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Projekt-Dossier: Wahlprogramm-Analysen Forschung & Innovation

Forschung und Innovation (Symbolbild) (Foto: Hanns Schmelzer)
Forschung und Innovation (Symbolbild) (Foto: Hanns Schmelzer)
Foto: Hanns Schmelzer
Forschungspolitik
Innovationspolitik
Gute Praxis
Text
Anastasia Tomskikh (Foto: Marcel Schwickerath)
Anastasia Tomskikh (Foto: Marcel Schwickerath)
Anastasia Tomskikh
Veröffentlicht
03.11.2026

Drei Bundesländer, unterschiedliche Wissenschafts- und Innovationsstandorte und doch überraschend ähnliche Herausforderungen: Unser Projekt-Dossier zeigt, was wir aus drei Wahlprogrammanalysen über die Gestaltungsmöglichkeiten der Landespolitik gelernt haben.

Herausforderung: Wie kann Landespolitik Wissenschafts- und Innovationsstandorte stärken?

 
Landtagswahlen verbindet man nicht unbedingt als Erstes mit Forschungs- und Innovationspolitik. Für das Team "Forschungs- und Innovationspolitik" des Stifterverbandes waren sie aber gerade deshalb Anlass, genauer hinzuschauen: Wie kann Landespolitik Wissenschafts- und Innovationsstandorte zukunftsfähig weiterentwickeln? Dieser Frage sind wir anlässlich der Landtagswahlen im Herbst 2026 in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern nachgegangen. Uns interessierte, vor welchen Herausforderungen die drei Standorte stehen, welche Antworten die Parteien darauf entwickeln und welche Zukunftsbilder für Wissenschaft und Innovation daraus entstehen. Dieses Projekt-Dossier zeigt, wie wir dabei vorgegangen sind, welche Erkenntnisse sich aus dem Vergleich ergeben haben und was wir daraus für unsere Ausgangsfrage mitnehmen.

 

Umsetzung: Datenbasierte Analyse trifft qualitative Einordnung

 
Bei unserer Untersuchung der Wahlprogramme haben wir quantitative und qualitative Methoden miteinander verbunden. Zunächst haben wir anhand ausgewählter Daten und Indikatoren die zentralen Herausforderungen, Besonderheiten und Potenziale der jeweiligen Wissenschafts- und Innovationsstandorte herausgearbeitet. Darauf aufbauend analysierten wir die Wahlprogramme anhand einheitlicher Kategorien und fassten relevante Parteipositionen möglichst originalgetreu zusammen. Erst danach folgte unsere eigene Einordnung: Greifen die Parteien die spezifischen Herausforderungen und Potenziale ihres Bundeslandes auf? Welche konkreten Lösungsansätze formulieren sie? Und entsteht daraus ein schlüssiges Zukunftsbild für den jeweiligen Wissenschafts- und Innovationsstandort?

Die Analysen zeigen zugleich eine Besonderheit unserer Arbeit im Stifterverband: Wir betrachten Forschungs- und Innovationspolitik nicht isoliert, sondern fragen, wie Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zusammenwirken müssen, damit aus wissenschaftlicher Stärke gesellschaftliche und wirtschaftliche Wirkung entsteht.

 

Drei zentrale Erkenntnisse

 
1. Wissenschaftspolitik ist auch Standortpolitik

Wer Wissenschaftspolitik eines Bundeslandes verstehen möchte, sollte zunächst einen Blick in dessen Innovationsstrategie werfen. Zumindest haben wir die Erfahrung gemacht, dass sich darin die Stärken, Schwerpunkte und zentralen Herausforderungen des jeweiligen Wissenschafts- und Hochschulsystems gut ablesen lassen. Zusammen mit unserer Datenanalyse wurde schnell deutlich, wie unterschiedlich die drei Wissenschafts- und Innovationsstandorte aufgestellt sind.

Sachsen-Anhalt verfügt über wissenschaftliche und industrielle Kompetenzen in Bereichen wie Chemie und Bioökonomie bis hin zu Wasserstoff und Cybersicherheit.

