Fellow-Programm Freies Wissen

Das Fellow-Programm für Doktoranden, Post-Docs und Juniorprofessoren  ist eine Kooperation zwischen Wikimedia Deutschland e.V. und dem Stifterverband. Es fördert die Öffnung von Forschung und Lehre im Sinne von Open Science und kollaboratives Forschen nach dem Vorbild der Wikipedia.

Forschungsdaten und -ergebnisse sollten über das Internet für alle zugänglich, transparent und nachnutzbar sein. Mit Open Science können Forschende sowie die Gesellschaft als Ganzes an den Ergebnissen wissenschaftlicher Forschung partizipieren.

Das Programm

Das Fellow-Programm richtet sich an Doktoranden, Post-Docs und Juniorprofessoren, die ihre Forschungsprozesse offen gestalten möchten. So ist das Programm darauf ausgerichtet, dass Bestandteile des wissenschaftlichen Prozesses wie beispielsweise Methoden, Forschungsdaten und Publikationen offen zugänglich und nachnutzbar gemacht werden. Auf diese Weise können der Öffentlichkeit aber auch anderen Forschenden diese Daten und Informationen als Wissensallmende zur Verfügung gestellt werden.

Die Idee einer offenen Wissenschaft und Forschung im Sinne von Open Science zu stärken, ist zentrales Anliegen des Programms: Transparenz, Reproduzierbarkeit und Vergleichbarkeit wissenschaftlichen Arbeitens sind dafür elementare Voraussetzungen. Besonders soll der Austausch und die Vernetzung von Aktiven im Bereich Open Science gefördert werden, um damit die schrittweise Öffnung von Wissenschaft und Forschung weiter voranzutreiben. Dazu bietet das Programm die Möglichkeit, sich mit Experten aus unterschiedlichen Fachdisziplinen zu vernetzen, die Einblicke in ihre freie Forschungspraxis bieten.

Im Rahmen des Fellow-Programms werden neben theoretischen Grundlagen zu den Themen Freies Wissen und Open Science auch deren praktische Anwendung vermittelt. Ziel ist es, die Fellows bei ihrer Arbeit mit digitalen Ressourcen zu unterstützen: Sie lernen Methoden und Verfahren, aber auch Werkzeuge kennen, mit denen sie eine offene Wissenschaft gestalten können:

  • Offene und kollaborative Methoden (Open Methodology)
  • Offene Technologien (Open Source)
  • Freie Lizenzierung (Open Data)
  • Offenes Publizieren (Open Access)
  • Offene Verfahren zur Qualitätssicherung (Open Peer Review)
  • Offene Materialien (Open Educational Resources)

 

Die Fellows 2016

 
Aus den Bewerbungen hat eine Jury im September 2016 die zehn überzeugendsten Anträge ausgewählt. Zu den ausgezeichneten Wissenschaftlern zählen unter anderem Psychologen, Biologen, Juristen und Literaturwissenschaftler, die ihre Forschungsdaten und -methoden offen zugänglich machen wollen:

Ruben C. Arslan

Ruben C. Arslan promoviert in der Biologischen Persönlichkeitspsychologie an der Georg-August-Universität Göttingen. Dort befasst er sich mit den evolutionären und genetischen Ursachen von individuellen Unterschieden in Persönlichkeit und Intelligenz und untersucht romantische Präferenzen und Beziehungsdynamiken. Er hofft, dass offene, transparente Wissenschaft die psychologische Forschung solider und replizierbarer machen wird. Um das voranzutreiben veröffentlicht er wissenschaftliche Open-Source-Software und beteiligt sich an internationalen und lokalen Initiativen zur Förderung von Open Science.

Mirjam Braßler

Mirjam Braßler ist Psychologin, Ökonomin und Erziehungswissenschaftlerin und promoviert derzeit an der Universität Hamburg zum Thema "Interdisziplinäres Lehren, Lernen und Arbeiten". Im Fellowprogramm "Freies Wissen" erstellt sie eine Handreichung für Lehrende, die gemeinsam mit Studierenden Open Educational Resources (OERs) erstellen möchten. Des Weiteren untersucht sie, inwiefern Studierende, die OERs erstellen, ihre Fach-, Methoden-, Kommunikations-, Kooperation-, und Personalkompetenzen weiterentwickeln.

