Margret Rasfeld: Schulen im Aufbruch

Beschäftigt euch nicht mit altem Wissen, wo fremde Menschen Fragen stellen, die ihr beantwortet, und die Lösung steht im Lehrerhandbuch, sondern beschäftigt euch mit den ungelösten Fragen der Menschheit!

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Schulen brauchen mehr Mut zur Veränderung: Margret Rasfeld, Schulleiterin und Mitbegründerin der Initiative "Schule im Aufbruch", erklärt, wie es geht: den Kindern und Jugendlichen mehr Verantwortung geben, zum Beispiel in Projekten und bei der Integration von Flüchtlingen. Schon mal von der Mut-Karte gehört?

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Autor: Timur Diehn
Produktion: Gerd Sälhoff, Timur Diehn, Christian Slezak
für den YouTube-Kanal des Stifterverbandes

Transkript des Videos

Kinder, die so aufwachsen in der Schule, dass sie sich Fragen stellen, um Lösungen zu suchen, werden die Entrepreneurs der Zukunft.

Gelingende Schulen haben ein Ethos, haben einen Sinn, stehen für etwas, sind nicht dazu da, dass man sich irgendwie Wissen abholt, und gehen in die Handlung. Aber geht auf Lösungssuche! Beschäftigt euch nicht mit altem Wissen, wo fremde Menschen Fragen stellen, die ihr beantwortet, und die Lösung steht im Lehrerhandbuch, sondern beschäftigt euch mit den ungelösten Fragen der Menschheit und gebt Jugendlichen Möglichkeiten, ihre Kreativität, ihr Herzblut da reinzubringen! Die wollen sich ja alle engagieren. Und deswegen erarbeiten wir gerade im Education Innovation Lab, das ist ein Innovationslabor, was "Schule im Aufbruch" angegliedert ist, wo Designer, Designthinker und Pädagogen zusammenarbeiten, da wollen wir eine Projektplattform entwickeln. Wir brauchen noch die Finanzierung. Du wirst durch ein Projekt geführt sozusagen, über Designthinking-Prozesse auch, und zum Schluss entwickeln die Schüler eine Idee, die sie entweder umsetzen vor Ort ("Think global, act local") oder die sie einfach ins Netz geben, und damit hätten wir quasi zwei Dinge plötzlich zusammengeführt. Lehrer sind nicht ausgebildet in Projektmanagement. Schulen haben ja auch wenig Projektstruktur. Man traut sich auch nicht so ran, weil man es nicht gelernt hat. Und jetzt kriegt man den Leitfaden, man wird durch die Prozesse so geführt, dass Lehrer, die wie so ein Faciliator, dass sie das sich trauen können.

Eine ungeheuere Chance sehe ich da drin. Die Lösungen, die wir gerade schon wieder anpeilen, sind meiner Meinung nach so, dass wir dieses Riesenpotenzial der Kinder und Jugendlichen, die wir haben, noch gar nicht sehen. Erwachsene geben jetzt Deutschkurse oder dieses oder jenes. Ich finde, wir sollten viel mehr unsere Kinder und Jugendlichen einbeziehen. Und es ist vielleicht auch eine Chance, weil es ist ja kein aktuelles Problem. Das Problem wird uns ja noch Jahre oder die Herausforderung wird uns noch Jahre begleiten, dass man vielleicht auch sagt: Die Schulen müssen anders sein, um die aufnehmen zu können. Also, wenn ich mir das Schulmodell meiner Schule anschaue, wir könnten sofort die Flüchtlinge in die Klassen tun. Wir bräuchten keine Extraklassen, weil die Lernformate auch immer ermöglichen, dass du dann auch in einer bestimmten Zeit, wenn die anderen dies und jenes machen deutsch lernst, und trotzdem mit drin bist. Ich sehe da eine Riesenchance.

Schüler von mir haben mit mir zusammen im Jahre 1996 die Mut-Karte erfunden. Und früher haben die Schüler sie bekommen beim Eintritt in die Schule. Heute verteile ich sie überall. Und die Leute, wenn ich ihnen begegne, nach drei Jahren sagen sie: "Ach, ich habe immer noch die Mut-Karte von Ihnen in der Tasche!" Da steht drauf: "Mut zum Träumen, Mut zur Verantwortung". Und meiner Erfahrung ist, dass dreierlei vor allen Dingen nötig ist: eine Vision zu haben. Eine Vision hat eine positive Herzenergie. Und was wir machen, ist ja immer reparieren, reparieren, so bisher viel. Mut, Beispiel und Vision. Also ein gelebtes Beispiel. Wow, inspiriert! Da denkt man: Was, sowas geht? Kann ich auch was machen? Die Vision ist ja dieses noch größere, schon fast ins Transpersonale, diese große Vision, die alle zusammenbringt. Ja, und du brauchst den Mut, weil das innere Wissen ist da.

Und dann brauchst du den Schritt ins Handeln, und der braucht diesen Mut. Diesen Mut vielleicht auch, auszutreten aus dem Konformismus. Und dann, wird man sehen, kommen andere auch. Wenn man alle fragen würde, wollen viele austreten. Und du denkst immer: "Oh, ich bin der einzige. Lieber doch nicht!" Diese Fehlerangst, die wir alle haben, auch durch die Schule ja viel bewirkt, und Mut kann uns nochmal alle zusammen stärken.