„Wir setzen auf gemischte Teams mit interkulturellen Kompetenzen“

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Sie haben selbst ein Studium im Ausland absolviert: Ihr MBA-Titel stammt aus New York. Gibt es Erfahrungen aus diesem Auslandsaufenthalt, die Sie bis heute begleiten?
Ja, die gibt es. Mehr noch: Ohne diese Erfahrungen könnte ich vermutlich meinen Job nicht zur Zufriedenheit unserer Kundinnen und Kunden und Aktionärinnen und Aktionäre erfüllen. Meine Studien- und Berufszeit in New York hat mich gelehrt, auf Menschen mit ganz unterschiedlicher kultureller Prägung einzugehen. Es ist etwas ganz anderes, eine Weltmetropole als Tourist oder Touristin zu besuchen – oder über Jahre hinweg mit Umständen im Studium, im Beruf und im Alltag zurechtzukommen, die sich fundamental von einer Jugend in Deutschland unterscheiden. Daran wächst man als Mensch.

Und was Ihre Arbeit betrifft: Wie profitierten Sie da von den Erfahrungen?
Ich habe in New York schnell gelernt, was für ein Potenzial im Zusammenwirken vielfältig zusammengesetzter Teams steckt. Solche Teams, heute eine Selbstverständlichkeit in der Wirtschaft, waren in Deutschland damals noch eher eine Seltenheit. In New York dagegen war das fast die Norm. Ich musste mich also schnell auf sich ändernde Umstände einstellen – und wurde durch eine Horizonterweiterung belohnt, die bis heute wirkt. Und noch eins hat mich beeindruckt …

… nämlich?
Die Zeit in Amerika hat mir auch den American Way of Life nahegebracht – und damit die unglaubliche Dynamik, die von einer grundsätzlich optimistischen, ans Gelingen und nicht ans Scheitern glaubenden Wirtschaftsphilosophie ausgeht. Diese Einstellung bewundere ich. Und ich bin geprägt vom US-amerikanischen Pragmatismus, der erst mit Lösungen zufrieden ist, die wirklich funktionieren, einen Markt finden und Kundinnen und Kunden in aller Welt begeistern. 

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Zur Person

Oliver Bäte ist Vorsitzender des Vorstands der Allianz SE. Nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann studierte er in Köln Betriebswirtschaftslehre und absolvierte anschließend in New York ein MBA-Programm. Nach der Karriere bei einer Unternehmensberatung wechselte er 2008 zur Allianz. Bäte engagiert sich als Persönliches Mitglied im Vorstand des Stifterverbandes.

Wie färbt das ab: Was hat sich bei der Allianz in den vergangenen Jahren in Sachen Internationalisierung getan?
Die Allianz war schon immer international – mit starken deutschen Wurzeln. Doch wir sind in den vergangenen Jahren in eine ganz andere Unternehmenswirklichkeit hineingewachsen. Das alte Paradigma war eine Zentrale in München und operative Landesgesellschaften in aller Welt, die das Geschäft weitgehend national mit einheimischer Belegschaft vorantrieben. Heute verwischt sich diese nationale Segmentierung zusehends. Wir agieren wie nie zuvor als eine globale Gruppe, die auf gemischte Teams setzt, die gemeinsam beispielsweise die Digitalisierung des gesamten globalen Geschäfts vorantreibt. Und die ein Kundenmodell verfolgt, das in seinen wesentlichen Teilen für alle Länder der Welt gilt. Das alles zusammen bietet unseren 150.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern überall Erfolgs- und Karriereperspektiven.

Was bedeutet das für die Kompetenzen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – ist die internationale Bildung wichtiger geworden?
In der digitalisierten Welt kommt es vor allem auf Können und interkulturelle Kompetenz an; dazu gehören auch Anpassungsfähigkeit, vernetztes Denken und die Bereitschaft, stets hinzuzulernen. Aber es kommt nicht auf die nationale Herkunft oder andere Schubladen an. Wie rekrutieren aus aller Welt – und das nicht nur in der Zentrale. Wir fördern gezielt den Personalaustausch zwischen den Gesellschaften in mehr als 70 Ländern in jede denkbare Richtung – um den Erfahrungsschatz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu multiplizieren und ihr Know-how breit zu streuen. Interkulturelle Kompetenz ist in so einem Arbeitsumfeld unverzichtbar. Und trägt im Übrigen erkennbar zur Freude an der Arbeit bei. Sie wächst nicht aus Lehre und Lektüre, sondern aus dem Zusammenleben und der Zusammenarbeit von Menschen unterschiedlichster Prägung. Wir sind ein Fan von Inklusion. Und glauben an die Macht der Vielfalt und den Erfolg von diversen Teams überall auf der Welt.  

