks Lehrkräftebildung" von zentraler Bedeutung. In diesem Netzwerk sollen das Ministerium für Bildung, das Ministerium für Wissenschaft, Klimaschutz, Energie und Umwelt, das Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung (LISA), das Landesschulamt sowie die Universitäten des Landes gemeinsam Verantwortung übernehmen. Die Vernetzung schafft erstmals eine Struktur für einen kontinuierlichen Austausch zwischen Wissenschaft, Studium, Vorbereitungsdienst und beruflicher Praxis. Sie bildet damit die organisatorische Grundlage für alle weiteren Entwicklungsprozesse.
Ein weiterer Hebel ist eine phasenübergreifende, kohärente Professionalisierungsstruktur. Ziel ist die Erarbeitung eines gemeinsamen Verständnisses professioneller Kompetenzentwicklung von der ersten Ausbildungsphase bis zur Fort- und Weiterbildung. Universitäten, Staatliche Seminare, das LISA sowie Schulen (Schulleitungen, Mentorinnen und Mentoren an Schulen) entwickeln hierzu abgestimmte Curricula, gemeinsame Qualitätsstandards und verbindliche dauerhafte Kooperationsstrukturen. Dadurch werden Übergänge zwischen den Ausbildungsphasen transparenter gestaltet, Doppelstrukturen reduziert und die Verbindung von Fachwissenschaft, Fachdidaktik, Bildungswissenschaft und schulischer Praxis gestärkt. Die Entwicklung einer solchen kohärenten Professionalisierungsstruktur sollte vom Landesnetzwerk mandatiert werden und würde dadurch verbindlich.
Daneben kommt der Stärkung des Lehramts für die Sekundarschule eine besondere strategische Bedeutung zu. Angesichts des besonders hohen Lehrkräftebedarfs in dieser Schulform müssen Attraktivität, Sichtbarkeit und Profil des Sekundarschullehramts weiterentwickelt werden. Hierzu leisten insbesondere die Universitäten, unterstützt von den zuständigen Ministerien und in Zusammenarbeit mit den anderen Akteuren, einen wesentlichen Beitrag durch die Entwicklung neuer Studiengangsmodelle und den Ausbau schulform-spezifischer Professionalisierungsangebote. Berücksichtig werden muss dabei, dass die Angebote entsprechend einer kohärenten Gesamtstrategie von Anfang an phasenübergreifend konzipiert werden. Ziel ist es, das Lehramt für die Sekundarschule als wissenschaftlich anspruchsvolles und gesellschaftlich bedeutsames Berufsfeld zu stärken, die Ausbildung gleichzeitig an den spezifischen Herausforderungen der Schulform auszurichten und damit langfristig mehr qualifizierte Lehrkräfte für diesen Bereich zu gewinnen.
Die Gewinnung neuer Lehrkräfte ist neben der qualitativen Weiterentwicklung der Lehrkräftebildung ein wichtiges Ziel. Sachsen-Anhalt rekrutiert über den Seiteneinstieg direkt in den Beruf zahlreiche Lehrkräfte und stellt darüber die Unterrichtsversorgung sicher. Die nachhaltige Professionalisierung von Lehrkräften im Seiteneinstieg ist daher ein wesentlicher Beitrag zur Qualitätssicherung des Unterrichts. Die große Heterogenität der Qualifikationsvoraussetzungen erfordert dazu passgenaue und wissenschaftlich fundierte Qualifizierungsangebote. Das Ministerium für Bildung, das LISA, die Universitäten sowie die Schulen tragen gemeinsam Verantwortung dafür, Beratungsstrukturen auszubauen, transparente Qualifizierungs- und spätere Karrierewege zu schaffen, Seiteneinsteigende in der Anfangsphase gut zu begleiten und langfristig den Zugang zu (akademischer) Weiterqualifizierung zu sichern. Die Maßnahmen ergänzen bereits etablierte Angebote oder entwickeln diese weiter, um sowohl die individuelle Professionalität der Lehrkräfte zu stärken als auch ihren langfristigen Verbleib im Beruf zu sichern.
Lehrkräfte, die über alternative Wege in den Beruf kommen, stellen nicht nur eine wichtige Ergänzung in Schulen da, sondern können durch ihre vorherigen Berufserfahrungen und einen "frischen Blick von außen" auch die Lehrkräftebildung als solche bereichern. Eine Verzahnung der Ausbildungswege an geeigneten Stellen, eine Struktur, die einen Rollenwechsel zwischen Lernenden und Lehrenden ermöglicht und eine Kultur der Wertschätzung für unterschiedliche Erfahrungen und Expertise, schöpfen den Mehrwert eines flexiblen und multiperspektivischen Ausbildungsweges aus. So gewinnt die Lehrkräfteausbildung an Attraktivität und Qualität und attrahiert – hoffentlich – wieder mehr Interessierte und bildet sie zu gut qualifizierten Lehrkräften aus.
Mit der Zukunftsmission Bildung will der Stifterverband ein Bildungssystem für eine Welt im Wandel gestalten, das schnell mehr Menschen mit den notwendigen Kompetenzen aus- und weiterbildet. Dazu bringt er die relevanten Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft in einer Gemeinschaftsinitiative zusammen und koordiniert die Aktivitäten, unter anderem in der Allianz für Lehrkräfte – denn um die großen Herausforderungen im Bildungssystem zu lösen, braucht es starke Partnerschaften, die gegenüber der Politik mit einer Stimme sprechen, die gemeinsam Rahmenbedingungen gestalten und damit langfristig eine Veränderung im Bildungssystem bewirken.
Kontakt
Christina Siebert-Husmann
ist Programmmanagerin im Bereich "Programm und Förderung".
T 0201 8401-282