Future Skills: Strategische Potenziale für Hochschulen

Diskussionspapier 3 von Stifterverband und McKinsey

  • Hochschulen stehen vor der Herausforderung, alle ihre Studierenden auf die digitalisierte Arbeitswelt vorzubereiten. Das erfordert von Hochschulen neue Bildungsstrategien und eröffnet ihnen eine Reihe strategischer Potenziale. Derzeit mangelt es vor allem an Bildungsangeboten, die Zukunftskompetenzen wie komplexe Datenanalyse oder kollaboratives Arbeiten vermitteln. Außerdem ist es notwendig, dass digitale Fachkenntnisse in allen Studiengängen vermittelt werden.
  • Bei der Vermittlung von solchen Zukunftskompetenzen werden Hochschulen für Unternehmen immer bedeutender: Heute arbeitet jedes vierte Unternehmen mit Hochschulen zusammen, um seine Kompetenzbedarfe zu decken. In fünf Jahren wird es mehr als jedes dritte sein (37 Prozent).
  • Es braucht zukunftsorientierte Neuerungen und mehr Ressourcen in ganz unterschiedlichen Bereichen. Dazu zählen die Konzipierung neuer Studiengänge und die Weiterentwicklung bestehender Curricula, die Vermittlung von Data-Literacy-Kompetenzen, die Schaffung neuer Lernumgebungen und agiler Innovationsräume sowie die Positionierung von Hochschulen als Weiterbildungsanbieter für digitale Transformationsprozesse.

Die Arbeitswelt der Zukunft wird immer mehr von digitalen Informationen und Abläufen geprägt. Bereits heute lässt sich beobachten, wie sich herkömmliche Berufsbilder wandeln und neue Anforderungsprofile entstehen. Branchen- und berufsübergreifend wird zukünftig der kompetente Umgang mit digitalen Technologien und internetbasierten Anwendungen wichtiger werden. In dieser neuen Arbeitswelt sehen sich Unternehmen und Organisationen nun mit der doppelten Herausforderung konfrontiert, verstärkt Experten mit technischen Spezialkenntnissen (Technological Skills) zu benötigen, während gleichzeitig vielen Mitarbeitern mehr grundlegende digitale und nicht technische Schlüsselqualifikationen vermittelt werden müssen. Der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern für die digitale Transformation beschränkt sich also nicht auf einige wenige technische Spezialisten, sondern ist für Arbeitgeber eine nicht zu unterschätzende Aufgabe für viele Organisationseinheiten.

Hochschulen werden für die Personalstrategien von Unternehmen zunehmend wichtiger. Das gilt sowohl für die Personalrekrutierung als auch für die Personalentwicklung. Bei der Personalrekrutierung buhlen Unternehmen um diejenigen Absolventen, welche die notwendigen IT-Kompetenzen und digitalen Schlüsselqualifikationen während ihres Studiums erworben haben. Im Bereich der Weiterbildung kooperieren Unternehmen mit Hochschulen, um Mitarbeitern aktuelles Wissen für die Arbeitswelt 4.0 zu vermitteln.

Hochschulen und Unternehmen sind beim Thema Future Skills also aufeinander angewiesen. Schon heute kooperiert jedes vierte Unternehmen mit Universitäten und Fachhochschulen. Eine Entwicklung, die sich laut Aussagen der von Stifterverband und McKinsey befragten Unternehmen mittelfristig noch verstärken wird.

 
Auf die Frage, wie Unternehmen gegenwärtig ihre Mitarbeiter weiterbilden, gaben 25,8 Prozent an, in diesem Bereich mit Fachhochschulen und Universitäten zu kooperieren. Dieser Anteil wird bis 2023 auf 37,4 Prozent ansteigen, was einem Zuwachs von 45 Prozent innerhalb von fünf Jahren entspricht. Noch etwas stärker wird nur die Zusammenarbeit mit privaten Bildungsanbietern wachsen. Besondere Relevanz kommt Hochschulen gegenwärtig bei der fachlichen Ausbildung und Weiterbildung technischer Experten zu, während in Unternehmen die Entwicklung und der Ausbau überfachlicher Skills überwiegend durch eigene Angebote oder durch Angebote privater Weiterbildungsanbieter gedeckt wird.

