Qualitätsnetzwerk Duales Studium

In dem Qualitätsnetzwerk sollen Fachhochschulen, Universitäten, Duale Hochschulen und Berufsakademien gemeinsam Empfehlungen für die Weiterentwicklung des dualen Studiums und für zukunftsweisende Kooperationen zwischen Berufsbildungs- und Hochschulwelt erarbeiten.

Die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung gehört zu den zentralen Zukunftsthemen in Deutschland und Europa. Das zeigt auch die rasant zunehmende Zahl dualer Studienangebote. Sowohl auf Seiten der Studierenden als auch auf Seiten der Arbeitgeber besteht ein großer Bedarf nach einer Verschränkung von Studium und Beruf.

Die Kombination aus Studium und praktischer Ausbildung im Betrieb hat sich als "duales Studium" in Deutschland fest etabliert und erfreut sich außerordentlicher Beliebtheit: Aktuell nehmen über 61.000 junge Menschen die Chance einer kombinierten wissenschaftlichen und praktischen Ausbildung in über 900 dualen Studiengängen wahr, und über 26.000 Unternehmen engagieren sich in diesem Ausbildungsfeld. Viele Unternehmen bieten ihren Auszubildenden mittlerweile diese Möglichkeiten der akademischen Qualifizierung an, nicht zuletzt deshalb, um die Qualität der Bewerber für die betriebliche Ausbildung hoch zu halten und vielfältige Karrierewege für den ausgebildeten Nachwuchs innerhalb des Betriebes zu eröffnen.

Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin

Die Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin ist einer der größten Anbieter dualer Studiengänge im nord- und ostdeutschen Raum. Hinzu kommt die besondere Struktur der Hochschule, die den größten Teil ihrer dualen Studiengänge in einer eigenen Fakultät bündelt. Die HWR bringt dieses Erfahrungswissen in die Diskussionsprozesse des Qualitätsnetzwerks Duales Studium ein.

Das Wachstum der Studierendenzahlen in dualen Studiengängen fordert die Hochschule ebenso wie das ungebrochene Interesse von Partnerunternehmen an einer Ausweitung dieses Erfolgsmodells heraus. Von besonderem Interesse für die HWR ist das Feld der Internationalisierung, das im dualen Studium noch nicht systematisch adressiert wird. Doch auch hier drängen Unternehmen und Studierende auf Flexibilität und Gestaltungsmöglichkeiten, denen es zu begegnen gilt. Die HWR wird sich daher im Rahmen des Qualitätsnetzwerks vor allem mit Aspekten der Qualitätssicherung internationaler Studienphasen an Partnerhochschulen im Ausland, von mit Ausbildungsunternehmen vereinbarten Praxisphasen im Ausland sowie der Konzeption internationaler dualer Studiengänge auseinandersetzen.

Fachbereich Duales Studium Wirtschaft/Technik an der HWR Berlin
Studienberatung für duale Studiengänge an der HWR Berlin

Fachhochschule Bielefeld

Wenn theoretische und praktische Phasen des Lernens sich abwechseln, wie es im dualen Studium der Fall ist, bedarf es einer abgestimmten Handlungsweise, um die jeweils erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen sinnvoll zu vernetzen.

Die Fachhochschule Bielefeld wird mit ihrem Projekt Wege erkunden, wie praktisch erworbenes Wissen in den Gesundheits- und pflegeberufen methodisch sinnvoll in den Theorieblöcken aufgearbeitet werden kann. Damit vertritt die Hochschule im Netzwerk Fachbereiche, die von einer fortschreitenden Akademisierung geprägt sind. Als Ergebnis der Projektarbeit soll ein Methodenkompendium entstehen, das Lehrenden disziplin- und modulübergreifend die Möglichkeit gibt, auf die praktischen Erfahrungen der dual Studierenden einzugehen und diese aufzuarbeiten. Davon profitieren nicht nur die Studierenden, sondern auch die Dozierenden, indem sie Erfahrungen reflektieren und so zur Qualitätssicherung der Studiengänge beitrage können.

Praxisintegrierte Studiengänge an der Fachochschule Bielefeld
Dualer Bachelor-Studiengang Gesundheits- und Krankenpflege an der FH Bielefeld

Fachhochschule Brandenburg

Das Land Brandenburg sieht sich in der Zukunft zahlreichen Herausforderungen gegenüber. Zu einem wachsenden Fachkräftemangel aufgrund des demographischen Wandels kommt eine Abwanderung von talentierten jungen Menschen, die für attraktivere Bildungsangebote – etwa duale Studiengänge – das Land verlassen. Zugleich ist Brandenburg geprägt von einer Struktur mittelständischer, kleiner und kleinster Unternehmen, denen die Einrichtung dieser Studienformate recht schwer fällt.

