Future Skills für die Globalisierung

Kurzanalyse: MINT im Fokus

  • Internationale Erfahrungen sind insbesondere bei innovativen und Hightech-Unternehmen gefragt, die stark auf Absolventen der MINT-Fächer setzen.
  • MINT-Fächer sind bereits vielfach Vorreiter der Internationalisierung an deutschen Hochschulen. 77 Prozent der MINT-Fachbereiche haben in den letzten fünf Jahren ihre Maßnahmen zur Internationalisierung ausgebaut. Nachholbedarf besteht allerdings bei der Auslandsmobilität einheimischer Studierenden.

Der Arbeitsalltag für Beschäftigte in Deutschland wird zunehmend international. Die Zusammenarbeit mit Kunden, Zulieferern und Partnern im Ausland ist für deutsche Unternehmen längst üblich. Durch den anhaltenden Zuzug nach Deutschland wird auch die Zusammensetzung der Belegschaften tendenziell bunter. Von Unternehmen werden internationale Erfahrungen und interkulturelle Kompetenzen deshalb geschätzt. Sie gehören damit zu den wesentlichen Anforderungen an Arbeitnehmer. Zu solchen Kompetenzen zählen beispielsweise interkulturelles Verständnis, Kenntnis ausländischer Märkte und im Ausland erworbene Fähigkeiten.

Laut einer Studie von DAAD und IW Köln (2016) werden deutsche Studierende mit studienbezogenen Auslandsaufenthalten von den Arbeitgebern als insgesamt besser vorbereitet für den Berufseinstieg eingeschätzt. 70 Prozent der im Ausland aktiven Unternehmen und immerhin noch 47 Prozent der Unternehmen ohne Auslandsaktivitäten vertreten diese Ansicht. Die Unternehmen sehen Auslandsaufenthalte als gute Möglichkeit, sowohl interkulturelle als auch allgemeine Kompetenzen zu verbessern. Bei ansonsten gleich qualifizierten Kandidaten kann die Auslandserfahrung dann ausschlaggebend sein.

Die Bedeutung internationaler Kompetenzen bei der Personalrekrutierung unterscheidet sich dabei stark nach Branche und Innovationsorientierung. 73 Prozent der Hightech-Unternehmen und 63 Prozent der Informations- und Kommunikationstechnikunternehmen betrachten Auslandserfahrung der Bewerber als wichtiges Auswahlkriterium bei der Einstellung neuer Mitarbeiter. Auch 60 Prozent der in Forschung und Entwicklung aktiven Unternehmen wertschätzen internationale Kompetenzen bei der Stellenbesetzung. Demgegenüber sind es nur 38 Prozent bei denjenigen, die keine Forschung und Entwicklung betreiben. Es zeigt sich also, dass insbesondere die innovativen Unternehmen auf die Auslandserfahrungen ihrer Mitarbeiter setzen (Stifterverband/McKinsey 2015).

Der Bedarf seitens der Unternehmen zeigt: Die akademische Ausbildung ist gefordert, nicht nur - aber auch - im Sinn einer Beschäftigungsfähigkeit ihrer Absolventen, die Entwicklung von internationalen Kompetenzen in den Blick zu nehmen. Eine besondere Vorreiterrolle bei der Internationalisierung sollten dabei die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Natur- und Technikwissenschaften) einnehmen. Denn deren Absolventen arbeiten vorrangig in den innovativen Branchen, die auf globale Märkte zielen und deren Unternehmen Internationalität der Mitarbeiter besonders hoch wertschätzen. Doch gerade diese Fächer haben bei der Internationalisierung des Studiums und der Lehre oft noch Nachholbedarf.

In den MINT-Fächern ist der Anteil derer, die zeitweise zum Studieren ins Ausland gehen eher gering. Mit 24 Prozent in den Ingenieurwissenschaften und 23 Prozent in Mathematik und Naturwissenschaften war die Mobilitätsquote einheimischer Studierender im Jahr 2015 nur halb so hoch wie in den Wirtschaftswissenschaften (DAAD/DZHW 2015). Im Curriculum sind verpflichtende Auslandssemester (4 Prozent der Fachbereiche) oder Praktika (3 Prozent der Fachbereiche) nur eine Ausnahme (Stifterverband 2018). Die geringe Mobilität scheint jedoch nicht unbedingt an unzureichenden Angeboten zu liegen. Denn nahezu alle MINT-Fachbereiche unterstützen einheimische Studierende bei der Organisation ihrer Auslandsaufenthalte und eine große Mehrheit (83,7 Prozent) bietet Beratungsangebote zum Auslandsaufenthalt an. Bei der Suche nach Praktikumsplätzen unterstützen wiederum 67,5 Prozent. Angebote der Fachbereiche werden durch hochschulweite Angebote ergänzt, zum Beispiel durch die Vermittlung und Vergabe von Stipendien (Stifterverband 2018).