Marion Goller

Marion Goller ist Juristin, hat in Mainz und Leicester studiert und in Rheinland-­Pfalz und London ihr Referendariat absolviert. Derzeit promoviert sie an der Universität Münster im Bereich Immaterialgüterrecht. In ihrer Dissertation erforscht sie die Mechanismen der Privatisierung von Wissen und die Gegenbewegungen hin zu einer Wissensallmende. Sie analysiert, wie die Verschärfung von Urheber­ und Patentrecht sowie die Einführung neuer Schutzrechte Kreativität und Innovation hemmen statt fördern und inwieweit Konzepte zur Freien Lizenzierung dieser Entwicklung entgegenwirken können.

Hanjo Hamann

Dr. Dr. Hanjo Hamann arbeitet am Max Planck Institut (MPI) zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern (Bonn) u.a. zu Rechtslinguistik, empirischer Rechtsforschung und Verhaltensökonomik. Sein Projekt beinhaltet die erstmalige Digitalisierung und wissenschaftliche Aufbereitung amtlicher Daten zu Personalbesetzung und interner Aufgabenverteilung deutscher Bundesgerichte (sogenannte Geschäftsverteilungspläne) seit dem Zweiten Weltkrieg. Diese Daten sollen offen online zugänglich werden und insbesondere die historische, soziologische und politikwissenschaftliche Erforschung der deutschen Justizgeschichte erleichtern.

Adelheid Heftberger

Adelheid Heftberger ist wissenschaftliche Referentin am ZeM (Brandenburgisches Zentrum für Medienwissenschaften) in Potsdam. Wissenschaftliche Artikel bestehen bisher immer noch zum überwiegenden Teil aus reinem Text, in den manchmal Bilder eingesetzt werden; nur ganz selten sind Videos in der Präsentation von Texten im Web eingebettet. Ihr Ziel im Projekt ist es daher, anhand des Open-Access-Journals Apparatus eine Vision für zukünftige elektronische Publikationen zu entwerfen. Solche enhanced publications sollen einerseits mit frei verfügbaren Daten und Medien angereichert werden. Andererseits sollen Forschungsergebnisse daraus in offene Wissenssammlungen übertragen werden.

Benjamin Paffhausen

Benjamin Paffhausen ist Doktorand der Neurobiologie an der FU Berlin und interessiert sich für Kollaborationen und die Weiterverwertung von reichhaltigen Daten. Er untersucht die Gehirnaktivität freilaufender, sich natürlich verhaltender Honigbienen im Stock. In diesem Projekt ist geplant, mithilfe einer künstlichen Blume Bienen auf eine Farbe und Belohnung zu dressieren. Dabei wird die Aktivität einzelner Nervenzellen einer so trainierten Biene gemessen. Was passiert wenn die Blume leuchtet aber keine Belohnung bereit stellt oder die Blume in einer neuen Farbe leuchtet? Wie sieht Erwartung neuronal aus?

Lena Reibelt

Lena Reibelt beschäftigt sich im Rahmen ihrer Promotion an der Universität Hildesheim mit den hemmenden und fördernden Aspekten von Umweltbildung auf Madagaskar. Trotz internationaler Anerkennung derselben als Schlüsselelement für nachhaltige Entwicklung ist sie nicht Teil des madagassischen Curriculums. Um die Kluft zwischen Wissen(schaft) und Praxis zu überbrücken, sollen im Rahmen des Fellow-Programms Handlungsoptionen identifiziert werden, welche den Austausch zwischen Nichtregierungsorganisationen bezüglich Umweltbildung erhöhen können. Ziel ist es, damit die Ausweitung und Professionalisierung von Umweltbildung auf Madagaskar zu unterstützen.

Nicolas Schmelling

Nicolas Schmelling promoviert an der Heinrich Heine Universität in Düsseldorf im Institut für Synthetische Mikrobiologie, wo er sich mit der Diversität und Funktionalität der cirkadianen Uhr in Cyanobakterien befasst. Innerhalb des Fellow Programmes wird er sich mit der Evolution eines Zeitmessers beschäftigen. Dafür wird er Computersimulationen verwenden, in denen er digitale Organismen evolvieren lässt. Diese entwickeln, um ihre Konkurrenten zu verdrängen, Strategien, welche dabei helfen werden grundlegende Entwicklungsprozesse eines Zeitmesser besser zu verstehen.

