Wissenschaftspreis: Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Preis

Mit der Auszeichnung ehren Stifterverband und Leopoldina Wissenschaftler oder Forscherteams, die einen Beitrag zur wissenschaftlichen Bearbeitung gesellschaftlich wichtiger Problembereiche geleistet haben. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert.

Preisträger 2016

Foto: Markus Scholz für die Leopoldina
Die Preisträger 2016 mit der Urkunde
Foto: Markus Scholz für die Leopoldina
Preisverleihung im Rahmen der Leopoldina-Weihnachtsvorlesung 2016

Dr. Maggie Schauer
Direktorin des Kompetenzzentrums für Psychotraumatologie an der Universität Konstanz

Prof. Dr. Thomas Elbert
Professor für klinische Psychologie und Neuropsychologie an der Universität Konstanz

Gewalterfahrungen hinterlassen nicht nur im mentalen Gedächtnis Spuren, sondern verändern die Systemdynamik des einzelnen Menschen, physiologisch, im Verhalten, Denken wie auch Fühlen. Von körperlicher Erregung begleitete Erfahrungen werden nämlich nicht wie in der Geschichtswissenschaft als vergangene Episoden einfach vermerkt, sondern sollen in Form von epigeneti schen, neuronalen und verhaltensmodifizierenden Systemänderungen den Organismus für künftige Gefahren fit machen. Wenn die gesamte Belastung zu hoch wird, ist eine Anpassung aber nicht mehr positiv möglich, es kommt zu seelischem Leid und Funktionsverlust, so dass Überlebende ihr Dasein in Zivilgesellschaften nicht mehr meistern können.

Die Narrative Expositionstherapie bietet hier Heilung: Der Patient erstellt mit Unterstützung des Therapeuten einen chronologischen Bericht über seine Lebensgeschichte mit Schwerpunkt
auf lebensbedrohenden Erfahrungen. Lückenhafte episodische Angaben zu den traumatischen Erlebnissen werden mithilfe der imaginativen Wiedererfahrung sensorischer, emotionaler, kognitiver, körperlicher Erinnerungen und deren Bedeutung in kohärente Lebensgeschichten überführt. Es kommt so zum Erkennen der eigenen Geschichte, einem Verständnis für das resulti erende eigene Verhalten und Gefühlsspektrum über den wertschätzenden therapeutischen Kontakt zu korrigierenden Beziehungserfahrungen und zu einer Würdigung der Person und ihrer Biographie in einer Gesamtschau.

Der Preis wurde am 13. Dezember 2016 im Rahmen der Leopoldina-Weihnachtsvorlesung offiziell verliehen.

Preisträger 2014

Foto: Markus Scholz für die Leopoldina

Professor Ferdi Schüth
Direktor am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr

In den vergangenen Jahren hat sich Ferdi Schüth besonders auf dem Gebiet der Energieforschung engagiert. Zu seinen Leistungen zählen Arbeiten zur Wasserstoffspeicherung, die Entwicklung eines Speichersystems bis zur Anwendungsreife, die Forschung zur Konversion von Biomasse und die Entwicklung neuer Materialien für Stromspeicher. Zudem forscht Ferdi Schüth an der Herstellung von Kraftstoffen und Chemikalien aus Biomasse wie Holz und Zellulose. Einen bedeutenden Durchbruch erzielte der Wissenschaftler bei der Herstellung von Methanol aus Erdgas mittels eines neuen Katalysators. Seine Forschungsergebnisse und Themen hat Ferdi Schüth immer wieder Politik und Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt und verdeutlicht. Insbesondere die Herausforderungen für künftige Energiespeichertechnologien im Zuge der Energiewende hat er klar benannt und so vermittelt, dass sie auf breiter gesellschaftlicher Basis diskutiert werden. Unter anderem sprach Schüth im April 2011 als Experte bei der öffentlichen Anhörung der von Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem Reaktorunglück im japanischen Fukushima eingesetzten Ethikkommission "Sichere Energieversorgung". 

Der Chemiker Ferdi Schüth zählt zu den international bekanntesten Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Katalyseforschung, einem interdisziplinären Forschungsgebiet, in dem untersucht wird, wie chemische Reaktionen in einer Vielzahl von Anwendungsbereichen optimiert werden können. Schüth hat unter anderem Hochdurchsatzverfahren entwickelt, mit denen schnell und effizient der am besten geeignete Katalysator gefunden werden kann. Dieses Verfahren ist weltweit etabliert und wird von vielen Unternehmen der chemischen und petrochemischen Industrie angewandt. 

Ferdi Schüth, Jahrgang 1960, studierte Chemie und Rechtswissenschaften an der Universität Münster. 1988 wurde er dort im Fach Chemie promoviert. Im Jahr danach legte Schüth sein erstes Staatsexamen der Rechtswissenschaften ab. In der Zeit von 1989 bis 1995 arbeitete er im Rahmen seiner Habilitation als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Anorganische und Analytische Chemie an der Universität Mainz und an der University of California in Santa Barbara (USA). 1995 nahm Schüth den Ruf auf eine C4-Professur für Anorganische Chemie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main an. Seit 1998 ist er Direktor am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr.

Preisträger 2012

Prof. Dr. Jürgen Baumert
Bildungsforscher und ehemaliger Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, Berlin

Mit Jürgen Baumert wird ein Wissenschaftler ausgezeichnet, der in seiner Disziplin zu den bedeutendsten und einflussreichsten Vertretern im deutschsprachigen Raum gehört. Baumert hat im Bildungs- und Wissenschaftssystem Deutschlands zahlreiche Entwicklungen angestoßen. Ihm gelang es in den vergangenen zwei Jahrzehnten, die empirische Bildungsforschung als interdisziplinäres Arbeitsfeld mit neuen Methoden und Erkenntnissen zu etablieren und dieses Feld  zu einem starken Bereich in der wissenschaftsbasierten Politikberatung zu machen.

Nicht zuletzt seit er im Jahr 2000 Leiter der ersten PISA-Studie wurde, gilt er in der Öffentlichkeit als Nestor der Bildungsforschung in Deutschland. Evaluierungen und Analysen auf Basis der PISA-Ergebnisse führten zu zahlreichen Reformbemühungen in der deutschen Bildungspolitik, unter anderem in den Bereichen Verbesserung der Unterrichtsqualität, Lese- und Schreibförderung sowie der Integration von Kindern aus zugewanderten Familien. Jürgen Baumert setzte weitere Akzente, unter anderem durch die Lehrerstudie COACTIV und mehrere Studien zum Übergang der Schüler von der Grundschule zu den weiterführenden Schulen.

Preisträger 2009

Prof. Dr. Jens Reich
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, Berlin-Buch

Der Molekularbiologe und DDR-Bürgerrechtler Jens Reich, der wissenschaftliche Exzellenz mit politischem und persönlichem Mut verbunden hat. Reich hat sich kritisch mit der Genom- und Stammzellforschung auseinandergesetzt und sich immer wieder zu politischen Themen geäußert. "Jens Reich hat sich mit der Molekularbiologie und der Bioinformatik ein für einen Mediziner ungewöhnliches wissenschaftliches Arbeitsgebiet gewählt, auf dem er mit großer mathematisch-naturwissenschaftliche Kompetenz Bedeutendes geleistet hat", hieß es in der Laudatio. "Es gehörte in der DDR nicht nur politischer Durchblick sondern auch persönlicher Mut dazu, wenn man sich der Dissidentenbewegung anschloss. Jens Reich war wesentlicher Teil der ostdeutschen Revolution.