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Welche Hochschulen braucht unsere Gesellschaft?

24.09.2021 - 26.09.2021 - Tutzing

Transformation meistern – Herausforderungen gestalten: Tagung der Evangelischen Akademie Tutzing in Kooperation mit dem Hochschulnetzwerk Bildung durch Verantwortung und dem Stifterverband

Hochschulen haben für die Bildung und Weiterentwicklung unserer Gesellschaft eine entscheidende Bedeutung. Ihre Aufgabe geht weit darüber hinaus, nur ökonomisch verwertbare Kompetenzen zu vermitteln oder Studierende explizit für den Arbeitsmarkt auszubilden. Hochschulen sind dazu da, das Wissen und die Fähigkeiten einer Gesellschaft zu mehren, um damit aktuelle wie zukünftige Herausforderungen im technischen, sozialen und kulturellen Sinne zu meistern und gesellschaftliche Teilhabe nachhaltig zu fördern.

Hochschulen sind damit immer auch ein Resonanzraum unserer Gesellschaft und gestalten die Prinzipien, die unser Denken, Entscheiden und Handeln beeinflussen.

  • Welches Wissen und welche Fähigkeiten benötigen wir in Zukunft, um gesellschaftliche Transformationen zu meistern?
  • Auf welche Weise kann diese "transformational literacy" an Hochschulen vermittelt werden?
  • Wie gestalten Hochschulen den gesellschaftlichen Wandel mit?
  • Welche Rolle kann und soll die Zivilgesellschaft bei der zukünftigen Entwicklung von Hochschulen in Forschung und Lehre einnehmen?

Thematische Szenario-Werkstätten beleuchteten Themen wie transformatives Lernen und Lehren, Arbeitsbedingungen, Persönlichkeitsbildung, kreative Räume und partizipative Forschung. Die Ergebnisse der erarbeiteten Szenarien wurden von Experten aus Zivilgesellschaft und Hochschule diskutiert und nächste Schritte geplant.

24. bis 26. September 2021

Evangelische Akademie Tutzing
Schlossstraße 2+4
82327 Tutzing

Anmeldeschluss zur Tagung war
der 10. September 2021.

24. September 2021

15:30 Uhr
Ankommen und Willkommenskaffee im Foyer

16:00 Uhr
Einführung und Begrüßung
Alix Michell, Studienleitung, Evangelische Akademie Tutzing
Dr. Jochen Wagner, Studienleitung, Evangelische Akademie Tutzing
Dr. Volker Meyer-Guckel, stellv. Generalsekretär Stifterverband für die Wissenschaft, Berlin
Jörg Miller, Sprecher Hochschulnetzwerk Bildung durch Verantwortung, Universität Duisburg-Essen

16:30 Uhr
Gesellschaft im Wandel: Die Hochschulen neu erfinden?
Christina Urner, Arbeiterkind.de gGmbH
Dr. Volker Meyer-Guckel, stellv. Generalsekretär Stifterverband für die Wissenschaft, Berlin
im Gespräch mit Prof. Dr. Wolfgang Stark, Organisations- und Gemeindepsychologie, Universität Duisburg-Essen

18:00 Uhr
Abendessen

19:15 Uhr
Hochschulen der Zukunft: Abbild und Gestaltungsraum von Gesellschaft?
Prof. Dr. Sascha Spoun, Präsident, Leuphana Universität Lüneburg

20:30 Uhr
Begegnungen und Gespräche in den Salons

 

25. September 2021

7:45 Uhr
Andacht in der Schlosskapelle

9:00 Uhr
Gesellschaftliche Entwicklungen und Hochschule
Impulse aus der Sicht von Zivilgesellschaft
Dr. Thomas Röbke (Digitales), Röbke, Sprecher, Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement, Berlin
Elisa Lindinger (Jugend), Mitgründerin von Superrr Lab, Berlin
Inga Thao My Bui, Mitgründerin Students For Future, Universität Mainz

10:00 Uhr
Kaffeepause

10:30 Uhr
Erste Phase Szenario-Werkstätten

12:30 Uhr
Mittagessen

14:00 Uhr
Zweite Phase Szenario-Werkstätten

15:30 Uhr
Pause

16:00 Uhr
Dritte Phase Szenario-Werkstätten

18:00 Uhr
Abendessen

19:30 Uhr
Die Hochschule als Gesamtkunstwerk
Künstlerische Werkstatt mit Ariane Hagl, Künstlerin und Diplom-Psychologin, München