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„In der digitalisierten Welt kommt es vor allem auf Können und interkulturelle Kompetenz an; dazu gehören auch Anpassungsfähigkeit, vernetztes Denken und die Bereitschaft, stets hinzuzulernen. Aber es kommt nicht auf die nationale Herkunft oder andere Schubladen an. ”

Oliver Bäte , Vorstandsvorsitzender der Allianz SE

Arbeiten Sie, um das zu fördern, gezielt mit Universitäten zusammen?
Die Kooperation mit renommierten Hochschulen in aller Welt ist seit vielen Jahren eng und vertrauensvoll. Wir unterhalten zu mehr als 100 Universitäten Beziehungen – und monatlich werden es mehr. Was zählt, ist eine Zusammenarbeit, die für alle Parteien vorteilhaft ist: für die Universitäten, die ihren Studierenden einen guten Start ins Berufsleben bei einem anerkannten und vorwärtsdrängenden Arbeitgeber erleichtern wollen. Für Studierende, die eine erfüllende Aufgabe suchen. Und für die Allianz, weil wir stets nach herausragenden Talenten in aller Welt suchen, die Spaß haben, an einer der interessantesten Digitaltransformationen in der globalen Versicherungs- und Asset-Management-Branche mitzuarbeiten.

Was sind das für Hochschulen, mit denen Sie zusammenarbeiten?
Die Liste der Kooperationen reicht vom MIT und von Yale in den USA über die LSE, Oxford und Cambridge in Großbritannien und die zwei Topuniversitäten in München sowie die Universität Mannheim oder die Berliner ESMT in Deutschland. Und sie endet bestimmt nicht mit weiteren angesehenen Adressen wie Bocconi in Italien oder INSEAD in Frankreich. Eine besonders interessante Zusammenarbeit ist die, die wir jüngst mit dem hoch anerkannten China Scholarship Council und dem Stifterverband eingegangen sind. Hier fördern wir seit diesem Jahr chinesische Masterstudierende in Deutschland, die sich für ein MINT-Studium – also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – entschlossen haben. In der gegenwärtig ersten Projektphase unterstützen wir bis zu 40 Studierende. Auch mit dem Ziel, sie nach Abschluss ihres Masters für eine Karriere bei der Allianz zu begeistern.

Daten zur Internationalen Bildung

Eine aktuelle Analyse von Stifterverband und McKinsey zeigt: Die internationale Bildung von Studierenden und Forschenden hat sich durch die COVID-19-Pandemie dramatisch verändert. Einerseits gab es einen erheblichen Einbruch sowohl bei der Zahl ausländischer Studierender in Deutschland als auch bei den deutschen Studierenden, die für ein Studium an eine ausländische Universität wechselten. Gleichzeitig hat sich die Pandemie aber auch positiv auf die Digitalisierung und Internationalisierung der Hochschullehre ausgewirkt. Diese und weitere Ergebnisse zum Thema Internationale Bildung gibt es im Hochschul-Bildungs-Report, der im Frühjahr 2022 erscheinen wird.

Mit dessen finaler Ausgabe schließt der Stifterverband seine Bildungsinitiative Zukunft machen ab. Auf sechs Handlungsfeldern, wie unter anderem der Internationalen Bildung, hatte er darin über einen Zeitraum von zehn Jahren untersucht, wie sich die deutsche Hochschulbildung entwickelt, dabei Herausforderungen identifiziert und selbst Programme und Initiativen aufgelegt, um der Hochschulbildung mehr Richtung und Substanz zu geben. Weitere Daten zum Hochschul-Bildungs-Report und zum Thema Internationale Bildung gibt es auf dem Datenportal des Stifterverbandes.

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