Studierende des Jahres

Mit der Auszeichnung werden Studierende ausgezeichnet, die über ihr Studium hinausgehendes, herausragendes Engagement zeigen.

Es gibt viele unter den 2,8 Millionen Studierenden, die über ihr Fachstudium hinaus in Staat und Gesellschaft, Politik und Vereinen, vor allem aber ehrenamtlich und altruistisch engagiert sind, häufig auch in studiennahen Bereichen. Der Deutsche Hochschulverband (DHV) und das Deutsche Studentenwerk (DSW) wollen diesen Studierenden mit der Aufzeichnung als Studentin oder Student des Jahres Aufmerksamkeit verschaffen. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. Das Preisgeld stellt der Stifterverband zur Verfügung.

 

Preisträger 2022: 15 Aachener Studierende der katho

15 Studierende der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen (katho) aus dem Fachbereich Sozialwesen am Standort Aachen werden für ihr vorbildliches Engagement im Rahmen der Katastrophenhilfe in Stolberg ausgezeichnet.

Mitte Juli 2021 hatte das Jahrhunderthochwasser auch die Stadt bei Aachen schwer verwüstet. Zahlreiche Studierende der katho packten daraufhin unmittelbar beim Aufräumen an und hörten auch nicht auf, als die gröbsten Arbeiten erledigt sind. Vielmehr schlossen sie sich auf Initiative und unter Koordination des damaligen Vorstands des AStA mit anderen Helferinnen und Helfern im selbstorganisierten Versorgungscamp "Willy" auf dem Willy-Brandt-Platz in Stolberg zusammen. Dort stellen die angehenden Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter ihr Können und Wissen den von der Naturkatastrophe Betroffenen, unter denen sich vor allem viele sozial schlechter gestellte Menschen befinden, uneigennützig zur Verfügung.

Seit August 2021 betreibt ein Kernteam von 15 Studierenden, das von weiteren freiwilligen Helferinnen und Helfern unterstützt wird, auf dem Stolberger Hilfscamp das Sozialzelt, hört den Sorgen und Nöten der vom Hochwasser Betroffenen zu, hilft bei der Kinderbetreuung und der Bewältigung von Alltagssorgen, unterbreitet psychologische und soziale Beratungsangebote oder assistiert bei Behördengängen und Anträgen zu Hilfsleistungen tatkräftig. Als der Winter nahte, konzipierten und führten die Studentinnen und Studenten eine Hochwasserbefragung unter mehr als 4.000 betroffenen Haushalten durch, um den zielgenauen Bedarf der Geschädigten zu ermitteln und Maßnahmen zur Deckung dieses Bedarfs in die Wege zu leiten. Mit der Gründung eines gemeinnützigen Vereins unter dem Namen "Gemeinsam weiter" werden auch die von den Studierenden maßgeblich getragene Projekte des Sozialzelts verstetigt und fortlaufend an die Bedürfnisse der Stolbergerinnen und Stolberger angepasst, denen es auch nach Monaten oftmals noch am Nötigsten wie Strom, Heizung, an warmem Wasser, einer Kochgelegenheit oder einem Internetzugang mangelt. Derzeit ist geplant, mit Hilfs- und Unterstützungsangeboten bis zum Frühjahr 2023 vor Ort zu bleiben.

"Das zivilgesellschaftliche Engagement der Studierenden baut auf ihrem Studium auf und wird von ihren Lehrenden aktiv begleitet und wohlwollend gefördert, geht aber weit darüber hinaus. Durch ihren zeitintensiven und überobligatorischen Einsatz zeigen sie gelebte Solidarität, befördern ein soziales Miteinander und treiben den Wiederaufbau nach den immensen Hochwasserschäden in Stolberg selbstlos voran", begründen DHV-Präsident Professor Dr. Bernhard Kempen und DSW-Präsident Professor Dr. Rolf-Dieter Postlep gemeinsam die Auszeichnung.

Offiziell wurden die "Studierenden des Jahres" am 28. März 2022 bei der online stattfindenden "Gala der Deutschen Wissenschaft“ des Deutschen Hochschulverbands ausgezeichnet.