Die Fachhochschule Brandenburg adressiert in ihrem Projekt im Rahmen des Qualitätsnetzwerks Duales Studium eben diese Zielgruppe und analysiert deren Bedarfe an neuen und flexiblen Formaten des dualen Studiums. Anhand dieser Erkenntnisse sollen Empfehlungen für die Konzeption neuer Studiengänge zur Vermarktung in dieser Zielgruppe entwickelt werden. Neu entstehende Studiengänge sollen begleitet und die Ergebnisse bundesweit kommuniziert werden.

Website der Fachhochschule Brandenburg

Staatliche Studienakademien Dresden und Leipzig

Die letzten Jahre waren geprägt von einer starken Ausweitung von dualen Studiengängen und einem starken Wachstum der Studierendenzahlen. Damit einhergehend mussten und müssen Hochschulen die Zahl ihrer Lehrkräfte entsprechend aufstocken, um weiterhin eine angemessene Betreuung der Studierenden zu gewährleisten.

Die Berufsakademie Sachsen hat in ihrer bisherigen Arbeit bereits Erfahrungen mit der Qualifizierung ihrer hauptamtlich tätigen Dozierenden sammeln können.  Ihr Fokus im Qualitätsnetzwerk wird an den Standorten in Dresden und Leipzig nun auf der Einbindung nebenberuflicher Lehrkräfte liegen. Ziel dabei ist die bestmögliche Qualitätssicherung und Kompetenzentwicklung dieser wichtigen Gruppe, die mit dem rasanten Wachstum dualer Studiengänge zunehmend an Bedeutung gewinnt. Die Berufsakademie plant dabei ein multiperspektivisches Vorgehen, bei dem alle relevanten Akteure im Prozess der Akquise neuer Lehrender, der Studienorganisation und in der Durchführung der Lehre gemeinsam an Verbesserungsvorschlägen arbeiten.

Website der Berufsakademie Sachsen Dresden
Website der Berufsakademie Sachsen Leipzig
Projekt "Didacticum" an der Berufsakademie Sachsen

FOM Hochschule Essen

Als größte private deutsche Hochschule bietet die FOM bereits seit längerem duale Studiengänge deutschlandweit an ihren verschiedenen Standorten an.

Im Fokus ihres Qualitätsmanagements steht als Anbieterin ausbildungsbegleitender und ausbildungsintegrierender Studiengängen insbesondere die adäquate Kompetenzentwicklung der Studierenden. Die Frage, inwiefern duale Studienformen Kompetenzen in anderer Weise fördern als klassische Studienmodelle, ist noch weitgehend unbeantwortet.

Die FOM hat bereits erste Erfahrungen mit der Erfassung von Erwartungen von dual Studierenden gesammelt, die sie im Rahmen des Projektes im Qualitätsnetzwerk noch ausbauen will. Das zu entwickelnde Instrument zur Konzeption und formativen Evaluation dualer Studienangebote ist dabei darauf angelegt, hochschulübergreifend genutzt zu werden.

FOM Essen: Informationen zum Dualen Studium für Unternehmen

Universität Kassel

Als eine der wenigen Universitäten in Deutschland bietet die Universität Kassel die Möglichkeit, ein duales Studium im Praxisverbund mit regionalen Arbeitgebern zu absolvieren.

Bereits seit 1999 sammelt die Universität Erfahrungen mit diesem Modell und bringt diese in die Diskussionen des Qualitätsnetzwerks ein. Zugleich beschäftigt sie sich mit der Frage, wie das duale Studium an Universitäten weiterentwickelt werden kann, d.h. mit Fragen der Organisation und Kommunikation und insbesondere den unterschiedlichen Zielsetzungen von Hochschule und Unternehmen.

Untersucht werden soll das Spannungsfeld zwischen akademischer Qualifikation und den Erwartungen der Unternehmen im Hinblick auf die Beruflichkeit qualifizierter Facharbeiter sowie die daraus entstehenden Konsequenzen für den Lehrbetrieb und die Lernprozesse der Studierenden.

