Claudia Pelzer: Generation Y macht ihr eigenes Ding

"Wir müssen auch in den Köpfen flexibler werden, und dann funktioniert das auch mit der digitalen Ökonomie."

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Erstmal ausprobieren und vielleicht scheitern? Aber doch nicht in Deutschland. "Was viele Gründer und Leute, die digital was bewegen könnten, stört, ist diese null Toleranz für Fehler", meint Claudia Pelzer, Expertin für Netz-Ökonomie. Verstehen Konzerne die Start-up-Generation einfach gar nicht?

Produktion: Corina Niebuhr
Postproduktion: Webclip Medien Berlin
für den Bildungskanal des Stifterverbandes

Transkript des Videos

Was in Deutschland viele Gründer und Leute, die digital was bewegen könnten, stört, ist diese null Toleranz für Fehler.

Wir haben immer noch diese Mentalität: "Wir müssen das jetzt ordentlich und richtig machen, und dann muss das ein Leben lang halten." versus "Wir probieren jetzt einfach mal was aus, und wenn das nicht funktioniert, probiere ich drei weitere Dinge aus." Also, ich glaube, das müssen wir lernen, da müssen wir auch in den Köpfen flexibler werden, und dann funktioniert das auch mit der digitalen Ökonomie.

Die eine Sache ist, wenn ein Unternehmen solche Strukturen aufbaut wie beispielsweise: Ich mache jetzt einen Inkubator auf und setze da irgendwie Leute rein. Die andere Sache ist, tatsächlich die Kultur zu verstehen und zu verstehen, was Individuen heute wollen. Wie wollen die überhaupt arbeiten? Was sind deren persönliche Wertesysteme? Und da merkt man immer wieder, dass da immer noch zwei vollkommen unterschiedliche Welten aufeinanderprallen. Was ganz oft genannt wird als ein Punkt, der vollkommen nicht zusammenpasst, ist, dass diese neue Generation zum Beispiel sowas wie Office Politics komplett verabscheut. Das finden sie furchtbar. Das empfinden sie auch als Zeitverschwendung, als unnötige ... also, das ist ein riesiger Effizienzfresser aus deren Sicht. Und das ist was, was ein Konzern natürlich immer noch mit sich bringt, da kommen die auch nicht so schnell raus. Also, ich glaube, da ist und bleibt eine Hürde. Das zweite ist ganz einfach grundsätzlich dieser Bürokratieapparat. Entscheidungen dauern sehr lange, sind wenig autonom, mann muss sich irgendwie absichern innerhalb eines Konzerns. Also, das sind, glaube ich, die Punkte, die am meisten kollidieren an der Stelle.

Auf lange Sicht muss sich das zusammenfinden, weil Unternehmen, wenn man sich die Ökonomie, die vorherrschende, als ein Netzwerk vorstellt, es basiert auch auf tatsächlichen Netzwerken im Internet, kann ich da nicht reingrätschen mit etwas, was eher wie eine Pyramide aufgebaut ist, was sehr top-down funktioniert. Das heißt, die Unternehmensstrukturen müssen sich den Strukturen der Netzökonomie anpassen. Das ist zum einen ganz wichtig. Zum anderen muss man, glaube ich, eher in so modularen Lösungen denken. Also, ich brauche kleinere, autonome Units, die auch relativ eigenständig agieren können. Was man da aber nicht vergessen darf, ist, dass trotzdem ein gemeinsames Ziel da sein muss, und das muss von dem Unternehmen vorgegeben werden. Das heißt, ich muss eine Zieldefinition haben, mit der sich auch alle identifizieren können, der alle folgen. Und je besser ich dieses Ziel definiere, desto mehr können die Individuen auch autonom handeln. Dann ist es abgesegnet, die müssen sich nicht nochmal rückversichern und können einfach ihr Ding machen und alle diesem Ziel zustreben. Ich glaube, das ist ganz wichtig.