Dieses Diskussionspapier geht der Frage nach, welche Wege Hochschulen gehen können, um den zukünftigen Bedarf an benötigten Future Skills zu decken und welche Chancen sich dabei für Hochschulen zur institutionellen Weiterentwicklung eröffnen.

 

Fazit und Ausblick

Die Integration der Future-Skills-Vermittlung in die Curricula sowie das Schaffen eines umfassenden Weiterbildungsangebots im Bereich der transformativen Technologien ist für Hochschulen Aufgabe und Chance zugleich: Sie können in Forschung und Lehre neue Felder besetzen, Lehrinnovationen umsetzen, sich in einem wachsenden Markt positionieren und neue Gruppen von Lernenden für sich begeistern. Hochschulen stehen vor der Herausforderung, ihre Bildungsstrategien grundlegend zu verändern und den Anforderungen des zukünftigen Arbeitsmarktes und der Gesellschaft mit einem angepassten Angebot für technologische und überfachliche Future Skills zu begegnen.

Auf die digitale Transformation der Gesellschaft und der Arbeitswelt ausgerichtete Future Skills sollten an Hochschulen fächerübergreifend in zunehmend individualisierten Studienkonzepten und in der Weiterentwicklung disziplinärer sowie neuer transdisziplinärer Studiengänge deutlich mehr adressiert werden. Dazu bedarf es auch der nachhaltigen Erneuerung von Lehr- und Lernformaten, die mit deutlich mehr Ressourcen als bislang von der Politik unterstützt werden muss.

Hochschulen stehen dabei vor einer doppelten – fast paradoxen – Herausforderung: Einerseits müssen neue Kompetenzen in Inhalten, Lernsettings und Forschungsumgebungen vermittelt werden. Als Orte der Wissenschaft sollten und müssen die Hochschulen bei technologischen Future Skills die Vorreiter bei der Generierung neuen Wissens und der Vermittlung der nötigen fachlichen Fähigkeiten für die Arbeitswelt der Zukunft sein. Andererseits konkurrieren Hochschulen bei ihrer eigenen Personalrekrutierung und Nachwuchsentwicklung auf einem Arbeitsmarkt, der digitale Kompetenzen händeringend sucht und diese mit attraktiven Gehältern belohnt. Die Folge: Digital- und Big-Data-Spezialisten sind für diejenigen Institutionen, die diese Spezialisten ausbilden sollen, zunehmend schwieriger zu finden und zu halten. So ergeben sich übergreifende strategische Herausforderungen und Potenziale für die Hochschulen: die Weiterqualifizierung des eigenen Personals und die verstärkte Kooperation mit Hightech- und datengetriebenen Unternehmen beim Thema Curriculumsentwicklung, Rekrutierung und Weiterbildung.

 

Kontext und Methodik der Studie

Das Diskussionspapier wurde im Rahmen der Zusammenarbeit des Stifterverbandes und McKinsey & Company erarbeitet. Es ist das dritte Diskussionspapier, das in die Initiative "Future Skills" des Stifterverbandes eingebettet ist. Methodisch basieren die Ergebnisse auf einer Kombination aus quantitativem und qualitativem Vorgehen: So wurde zunächst ein Workshop mit 30 Teilnehmern aus Start-ups, etablierten Unternehmen, Bildungseinrichtungen sowie aus Politik, Verwaltung und Verbänden veranstaltet. Anschließend erfolgte eine standardisierte Online-Befragung von insgesamt 607 deutschen Unternehmen, flankierend wurden 20 leitfadengestützte Experteninterviews mit Personalverantwortlichen durchgeführt. Stets wurde berücksichtigt, dass Unternehmen jeder Größe, von Start-ups über den Mittelstand bis zu Großkonzernen, in der Datenbasis vertreten sind. Darüber hinaus basieren die Diskussionspapiere auf den bisherigen Erkenntnissen der Initiative "Future Skills" des Stifterverbandes sowie der Arbeit von McKinsey zu diesem Thema. Zudem wurde systematisch untersucht, ob und inwieweit die Hochschulen in Deutschland Studiengänge für spezifische technologische Fähigkeiten anbieten.

Inhaltliche Leitung und Ansprechpartner

Dr. Mathias Winde

leitet im Stifterverband den Programmbereich "Hochschulpolitik und -organisation".

T 030 322982-501
F 030 322982-515

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Dr. Jürgen Schröder

ist Senior Partner bei McKinsey & Company
in Düsseldorf.

T 0211 136-4134

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