Deborah Schnabel: Schlüsselkompetenzen für die moderne Arbeitswelt

"Was kann die intelligente Maschine noch nicht? Wo können wir als Mensch noch eine Art Alleinstellungsmerkmal erschaffen? Das ist sehr stark das Thema kreatives Problemlösen und der Umgang mit anderen Menschen, vor allem der empathische Umgang."

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An der Hochschule lernt man vieles, aber kreatives Problemlösen ist für die meisten Bachelor-Absolventen Neuland, meint Deborah Schnabel, Gründerin des Creative Learning Space für innovative Lernprozesse in Frankfurt am Main. Dabei geht es auch um eine spannende Frage: Was muss man heute können, damit die eigene Arbeit nicht eines Tages von Maschinen übernommen werden kann?
 

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Autorin: Corina Niebuhr
Produktion: Webclip Medien Berlin
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Das Interview entstand am Rande der Veranstaltung "Science & People" in Berlin.

 

Transkript des Videos

Was kann diese intelligente Maschine noch nicht? Wo können wir als Mensch noch so 'ne Art Alleinstellungsmerkmal erschaffen?

Das ist sehr stark das Thema kreatives Problemlösen und sehr stark das Thema der Umgang mit anderen Menschen, vor allem der empathische Umgang. Das heißt, das wird eigentlich mit das Wichtigste, wenn wir uns immer weiter fortbewegen in dieser industriellen Revolution, in der Automatisierung von Prozessen, immer stärker auch eine Schnittmenge haben mit den Maschinen. Und deswegen ist es aus meiner Sicht nicht nur wichtig, sondern es geht eigentlich nicht mehr ohne.

Was für mich neben der Vernetzung noch entscheidend ist in unserer heutigen Arbeitswelt, ist tatsächlich, dass die Komplexität sich erhöht.  Und ich würde ganz gerne mit einem Beispiel weitermachen, was mich auch begleitet hat durch meine Doktorarbeit, weil ich mich auch sehr stark mit dem Thema interkulturelle Kompetenz beschäftigt habe. Und ich habe sowohl in der Forschung als auch in der Praxis Personen begleitet, die ins Ausland gehen, die von ihren Unternehmen ins Ausland entsendet werden. Und die bekommen gesagt: Bau uns da zum Beispiel eine Fabrik auf und mach das mit den Mitarbeitern vor Ort. Und wir haben irgendwann, wir haben uns damit beschäftigt, welche Kompetenzen braucht ein Mitarbeiter in einer solch komplexen Situation, wo es um ein neues Projekt geht, aber auch um ganz viel Heterogenität, was die Personen, die daran beteiligt sind, betrifft. Und dann kommt die dritte Komponente hinzu, dass diese Person auch im virtuellen Kontakt stetig steht mit dem Heimatland. Das heißt, es ist ein Team, was über die Grenzen hinweg passiert. Und die Ansätze, die es früher gab, waren, dass man sagt: Diese Person, die muss einfach nur lernen, wie diese andere Kultur funktioniert. Und wir haben irgendwann gemerkt, dass das gar nicht mehr funktioniert, weil diese Komplexität an Personen, die beteiligt sind, an Faktoren, die betrachtet werden müssen, an Veränderungen, die sich ergeben, dass einfach auch Informationen, die vor einem Jahr noch relevant waren, heute gar nicht mehr relevant sind, weil das viel schneller geht, dass das eigentlich nur mit Problemlösefähigkeit zu bewältigen ist. Das ist, im Kern möchten wir dieser Person eigentlich mitgeben: Werde zum kreativen Problemlöser! Und der Rest kommt eigentlich von selbst.

Und zur kreativen Problemlösekompetenz lässt sich eigentlich sagen, dass ich hier eher einen Prozess meine. Das heißt, eine Person ist in der Lage, eine Herausforderung, sei es jetzt eine kleine Herausforderung, ein großes Problem, eine neue Aufgabe, wie auch immer man es benennen möchte, sie ist in der Lage, dieses Problem idealerweise mit einem interdisziplinären Team sehr kreativ zu lösen, das heißt, eine Lösung zu finden, die es vielleicht so in dieser Art noch nicht vorher gab oder die das Problem einfach besonders gut löst und eine Art Fortschritt schafft. Das heißt, der Schritt soll größer sein, als wenn ich mir jetzt einfach nur überlege: Was ist das Naheliegendste, was ich nehmen möchte?

Ich bin so ein kleiner Exot bei mir an der Hochschule, weil ich habe die Studierenden, sie sind im Bachelor, und sie sind im fünften Semester. Das heißt, sie sind relativ am Ende. Und wenn sie zu mir kommen, dann erleben sie zum ersten Mal so eine Art von projekt- und problembasiertem Lernen. Und das ist mitunter relativ schwierig für sie, und ich versuche irgendwie diesen Spagat zu schaffen, ihnen die Inhalte der Personalpsychologie mitzugeben, aber gleichzeitig auch die Studierenden dahin zu bringen, wo ich eigentlich mit dem Creative Learning Space hin will, also hin zu diesen Schlüsselkompetenzen für die moderne Arbeitswelt. Und wir machen das mit sehr selbstgesteuerten Teamprojekten, die sie über dieses Semester hinweg durchführen. Und das klappt auch sehr gut, und aus meiner Erfahrung ist auch die Lernkurve sehr hoch.

Ich muss zu einem Punkt kommen, wo der Lernende etwas aktiv ausführt, Feedback bekommt, es nochmal probieren kann und in einen Lernflow kommt und so zu Kompetenzentwicklung hinkommen kann. Das heißt, wenn er dann aus diesem Lernsetting rausgeht in seinen Alltag, ist es ihm nur dann eigentlich möglich, diesen Transfer zu schaffen.