Mecklenburg-Vorpommern besitzt ein vergleichsweise kleines, aber klar profiliertes Wissenschaftssystem, dessen Profil besonders durch maritime Technologien, Energie- und Gesundheitsforschung sowie Agrar- und Umweltwissenschaften geprägt ist.

Berlin ist dagegen deutlich breiter aufgestellt: Eine hohe Dichte an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen trifft hier auf eine ausgeprägte Start-up-Szene sowie eine starke nationale und internationale Vernetzung.
 

2. Unterschiedliche Ausgangslagen, aber ähnliche Herausforderungen beim Transfer

Erst als wir die Ergebnisse der drei Analysen nebeneinanderlegten, wurde eine interessante Gemeinsamkeit sichtbar: Trotz unterschiedlicher Ausgangslagen stehen alle drei Standorte vor ähnlichen Herausforderungen bei Transfer und Skalierung, allerdings an unterschiedlichen Stellen des Prozesses.

In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern wird Forschung zu großen Teilen öffentlich finanziert, während die regionale Wirtschaft von kleinen und mittleren Unternehmen geprägt ist. Wissenschaftliche Stärke ist also vorhanden, trifft aber nicht immer auf Unternehmen, die diese Erkenntnisse unmittelbar aufgreifen und weiterentwickeln können.

In Berlin liegt die Herausforderung dagegen stärker darin, wissenschaftsbasierte Gründungen, die in einem dichten Innovationsökosystem entstehen, am Standort zu halten und ihre Skalierung zu ermöglichen. Gerade Deep-Tech-Gründungen benötigen dafür Unterstützung weit über die frühe Gründungsphase hinaus.

Alle drei Länder stehen damit vor der Frage, wie wissenschaftliche Erkenntnisse in regionale Wertschöpfung überführt, Innovationen am Standort gehalten und schließlich erfolgreich skaliert werden können.
 

3. Viele richtige Ansätze, aber nicht immer eine langfristige Strategie

Vor diesem Hintergrund haben wir untersucht, wie die Parteien die spezifischen Stärken und Herausforderungen ihrer Bundesländer in den Wahlprogrammen aufgreifen. Dabei war uns bewusst, dass Wahlprogramme eine große Bandbreite politischer Themen abdecken und wissenschafts- und innovationspolitische Fragen daher nur begrenzt vertiefen können.

Dennoch zeigten sich interessante Unterschiede: Manche Parteien setzen sich ausführlich mit den jeweiligen Herausforderungen auseinander, während andere eher deren Symptome beschreiben. Überrascht hat uns, dass sich solche Unterschiede auch innerhalb derselben Partei zeigen: Die Landesverbände greifen die spezifischen Bedingungen ihres Bundeslandes in ihren Wahlprogrammen unterschiedlich detailliert auf.

Über Parteien und Länder hinweg hat uns jedoch häufig eines gefehlt: eine langfristige Strategie für den jeweiligen Wissenschafts- und Innovationsstandort. Einzelmaßnahmen werden nicht immer miteinander verknüpft und auf ein gemeinsames Ziel ausgerichtet. Wissenschaftliche Stärken, Kooperationen zwischen Forschung und Wirtschaft sowie Transfer und Skalierung von Innovationen konsequent zusammenzudenken, bleibt damit weiterhin eine wichtige Aufgabe der Landespolitik.


 

Ausblick

 
Genau diese Fragen möchten wir weiterverfolgen und beobachten, wie wissenschafts- und innovationspolitische Positionen auf landespolitischer Ebene weiterbehandelt werden. Welche Erkenntnisse und Prioritäten finden Eingang in Koalitionsverhandlungen, Regierungsstrategien und konkrete politische Entscheidungen? Und wie werden sie anschließend umgesetzt?

An dieser Schnittstelle zwischen Analyse und Umsetzung möchten wir künftig weiterarbeiten und zugleich kommende Landtagswahlen nutzen, um unseren vergleichenden Blick auf die Wissenschafts- und Innovationspolitik der Länder fortzuführen.

 

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