20:30 Uhr
Begegnungen und Gespräche in den Salons

 

26. September 2021

7:45 Uhr
Andacht in der Schlosskapelle

9:00 Uhr
Pitches und Feedback Session Ergebnisse der Szenario-Werkstätten
Prof. Dr. Klaus Sailer, Strascheg Center for Entrepreneurship, München

10:30 Uhr
Vom Szenario zur Umsetzung – Ausblick
Prof. Dr. Harald Lesch, Astrophysik, Ludwig-Maximilians-Universität München, Naturphilosophie, Hochschule für Philosophie München, Wissenschaftsjournalist, Fernsehmoderator

12:00 Uhr
Abschlussdiskussion (Fishbowl)
Prof. Dr. Harald Lesch mit den Inputgebern (Jugend, Digitales, Zivilgesellschaft):
Prof. Dr. André Bleicher, Präsident, Hochschule Biberach
Prof. Dr. Gabriele Gien, Präsidentin, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Prof. Dr. Ulrich Schrader, University of Applied Sciences, Sprecher Hochschulnetzwerk Bildung durch Verantwortung, Frankfurt am Main

12:30 Uhr
Ende der Tagung mit dem Mittagessen

 

Szenario-Werkstätten

Governance

Was wäre für eine Hochschulleitung die Folge, wenn sich Hochschulen strategisch auf zentrale gesellschaftliche Zukunftsthemen/Herausforder-ungen ausrichten wollen?

Moderation: Jörg Miller / Prof. Dr. Ulrich Schrader
Experte: Prof. Dr. André Bleicher

Hochschulen als Orte dialogischen Wissenstransfers zwischen Zivilgesellschaft
und Hochschule werden bedeutsamer. Das äußert sich in

  • dem Aufkommen interdisziplinärer Fragestellungen aus Politik/Zivilgesellschaft. Diese treffen auf Hochschulen mit ihrer disziplinären
  • Logik und Ausdifferenzierung
  • einer Umgewichtung und Verschiebung der Aufgaben von Hochschulen in allen Bereich von Lehre und Forschung bis hin zu einer sich an gesellschaftlicher Verantwortung orientierenden Profil-bildung der Hochschulen
  • einer notwendigen Veränderung organisatorischer Rahmenbedingungen und Strukturen sowie der Entwicklung und dem Ausbau von Schnittstellen zwischen Hochschule und Gesellschaft.

Dieses führt zu einer zunehmenden Komplexität an den Hochschulen und stellt die Governance vor neue Herausforderungen.

Digitalisierung

Was wäre, wenn die "erzwungene" Digitalisierung im Umgang mit Covid-19 zu einer Neuausrichtung der Lehre an Hochschulen führt, die Lernen durch Engagement in gesellschaftlich relevanten Projekten zu einer "neuen Normalität" macht?

Moderation: Tom Sporer, Dr. Julia Sonnberger
Expertin: Elisa Lindinger

Covid-19 hat Hochschulen gezwungen innerhalb kürzester Zeit die Lehre zu digitalisieren. Zugleich haben sich Studierende und Lehrende auf analoge und digitale Weise gesellschaftlich engagiert. Es wurde deutlich, dass

  • die Vermittlung von Wissen im Studium durch digitale Lehrformate weitgehend ersetzbar ist und das Lernen bei guter Umsetzung zeitlich und örtlich flexibilisiert
  • die Anwendung des erworbenen Wissens durch Projekte an analogen und/oder digitalen Lernorten möglich ist und durch Transfer gesellschaftlichen Mehrwert schafft
  • die Reflexion über die Bedeutung gesellschaftlicher Verantwortung auch im digitalen Raum stattfinden kann und ethische Fragestellungen in die Lehre einbezieht
  • sich die Rollen von Lehrenden und Studierenden verändern und neue Formate der Gestaltung digitaler Lehre und gesellschaftlichen Transfers ko-kreativ entwickelt werden
  • sich der Bildungsauftrag erweitert und die Expertise aus der Wissenschaft sich verstärkt in den öffentlichen Diskurs zu gesellschaftlichen Herausforderungen einbringt.

Nachhaltige Zukunftsgestaltung und kreatives Wirtschaften

Wie kann Hochschule die gemeinsame Gestaltung der zukünftigen Gesellschaft mit Blick auf das kreative, nachhaltige Wirtschaften unterstützen?

