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Rheinland-Pfalz will seine Vereine und Organisationen stärken

05.11.2015

 Fit für die Zukunft

Rheinland-Pfalz zeichnet sich durch eine hohe Vereinsdichte vor allem im ländlichen Raum aus. Hier sind Vereine und andere gemeinnützige Organisationen ein Schlüssel für gute Integration vieler gesellschaftlicher Gruppen. Sie könnten auch in der aktuellen Flüchtlingsfrage eine zentrale Rolle spielen. Allerdings ist die Vereinslandschaft selbst in einem Wandlungsprozess und großen Herausforderungen ausgesetzt.

Auf 10.000 Einwohner kommen 91 Vereine, damit hat Rheinland-Pfalz eine der höchsten Vereinsdichte Deutschlands. Die meisten Organisationen sind Traditionsvereine, wie Chöre oder Musikkapellen, und arbeiten unentgeltlich. Ihr Problem: 36 Prozent von ihnen sagen, dass die Mitgliederzahl seit acht Jahren stetig zurückgeht.

Das sind Ergebnisse der Landesauswertung von ZiviZ (Zivilgesellschaft in Zahlen) im Auftrag der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz. Die Studie zeigt erstmals wie sich die Zivilgesellschaft im Land organisiert und wie sie arbeitet. Auf dieser Grundlage will die Politik den Wandel der organisierten Zivilgesellschaft in Rheinland-Pfalz mitgestalten und stärken.

Der enorme Mitgliederschwund hat Auswirkungen auf die traditionelle Engagement-Landschaft des gesamten Bundeslandes. Die Landesauswertung zeigt, die Hälfte aller Vereine (48 Prozent) ist im ländlichen Raum angesiedelt, wo in Rheinland-Pfalz auch die meisten Menschen leben. Zum Vergleich: Im Bundesdurchschnitt sind es lediglich 21 Prozent. Das heißt, gerade für Rheinland-Pfalz ist die Mobilisierung neuer Mitglieder eine besonders große Herausforderung, die sich in den kommenden Jahren weiter zuspitzen wird. Denn die zivilgesellschaftliche Selbstorganisation hat genau wie die gesamte Gesellschaft mit der demographischen Entwicklung und der Landflucht zu kämpfen.

Fußballklubs, Schützenfeste, Freiwillige Feuerwehren gehören aber zu einer lebendigen Gemeinde, ebenso wie NGOs und Bürgerinitiativen. Gerade die vielen kleinen Vereine spielen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt  eine zentrale Rolle, die durch den Anstieg der Flüchtlingszahlen weiter zunehmen wird. Aber um die Vereinslandschaft in Rheinland-Pfalz zu stärken, waren schon vor der aktuellen Flüchtlingsdebatte neue politische Rahmenbedingungen notwendig.

Die Autoren der Studie empfehlen abgestimmte politische Maßnahmen, die zusammen mit Vertretern aus der organisierten Zivilgesellschaft erarbeitet werden sollen. Sie plädieren für eine starke öffentliche Debatte vor Ort, um kreativen Ideen Raum zu geben und zu fördern.

Ein neu zu schaffendes Landesnetzwerk Rheinland-Pfalz kann ein bürgergesellschaftliches Bewusstsein weiterentwickeln. Die neue Plattform könnte die Zusammenarbeit zwischen Organisationen selbst sowie zwischen Vereinen und kommunalen Ämtern oder Unternehmen fördern und institutionalisieren. Beispiele dafür gibt es bereits auf Länder- aber auch auf Bundesebene, wie das Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE).

Darüber hinaus ist eine weitere Grundlagenforschung notwendig, um auch die Debatte über den gesellschaftlichen Nutzen der organisierten Zivilgesellschaft zu verstärken. Denn weder die Engagementquoten noch die Vereinsdichte kann etwas über die Qualität der Zivilgesellschaftlichkeit aussagen.

ZiviZ-Landesauswertung Rheinland-Pfalz ist eine landesspezifische Analyse, die von der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz in Auftrag gegeben wurde. Zum ersten Mal analysiert sie die zivilgesellschaftliche Organisationslandschaft in Rheinland-Pfalz und gibt Handlungsempfehlungen an die Politik. Die Studie basiert auf den Zahlen des ZiviZ-Survey, eine Datengrundlage rund um die bundesweiten 616.000 Vereine, Stiftungen, Genossenschaften und gemeinnützigen GmbHs. 

Pressekontakt

Peggy Groß

ist Kommunikationsmanagerin im Stifterverband.

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F 030 322982-515

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Dr. Anaël Labigne

ist Projektleiter in der ZiviZ gGmbH.

T 030 322982-534
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