Die Zukunft der Qualifizierung in Unternehmen nach Corona

Diskussionspapier 5 von Stifterverband und McKinsey

Die Corona-Krise verändert Arbeitsmarkt und Arbeitsalltag grundlegend. Ihre Folgen haben in Deutschland zur schlimmsten Wirtschaftskrise seit der Großen Depression in den 1930er Jahren geführt. Zu Beginn der Pandemie im April 2020 erhielten 5,95 Millionen Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld, bis Juli hat sich dieser Wert auf 4,24 Millionen reduziert mit weiter sinkender Tendenz (Stand: Ende September 2020). Die Zahl der Arbeitslosen lag im September 2020 bei etwa 2,85 Millionen. Noch ist nicht absehbar, wie sich der Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten entwickeln wird – weitere Entlassungen und Freistellungen sind nicht auszuschließen. Gleichzeitig verändert die Pandemie den Arbeitsalltag: Sie beschleunigt bereits angestoßene Digitalisierungsprozesse und beeinflusst tradierte Handlungs- und Denkmuster. Arbeitsmodelle mit mehr Heimarbeit sind Teil der neuen Normalität. Vor diesem Hintergrund haben Stifterverband und McKinsey deutsche Unternehmen zum Thema Qualifizierung befragt.

Das im Dezember 2020 veröffentlichte Diskussionspapier wurde vom Stifterverband in Zusammenarbeit mit McKinsey & Company, Inc. erstellt. Methodisch basieren die Ergebnisse auf einer im August 2020 durchgeführten Online-Umfrage zum Thema Qualifizierungsmaßnahmen. Mehr als 550 Unternehmen mit mindestens 50 Mitarbeitern aus allen Branchen in Deutschland haben sich daran beteiligt. Befragt wurden leitende Angestellte und Personalverantwortliche zu den Auswirkungen der Corona-Krise. Zusätzlich wurde auch eine Reihe von qualitativen Interviews mit führenden Personalverantwortlichen durchgeführt. Ziel war es, herauszufinden, wie sich die Pandemie auf Aus- und Weiterbildung von Unternehmen ausgewirkt hat.

Dieses Diskussionspapier gibt einen Überblick über die Ergebnisse der Umfrage, zeigt konkrete Handlungsempfehlungen für Unternehmen auf und erläutert wie Politik, Verbände und Sozialpartner einen Beitrag leisten können. Zusätzlich berücksichtigt wurden Erkenntnisse der Future-Skills-Initiative des Stifterverbandes sowie Arbeiten von McKinsey zu diesem Thema.

Stifterverband, McKinsey 2020

Zentrale Ergebnisse der Befragung

  • Die Corona-Krise beschleunigt die Digitalisierung der Fort- und Weiterbildungsangebote und setzt neue Impulse für die Qualifizierung. Vor Beginn der Pandemie wurden nur 35 Prozent aller Qualifizierungsmaßnahmen digital angeboten; inzwischen sind es bereits 54 Prozent.
  • Die deutsche Wirtschaft hat die Bedeutung von Qualifizierung in Krisenzeiten erkannt: 84 Prozent der befragten Unternehmen geben an, dass Fort- und Weiterbildung Thema auf der Vorstandsagenda ist. Dennoch sank während der Pandemie das entsprechende Budget bei 21 Prozent der Befragten; bei 49 Prozent stagnierte es.
  • Nach Einschätzung der Unternehmen werden Zukunftsfähigkeiten (Future Skills) im Zuge der Corona-Krise noch bedeutender und erhöhen den Qualifizierungsbedarf. So ist zum Beispiel der Anteil an Weiterbildungen im Bereich der digitalen Schlüsselqualifikationen seit März um 75 Prozent gestiegen.
  • Nicht nur die Corona-Krise erfordert, dass Unternehmen die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern neu denken müssen. Erfolgsvoraussetzung hierfür sind innovative Lernformate, mehr Transparenz bei den tatsächlich benötigten Fähigkeiten, systematische Evaluationen von Lernerfolgen, ein klarer Business Case für Qualifizierung und der Aufbau adäquater IT-Infrastruktur, die dezentrales Lernen unterstützt.
  • Politik, Verbände und Sozialpartner haben verschiedene Möglichkeiten, Qualifizierung in Deutschland gezielt zu unterstützen. Dazu gehören Impulse zu branchenspezifischen Future Skills-Taxonomien, die von der Bundesregierung angestoßene Verknüpfung von Kurzarbeit und Qualifizierung sowie ein leichterer Zugang zu Fördermitteln gemäß des Qualifizierungschancengesetzes. Darüber hinaus sollte geprüft werden, ob der Status quo zur steuerlichen Begünstigung in der Anschaffung privater Endgeräte für Arbeit und Qualifizierung im Homeoffice noch zeitgemäß ist.

Inhaltliche Leitung und Ansprechpartner

Dr. Mathias Winde

leitet im Stifterverband den Programmbereich "Hochschulpolitik und -organisation".

T 030 322982-501
F 030 322982-515

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Julia Klier

ist Partnerin bei McKinsey & Company
in München.

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