Duales Studium an der Universität Kassel
UniKasselTransfer: Studium im Praxisverbund

 

Duale Hochschule Baden-Württemberg

Die Duale Hochschule Baden-Württemberg steht als etablierte Institution für Qualität und Innovation im Sektor des Dualen Studiums. Als solche befasst sie sich stetig mit der Weiterentwicklung dieses Studienangebots. Insbesondere der steigende Bedarf an Masterplätzen gilt dabei als kommende Herausforderung. Am Standort Mannheim soll daher im Rahmen des Qualitätsnetzwerks eine Analyse des Entwicklungspotenzials dualer Masterstudiengänge durchgeführt werden.

Es soll zunächst der Bedarf seitens der Unternehmen ermittelt und anschließend ein Vorschlag für die zukünftige Gestaltung anwendungsorientierter Weiterbildungsangebote erarbeitet werden. Mit Hilfe der Projektergebnisse sollen die konzeptionellen Überlegungen im Hinblick auf die Weiterentwicklung dualer Masterangebote auf eine solide empirische Basis gestellt werden.

Duales Studium an der DHBW
Website der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, Mannheim

 

Technische Hochschule Mittelhessen

Bereits seit mehr als zehn Jahren ist die Technische Hochschule Mittelhessen als Anbieterin von dualen Studiengängen aktiv.

Im StudiumPlus hat sie einen großen Verbund von Unternehmen gewonnen, die duale Studiengänge als einen nicht mehr wegzudenkenden Bestandteil ihrer betrieblichen Ausbildungs- und Personalentwicklungskonzepte ansehen. StudiumPlus ist der größte Anbieter dualer Studiengänge in Hessen und hat bereits mehrere Jahrgänge dual Studierender ausgebildet.

Diese Erfahrung in der Organisation des dualen Studiums bringt die Hochschule in das Qualitätsnetzwerk ein. Darüber hinaus bemüht sich die THM derzeit, den großen Stamm ihrer Alumni in die Arbeit in Zusammenhang mit dem Dualen Studium einzubinden. Dazu dient die Organisation von Fachkuratorien, das Coaching von Studierenden ebenso wie die Gewinnung von Ehemaligen als Lehrbeauftrage. All diese Maßnahmen sollen zu einer nachhaltigen Qualitätssicherung desdualen Studiums führen.

Website zu StudiumPlus
Website der Technischen Hochschule Mittelhessen

 

Hochschule München

Die Hochschule für angewandte Wissenschaften München bietet als größte Fachhochschule Bayerns und zweitgrößte Fachhochschule Deutschlands zahlreiche duale Studiengänge in großem Variantenreichtum an. Dieser Reichtum an Formen bringt jedoch zugleich erhöhten Koordinationsaufwand zwischen den einzelnen Akteuren mit sich. Ziel der Hochschule ist es daher, zukunftsweisende Kooperationsformen mit klarem rechtlichen und organisatorischem Rahmen zu entwickeln, in denen sich Belange von Wissenschaft und Wirtschaft spiegeln.

In Zusammenarbeit mit der größten IHK Deutschlands, der IHK für München und Oberbayern, sollen daher Qualitätszirkel ins Leben gerufen werden, die die Ablaufprozesse und Rahmenbedingungen im Dualen Studium zum Thema haben. Als Teilnehmer sollen alle Institutionen berücksichtigt werden, welche in diesem Sektor eine Rolle spielen, also Unternehmensvertreter, Vertreter der Kammern, Vertreter der Berufsschulen, Vertreter der Hochschule, Studierende und Absolventen eines dualen Studiums. Die Beteiligten werden schnittstellenübergreifend die bestehenden Prozesse auf ihre Praktikabilität und ihre Qualität überprüfen. Die Ergebnisse werden in die Arbeit des Qualitätsnetzwerks Duales Studium einfließen.

HM Dual – Duales Studium an der Hochschule München
Website der Hochschule für angewandte Wissenschaften München

 

Westfälische Hochschule

Das duale Studium wird in der öffentlichen Diskussion immer wieder als Mittel bezeichnet, neue Zielgruppen für eine akademische Ausbildung zu gewinnen. Die Westfälische Hochschule Gelsenkirchen Bocholt Recklinghausen liegt im nördlichen Ruhrgebiet, wo an den weiterführenden Schulen beinahe jeder zweite Jugendliche eine Zuwanderungsgeschichte aufweist. Zugleich liegt der Anteil dieser Gruppe an dual Studierenden bei unter fünf Prozent.