Melanie Tietje

Melanie Tietje ist Biologin mit einem Master in Organismischer Biologie und Evolution der Humboldt Universität zu Berlin und interessiert sich für Paläobiologie und Möglichkeiten der Anwendung auf aktuelle Fragestellungen. Sie promoviert seit 2014 am Museum für Naturkunde in der Arbeitsgruppe Herpetologie. In ihrer Dissertation beschäftigt sie sich mit dem Aussterberisiko von Amphibien und den verschiedenen Merkmalen, welche dieses beeinflussen. Hierfür verbindet sie Daten fossiler und rezenten Arten. In ihrem Projekt im Rahmen des Fellow-Programms modelliert sie Aussterberisiken rezenter Amphibien basierend auf Informationen aus dem Fossilbericht aus Open-Access-Datenbanken.

Klara-Aylin Wenten

Klara-Aylin Wenten ist Doktorandin am Friedrich Schiedel-Lehrstuhl für Wissenschaftssoziologie und Munich Center for Technology in Society der TU München. Sie befasst sich mit Formen der Bürgerpartizipation in Innovations- und Produktionsprozessen. Schwerpunkt ihrer Promotion sind technikorientierte Bewegungen wie das "Maker Movement", anhand deren untersucht werden soll, wie Konzepte von Offenheit, Bewegung oder Protest im Verhältnis zu gegenwärtigen sozio-technischen Praktiken stehen. Im Rahmen des Fellowship-Programms sollen Bauanleitungen und Online-Tutorials untersucht werden, um Einblicke in deren Voraussetzungen und Formen der Wissens- und Innovationsgenerierung zu erhalten.

Mentoring

Über einen Zeitraum von sechs Monaten (September 2016 bis Februar 2017) erhalten die Fellows eine persönliche Betreuung durch Mentorinnen und Mentoren, die Open Science bereits in ihrer Forschung anwenden. Diese stehen ihnen als feste Ansprechpartner für die Umsetzung ihrer Ziele innerhalb ihrer Forschungsvorhaben beratend zur Seite.

Die Fellows stehen in regelmäßigem Austausch mit ihren Mentoren. Dieser Austausch kann als Einzelmentoring sowie als Peer-to-Peer-Mentoring in Form selbstorganisierter Arbeitsgruppen erfolgen. Für eine kontinuierliche Evaluation der gemeinsamen Arbeit schließen die Fellows mit ihren Mentorinnen und Mentoren zu Beginn des Programms verbindliche Ziel- und Handlungsvereinbarungen.

 

Finanzielle Unterstützung

Für das Jahr 2016 werden zehn Stipendien vergeben, welche mit jeweils 5.000 Euro dotiert sind. Dabei handelt es sich um individuelle, personengebundene Stipendien, die den Fellows Freiräume und Ressourcen für die Durchführung ihrer eigenen Forschungsvorhaben verschaffen. Die Stipendien werden monatlich (fünf Raten à 1.000 Euro) ausbezahlt. Auch Reise- und Übernachtungskosten für Präsenzveranstaltungen im Rahmen des Fellow-Programms werden bei Bedarf erstattet.

 

Präsenzveranstaltungen

Die Auftaktveranstaltung zum Programmstart findet vom 9. bis zum 11. September 2016 in Berlin statt. Hier haben Fellows, Mentorinnen und Mentoren die Möglichkeit, sich kennenzulernen und das Vorgehen für die gemeinsame Arbeit zu planen. Die Veranstaltung bietet darüber hinaus Raum für Austausch, Diskussion und Vernetzung zu Erfahrungen und Fragestellungen rund um die Themen Freies Wissen und Open Science.

Das Fellow-Programm endet nach einer Laufzeit von sechs Monaten mit einer Abschlussveranstaltung im Februar 2017 in Berlin. Hier werden gesammelte Erfahrungen und Erkenntnisse zum Fellow-Programm ausgetauscht und erste Ergebnisse aus den Forschungsvorhaben vorgestellt. Der genaue Termin wird noch bekannt gegeben.

 

Veranstaltungshinweis

Für den 10. März 2017 lädt Wikimedia Deutschland zu einer Podiumsdiskussion nach Berlin ein: Zum Abschluss des ersten Jahrgangs des Programms Freies Wissen präsentieren die geförderten Fellows ihre Projektergebnisse und sprechen darüber, wie Open Science für sie in der Praxis funktioniert hat.
Mehr Info zur Veranstaltung

Kontakt

Wenden Sie sich bei allen Rückfragen bitte an den Ansprechpartner bei Wikimedia Deutschland:

Christopher Schwarzkopf
T 030 219158-260
E-Mail senden

 

Ansprechpartner beim Stifterverband:

Sebastian Horndasch

ist Programmmanager im Bereich Programm & Förderung.
T 030 322982-535
F 030 322982-215

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