Moderation: Henrike Mattheis, Isabell Osann, Frauke Godat
Experte: Dr. Volker Meyer-Guckel

Transformative Lehre benötigt in manchen Fällen auch neue Narrative, die die Ausrichtung auf einen gesellschaftlichen Wandel unter Nachhaltigkeitsbedingungen befördern. Das bedeutet unter anderem

  • Innovation und kreatives Wirtschaften unter der Nachhaltigkeitsperspektive neu zu denken, und zu fragen,
  • welche Formen gemeinwohlorientierten Wirtschaftens jenseits der Ausrichtung auf Gewinnmaximierung denkbar ist.
  • An einzelnen Hochschulen existieren bereits spezielle Studiengänge zur Zukunftsgestaltung, die vernetzt ein gemeinsames Bild ergeben können.

Third Mission

Wie kann Gesellschaftliche Verantwortung von Hochschulen als Third Mission im Selbstverständnis von Hochschulen verankert werden?

Moderation: Julia Derkau
Experte: Dr. Thomas Röbke

Viel ist in den letzten Jahren die Rede von der gesellschaftlichen Verantwortung die Rede, sozusagen als dritte Mission neben Forschung und Lehre. Dahinter steckt auch die Kritik, Hochschulen begnügten sich mit dem vielzitierten Elfenbeinturm. Viele Lehrende haben sich in Eigenregie auf den Weg gemacht und Formate wie Service Learning, Reallabore, Campus Community Partnerships etc. entwickelt.
Eine institutionelle Verankerung der Third Mission hat Auswirkungen auf

das Zusammenspiel zwischen den Fakultäten und der Hochschul-leitung und -entwicklung
den Zweck von Hochschulen, der neben Forschung und Lehre um die gesellschaftliche Verantwortung als Third Mission erweitert wird auf intersektorale Kooperationen

Die Rolle von Kunst und Kreativität für die Hochschule der Zukunft

Welche Rolle spielen künstlerische und kreative Formate bei der Weiterentwicklung der Hochschule im Blick auf die großen Fragen unserer Zeit? Wie können sich Persönlichkeit und Reflexionsfähigkeit dort entwickeln?

Moderation: Ariane Hagl

Die großen Fragen unserer Zeit erfordern Transdisziplinarität innerhalb der Universität, aber auch eine andere Rolle der Universität innerhalb der Gesellschaft. Transdisziplinäre und transformative Formate und Methoden integrieren die kreative und künstlerische Dimension der Existenz, das bedeutet keine Abkehr vom Anspruch der Rationalität, sondern eine Erweiterung.

  • Damit Transdisziplinarität gelingen kann, müssen Kreativität und offene Kommunikationsformate auch in die Lehrmethoden der Fachdisziplinen einziehen.
  • Gefordert sind eigene Formate zugänglich für Studierende aus allen Fachdisziplinen, in denen Kreativität, künstlerischer Ausdruck und offene Kommunikation zentral sind.
  • Junge Menschen brauchen Plätze, an denen sie ihr Potential entfalten können, miteinander lernen "Neues" zu entwickeln und "Unmögliches" zu wagen. Dort können sich auch ihre Persönlichkeit bilden und ihre Reflexions - und Handlungsfähigkeit schärfen.

Lernräume zwischen Hochschule und Zivilgesellschaft

Wie sehen gesellschaftliche Lernräume der Zukunft aus, in denen sich akademisches Wissen und zivilgesellschaftliche Erfahrung gleichberechtigt begegnen und weiterentwickeln?

Moderation: Claudia Leitzmann, Erik Bertram, Dr. Tanja Kohn

Eine zukünftige Gesellschaft benötigt Lernräume, in denen sich akademisches Wissen und Erfahrungswissen aus der Praxis/Zivilgesellschaft auf gleicher Augenhöhe begegnen und sich gegenseitig anregen. Dazu gehört,

  • dass Hochschulen nicht nur Ausbildungs-Institutionen, sondern Teil von Bildungsinstitutionen für regionalen/gesellschaftlichen Wandel werden können,
  • dass "dritte Räume" als Lernräume so gestaltet werden, dass Zivil-gesellschaft und Hochschule gemeinsam lernen können

Kontakt

Ansprechpartnerin für organisatorische Fragen:

Rita Niedermaier
Evangelische Akademie Tutzing
T 08158 251-128
E-Mail senden