Erklärtes Ziel der Westfälischen Hochschule ist eine gezielte Ansprache dieser Jugendlichen, um ihnen die Vorteile eines dualen Studiums aufzuzeigen. Zudem muss auch mit den lokalen Unternehmen kooperiert werden. Dies wird im Rahmen von Expertengesprächen geschehen. Das Projekt aus Gelsenkirchen will die Rahmenbedingungen zur Gewinnung von Talenten mit Zuwanderungsgeschichte verbessern und in Empfehlungen für eine passende Handhabung der betrieblichen Rekrutierungspraxis münden.

Duales Studium an der Westfälischen Hochschule
Website der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen

 

Programmpartner
Dieter Schwarz Stiftung gGmbH
Deloitte Stiftung

Förderer
Balluff GmbH
Berliner Volksbank eG
BIOTRONIK SE & Co. KG
Derag Deutsche Realbesitz AG + Co. KG
Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
Gelsenwasser AG
GEMÜ Gebr. Müller Apparatebau GmbH & Co. KG
Hochtief Aktiengesellschaft
Hübner GmbH & Co.KG
Investitionsbank Berlin
Läpple AG
OVAG Oberhessische Versorgungsbetriebe AG
Peek & Cloppenburg KG
PHOENIX Pharmahandel GmbH & Co. KG
Porsche AG
Schüco International KG
Sparkassen-Versicherung Sachsen
Stiftung van Meeteren
TechnologieZentrumDresden GmbH
Versicherungskammer Bayern

 

Das Netzwerk hat sich u.a. mit den folgenden zentralen Fragestellungen beschäftigt:

  1. Wie sehen geeignete Qualitätsstandards für eine gute Bildung sowohl in der Hochschule als auch am Arbeitsplatz aus, und durch welche Maßnahmen kann von Seiten der Hochschulen eine möglichst hohe Lehrqualität bei den Lehrbeauftragten gewährleistet werden?
  2. Welche Verfahren des Schnittstellenmanagements ermöglichen einen reibungslosen Theorie-Praxis-Transfer im Studium und eine abgestimmte Kompetenzentwicklung zwischen den beiden Lernorten Hochschule und Unternehmen/Praxispartner?
  3. Welches der vier Studienmodelle (ausbildungsintegriert, praxisintegriert, berufsintegriert, berufsbegleitend) eignet sich am besten für welche Ausbildungsziele, Fachinhalte und Zielgruppen?
  4. Wo liegen Potenziale des dualen Studiums für die Erschließung zusätzlicher Fachgebiete (über die klassischen Angebote in den Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften hinaus) oder die Akademisierung bestimmter Tätigkeitsfelder?
  5. Wo liegen Potenziale des dualen Studiums für die Gewinnung neuer Zielgruppen?

Im Rahmen dieser Ausschreibung haben sich Fachhochschulen, Universitäten, Duale Hochschulen und Berufsakademien, die duale Studiengänge anbieten, um eine Teilnahme am Qualitätsnetzwerk Duales Studium beworben. In diesem Verbund haben die Akteure gemeinsam Empfehlungen für die Weiterentwicklung des dualen Studiums und für zukunftsweisende Kooperationen zwischen Berufsbildungs- und Hochschulwelt anhand der zentralen Fragestellungen erarbeitet. Dies geschah in Form von Expertisen, die bei insgesamt fünf Netzwerktreffen diskutiert wurden. Die so gewonnenen Erkenntnisse werden zu einem praxisorientierten Handbuch zusammengefasst und Ende September 2015 veröffentlicht.

Eine Jury hatte zehn Hochschulen ausgewählt, die sich in einem Kick-off-Workshop und den dann fünf folgenden Netzwerktreffen über die zentralen Fragestellungen austauschten. Die teilnehmenden Hochschulen haben eine finanzielle Förderung in Höhe von 30.000 Euro erhalten.

Das Qualitätsnetzwerk hat im geschlossenen Rahmen getagt, um einen vertrauensvollen Austausch zu ermöglichen. Der Stifterverband hat das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) damit beauftragt, das Projekt zu koordinieren und zu moderieren.

Auf der Konferenz "Das Beste aus beiden Welten?" am 29. September 2015 in Berlin wurden die Ergebnisse des Qualitätsnetzwerks Duales Studium  vorgestellt und mit Vertretern aus Hochschulen, Bildungspolitik und Unternehmen diskutiert.