Wenn Angebote internationaler Mobilität von deutschen MINT-Studierenden seltener wahrgenommen werden, müssen Hochschulen sich verstärkt um internationalization@home bemühen, also um Maßnahmen, die Studiengänge und das Lernen und Leben auf dem Campus an Hochschulen in Deutschland international gestalten. Dazu gehören die Internationalisierung der Curricula sowie das gemeinsame Lernen und der Austausch mit ausländischen Studierenden und Lehrenden. Bei diesen Maßnahmen können die MINT-Fächer zumindest teilweise punkten. 15,6 Prozent der Studiengänge in den MINT-Fachbereichen sind komplett englischsprachig (Stifterverband 2018). Insgesamt bieten die MINT-Fächer die Hälfte aller internationalen Studiengänge in Deutschland an. Internationalität im Studium heißt dabei jedoch nicht, nur in englischer Sprache zu unterrichten, sondern auch die Lehrinhalte für mehr Internationalität zu öffnen. Das ist besonders wichtig, um ein Verständnis von globalen Märkten, unterschiedlichen Kulturen und internationalen gesellschaftlichen Heraus-forderungen zu erlangen. Eine Bewertung dieser inhaltlichen Internationalität im MINT-Studium bedarf jedoch noch weiterer Forschung.

Ein direkter Weg, Internationalität in Studium und später in die Arbeitswelt zu bringen, ist die Gewinnung internationaler Talente. Rund eine halbe Million MINT-Akademiker aus dem Ausland arbeiten aktuell in Deutschland (IW Köln, 2017). Viele davon haben ihren Abschluss bereits an einer deutschen Hochschule erworben. Insgesamt sind die MINT-Fächer die beliebteste Studienrichtung bei Bildungsausländern in Deutschland. 46,4 Prozent aller ausländischen Studierenden sind in MINT eingeschrieben (Statistisches Bundesamt 2016). Damit entscheiden sich Bildungsausländer häufiger für die MINT-Fächer als einheimische Studierende. Eine besondere Herausforderung für diese Gruppe ist der Übergang vom Studium in den deutschen Arbeitsmarkt. Unterstützend wirken kann dabei der frühzeitige Erwerb von praktischen Erfahrungen.

Ein Schlüssel für den Erwerb praxisorientierter Fähigkeiten stellt die Zusammenarbeit mit Unternehmen dar. Die große Mehrheit der Hochschulen und insbesondere der MINT-Fächer sind hier bereits aktiv. Die Kooperation mit Unternehmen im Bereich Praxisbezug und Übergang in den deutschen Arbeitsmarkt wird von 79,6 Prozent der MINT-Dekane als gut bewertet. Mit gemeinsamen Aktivitäten wie zum Beispiel Unternehmensvorstellungen und -exkursionen (83,8 Prozent), der Vermittlung von Unternehmenskontakten und Praktika (83 Prozent) sowie mit Beratung bei der Jobsuche (68,8 Prozent) leisten die Hochschulen einen wichtigen Beitrag zur Beschäftigungsbefähigung und Integration von Bildungsausländern in den deutschen Arbeitsmarkt. Besonders aktiv wird dabei mit den regionalen Unternehmen zusammengearbeitet. Im Durchschnitt kooperieren die Fächer mit 16 Partnern aus der Region und 13 Partnern außerhalb der Region (Stifterverband 2018).

 

Fazit

Deutsche Hochschulen genießen international einen exzellenten Ruf für ein MINT-Studium. Doch während viele ausländische Studierende für ein MINT-Studium nach Deutschland kommen, sammeln nur vergleichsweise wenige einheimische Studierende Erfahrungen im Ausland. Dabei setzen Unternehmen auf Absolventen, die auf globalen Märkten und in international geprägten Arbeitsumgebungen agieren können, insbesondere in den MINT-orientierten Branchen. Gefragt sind deshalb die Vermittlung interkultureller Kompetenzen und die Internationalisierung der Studieninhalte, um die angehenden Fachkräfte auf die Arbeitswelt der Zukunft vorzubereiten. Dafür gilt es, die im Fächervergleich geringe internationale Mobilität zu steigern, curriculare Elemente der Internationalisierung auszubauen und die vorhandenen Stärken bei der Zusammenarbeit mit Unternehmen weiter zu entwickeln.

 

Literatur

DAAD/DZHW (2015): Internationale Mobilität im Studium 2015. Ergebnisse der fünften Befragung deutscher Studierender zur studienbezogenen Auslandsmobilität, Bonn/Hannover

DAAD/IW Köln (2016): Hochschulabsolventen mit Auslandserfahrungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt, Bonn/Köln

Hochschulrektorenkonferenz (2016): Statistische Daten zu Studienangeboten an Hochschulen in Deutschland, Bonn

IW Köln (2017): MINT-Frühjahrsreport 2017, MINT-Bildung: Wachstum für die Wirtschaft, Chancen für den Einzelnen, Köln

Statistisches Bundesamt (2016): Studierende an Hochschulen, Fachserie 11, Reihe 4.1., Wiesbaden

Stifterverband (2018): Wie international ist MINT? Indikatoren, Strategien, Instrumente. Essen

Stifterverband/McKinsey (2015): Hochschul-Bildungs-Report, Essen

Kontakt

Dr. Pascal Hetze

leitet im Stifterverband den Programmbereich 
"Analysen und Innovationspolitik".

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Elena Mostovova

ist Wissenschaftliche Referentin und Programmmanagerin im Bereich "Programm und Förderung".

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