Energiewende: Mehr Technologieoffenheit und weniger Staat

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Gasknappheit, Wärmepumpen, Kernfusion: Themen rund um die sogenannte Energiewende werden leidenschaftlich diskutiert, denn weltanschauliche Gräben sind zuweilen recht tief. Der Sache dient das selten, wie auch zwei Protagonisten des diesjährigen Forschungsgipfels kritisieren: 

  • Der Chemiker Robert Schlögl schrieb als Vizepräsident der Leopoldina mit an einem Diskussionspapier, in dem sechs Leitideen für eine Transformation des Energiesystems der Zukunft entwickelt werden. Schlögl stellte dieses Papier auf dem diesjährigen Forschungsgipfel als „Input für eine Roadmap“ vor. 
  • KIT-Präsident Holger Hanselka war als Vizepräsident des Forschungsbereichs Energie der Helmholtz-Gemeinschaft ebenfalls Diskutant auf dem Forschungsgipfel. In einem großen Essay hat er vor wenigen Wochen hier im MERTON-Magazin wesentliche Problemstellen der Energiewende beschrieben.

Sowohl Schlögl als auch Hanselka trafen wir am Rande des Forschungsgipfels zum Videointerview.

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Robert Schlögl warnt vor zu viel Staat bei der Energiewende
„Ich persönlich plädiere dafür, lieber einmal einen großen Strich zu ziehen und eine Art Energiewende 2.0 anzufangen, wo wir versuchen, die ideologischen Gräben zu vergessen.“

Der Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung und Vizepräsident der Leopoldina, Robert Schlögl, sieht die Rolle des Staates bei der Energiewende kritisch: Vorschriften, die alles bis ins kleinste Detail regeln, blockierten den unternehmerischen Anreiz, etwas zu tun. Robert Schlögl plädiert für eine technologieoffene Energiewende, die es den Märkten und auch den Nutzern überlässt, selbst den Weg zu finden, fossile Brennstoffe zu ersetzen. Es gebe auf diesem Planeten mehr als genug erneuerbare Energie, nur zur falschen Zeit am falschen Ort. Deswegen brauche man einen globalen Austausch, eben einen Weltmarkt.

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Holger Hanselka wirbt für Technologieoffenheit
„Natürlich sind wir eine technologieoffene Gesellschaft, was denn sonst?"“

Für den Präsidenten des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), Holger Hanselka, ist die Sache klar: Selbstverständlich muss Deutschland ein technologieoffenes Land sein, gerade auch bei der Energiewende. Da dürfe es keinen Flaschenhals durch eingeengtes Denken und Forschen geben. Holger Hanselka nimmt im Video-Interview auch die deutsche Eigenart aufs Korn, Ziele bis in kleinste Detail zu definieren – und dann bei der Umsetzung den eigenen hohen Ansprüchen nicht zu genügen. Die Amerikaner gehen das pragmatischer an. Das KIT biete mit seinem Energy Lab 2.0 eine Plattform, um das Energiesystem der Zukunft im Pilotmaßstab zu entwickeln – wegweisende Forschung sei eine große Chance für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Der Forschungsgipfel

Seit 2015 versammelt der Forschungsgipfel jährlich hochrangige Personen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik, um gemeinsam Antworten auf aktuelle Fragen und Herausforderungen der Forschungs- und Innovationspolitik zu finden. Der Forschungsgipfel wird vom Stifterverband, der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) und der VolkswagenStiftung organisiert. Er fördert als interdisziplinäres Forum Dialog und Vernetzung und hat sich als Plattform für einen hochrangigen Austausch zu Innovations- und Forschungspolitik in Berlin etabliert. Sein Ziel ist es, Deutschland als Ort innovationsbasierter Wertschöpfung und wissenschaftlicher Durchbrüche zu stärken. 

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