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Informatik-Monitor 2026/27: Zwischenbilanz zur Informatik an Schulen

Informatik für die meisten – aber für die meisten zu wenig

Informatik-Monitor 2026/27: Zwischenbilanz zur Informatik an Schulen
Informatik-Monitor 2026/27: Zwischenbilanz zur Informatik an Schulen
  • Sechs Wochenstunden in der Sekundarstufe I – etwa eine Stunde pro Woche von Klasse 5 bis 10: Diesen Umfang hat die wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz im Jahr 2022 für das Pflichtfach Informatik empfohlen.
  • Vier Jahre später gibt es in zehn Bundesländern ein Pflichtfach Informatik, Tendenz steigend. Das Sechs-Stunden-Ziel erreichen bislang jedoch nur drei.
  • Nur vier weitere Bundesländer erreichen das bis 2025 gesetzte Zwischenziel von vier Wochenstunden.
  • Größte Hürden sind die Gewinnung von Informatiklehrkräften und Konkurrenz um Platz in der Stundentafel – doch einzelne Bundesländer machen vor, wie es gelingen kann.


Drei Bundesländer haben ausreichend Informatikunterricht;
vier weitere erreichen Zwischenziel

Am Beispiel der Künstlichen Intelligenz wird deutlich, wie tiefgreifend neue digitale Technologien unser Leben beein-flussen und wie rasant sie sich weiterentwickeln. Umso wichtiger ist eine informatische Allgemeinbildung, die nicht auf einzelne Anwendungen beschränkt bleibt, sondern junge Menschen dazu befähigt, auch zukünftige Entwicklungen zu verstehen und kompetent zu nutzen. Entsprechend empfiehlt die ständige wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz die Einführung eines Pflichtfachs Informatik an allen Schulformen der Sekundarstufe I (Sek I) im Umfang von sechs Wochenstunden. Das entspräche beispielsweise einer Schulstunde pro Woche von der 5. bis zur 10. Klasse. Als Zwischenziel bis 2024/25 formuliert die SWK vier Wochenstunden.

Die Bilanz zum Schuljahr 2026/27 fällt gemischt aus. Inzwischen bieten zehn Bundesländer ein Pflichtfach an allen Schulformen der Sek I an; acht von zehn Schülerinnen und Schüler leben in diesen Bundesländern. Rheinland-Pfalz (4 Wochenstunden) und Bremen (2 Wochenstunden) ha-ben konkrete Pläne zur Einführung des Pflichtfachs. Das Zwischenziel von vier Wochenstunden haben heute allerdings nur sieben Bundesländer erreicht. Vorreiter sind Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und das Saarland. Hier sind sogar schon sechs Wochenstunden verankert.

Anzahl Pflichtstunden Informatik an weiterführenden Schulen im Schuljahr 2026/27 (Deutschlandkarte)
Anzahl Pflichtstunden Informatik an weiterführenden Schulen im Schuljahr 2026/27 (Deutschlandkarte)


Informatiklehrkräfte-Mangel:
Attraktivität des Informatik-Lehramtsstudium steigern,
Abbruchquote verringern sowie alternative Zugangswege stärken

Besonders im Fach Informatik fehlen Lehrkräfte. Trotz einer stetigen Zunahme an Informatiklehrkräften in den vergangenen Jahren bleibt die Lücke groß. Zur Abdeckung von sechs Wochenstunden bundesweit werden rund 32.000 Informatiklehrkräfte benötigt (IM, 2024), laut aktuellem Informatik-Monitor gibt es derzeit knapp 11.000 Informatiklehrkräfte. Über das grundständige Lehramtsstudium kommen nicht ausreichend viele Informatiklehrkräfte nach. Neben einer Steigerung der Studierendenzahlen muss hier insbesondere die enorme Abbruchquote verringert werden. Jährlich beginnen etwa 1.000 Personen ein Lehramtsstudium für das Fach Informatik, nur etwa 300 schließen dieses Studium auch ab (Sonderauswertung, Destatis). Damit liegt der spezifische Abbruch für das Lehramtsstudium Informatik deutlich über der schon an sich hohen durchschnittlichen Abbruchquote im Lehramt von 40 Prozent. Hier müssen Abbruchgründe genauer erfasst und spezifische Maßnahmen dagegen entwickelt werden.

Um den enormen Informatiklehrkräftebedarf zu decken, müssen aber auch alle alternativen Zugangswege gestärkt werden, und zwar insbesondere die Weiterqualifizierung schon bestehender Lehrkräfte zur Lehrbefähigung Informatik sowie Quereinstiegsmöglichkeiten. Ein wichtiger Faktor: Eine Erhöhung der Pflichtstundenzahl schafft Anreize und Möglichkeiten zur Lehrkräftegewinnung, insbesondere über Weiterqualifizierungen. Beispielsweise konnte Baden-Württemberg im vergangenen Schuljahr im Zuge der Aufstockung von einer auf vier Pflichtstunden Informatik 337 Lehrkräfte weiterbilden, das entspricht etwa 50 Prozent des vorherigen Gesamtbestandes.

 

Konkurrenz um Platz in der Stundentafel:
Stellenwert der Informatik aufwerten und
sechs Wochenstunden verankern

Informatik ist – wie Physik, Chemie und Biologie – eine eigenständige wissenschaftliche Disziplin. Deshalb braucht es kontinuierlichen, aufeinander aufbauenden Unterricht über die gesamte Sekundarstufe I. Der von der SWK geforderte Umfang von sechs Wochenstunden für Informatik liegt dabei sogar noch unter der durchschnittlichen Wochenstundenzahl in den Naturwissenschaften.2 Um diese sechs Wochenstunden in den Stundentafeln zu verankern, kann eine Aufstockung der Gesamtstundenzahl nicht die alleinige Lösung sein. Stunden müssen vielmehr neu verteilt werden. Die Bundesländer haben dabei einen großen Spielraum, Stunden auf die einzelnen Lernbereiche zu verteilen und sie haben diesen in der Vergangenheit auch genutzt. Die Aufstellung aller Stundenkontingente nach Lernbereich, Schulform und Bundesland im aktuellen Informatik-Monitor zeigt: Keine zwei Stundentafeln sind gleich, die KMK-Mindestvorgaben sind in den allermeisten Fällen übererfüllt. Und Lösungen, sechs Wochenstunden für Informatik in den Stundentafeln zu verankern, können gefunden werden, wie man in Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und dem Saarland sehen kann.

 

 
ÜBER DEN INFORMATIK-MONITOR

Mit dem Informatik-Monitor schaffen der Stifterverband, die Gesellschaft für Informatik und die Heinz Nixdorf Stiftung Transparenz zum aktuellen Stand der informatischen Bildung in Deutschland. Zusammen mit den Analysen der Gesellschaft für Informatik zum Angebot und Umfang des Informatikunterrichts an allgemeinbildenden Schulen stellt der Stifterverband wichtige Steuerungsdaten zur Reichweite des Informatikunterrichts, zur Situation der Informatiklehrkräfte in Studium und Weiterbildung und zur Einbindung des Pflichtfachs Informatik in der Stundentafel zur Verfügung.
 

Kontakt

Felix Süßenbach (Foto: Marcel Schwickerath)
Felix Süßenbach (Foto: Marcel Schwickerath)

Dr. Felix Süßenbach

leitet das Team für Bildungsstudien in der Data & Policy Unit des Stifterverbandes.

T 030 322982-577

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