Die Studierenden des Jahres, die das Kernteam des Sozialzelts bilden, sind Mohammed Arfan Ashmawi, Luisa Bühler, M-Obaida Dehna, Kerstin Gutknecht, Pauline Halfmann, Sarah Hermanns, Simone Hieronymus, Jonas Hustinx, Anne-Katrin Krutt, Laika Lauscher, Fee Maureen Nixdorf, Jens Rattay, Marion Schestakow, Yannik Stachowiak und Oliver Stöber

Mehr Info zum Versorgungscamp "Willy" in Stolberg
Mehr Info zur Hochwasserbefragung

Die Ausgezeichneten der zurückliegenden Jahre

2021: TechAcademy

Eine 20-köpfige Gruppe von Studierenden der Goethe-Universität Frankfurt am Main, die unter dem Namen "TechAcademy" kostenlose IT-Seminare für Studierende aller Fachrichtungen organisiert, ist im Jahr 2021 ausgezeichnet worden. Die Initiative verfolgt das Ziel, die digitale Kompetenz ihrer Kommilitoninnen und Kommilitonen aus allen Fachbereichen und Disziplinen zu fördern. Als ehrenamtlich tätige Mentorinnen und Mentoren vermitteln sie ein grundlegendes Verständnis von Programmierung auch für Mitstudierende ohne Vorwissen. Der Ansatz der "TechAcademy" ist bewusst niedrigschwellig und richtet sich in der stark männlich konnotierten IT bewusst auch an Frauen, die etwa die Hälfte der Teilnehmenden an den Seminaren stellen.

IT-Kompetenzen werden zur Hälfte durch selbstständige Lernkurse mittels eLearning-Plattformen (DataCamp/Udemy) sowie eigens konzipierter Projektleitfäden vermittelt. Die andere Hälfte beinhaltet persönliche bzw. virtuelle Projektarbeit, die von aktivem Mentoring in Kleingruppen begleitet wird. IT-Expertinnen und -Experten aus Unternehmen und Forschung halten überdies Vorträge bei der "TechAcademy".

Seit der Gründung im Herbst 2018 haben mehr als 250 Studierende aus elf Fachbereichen und über 56 verschiedenen Studiengängen innerhalb von einem Semester bei der "TechAcademy" das Programmieren im Bereich "Data Science" (Python oder R) beziehungsweise "Web Development" (HTML, JavaScript, CSS) gelernt. Pro Semester erlernen jeweils 80 Studierende in einem strukturierten Programm die Grundlagen des Programmierens oder fortgeschrittene Kenntnisse.

Die "TechAcademy" trägt mit ihrer Initiative dazu bei, dass besonders Studierende aus weniger informatikaffinen Studiengängen der Einstieg ins Programmieren ermöglicht wird. Die "TechAcademy" spricht Studierende in einem Feld an, das normalerweise nicht allen Studierenden offensteht. Dieses interdisziplinär angelegte, selbstentwickelte Angebot für Studierende aller Fachrichtungen ist beispielhaft, und es ist ein Leuchtturm-Projekt für das bildungspolitisch zentrale Thema der digitalen Bildung. Es ist zukunftsweisend für eigeninitiatives Lernen, für die Förderung von IT-Kompetenzen über Gemeinschaftssinn, so die Begründung für die Preisvergabe.

Video-Beitrag auf dem YouTube-Kanal des Deutschen Hochschulverbandes

2020: Sagithjan Surendra

Sagithjan Surendra studiert Molekulare Medizin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und ist Vorstandsvorsitzender sowie treibende Kraft des Aelius Förderwerks e.V., das er 2017 im Alter von 18 Jahren ins Leben rief.

Junge Menschen aus Nichtakademikerfamilien, oftmals mit Migrationshintergrund, werden mit Hilfe des Aelius Förderwerks darin unterstützt, ihren Bildungsweg unabhängig von der sozialen und finanziellen Situation des Elternhaushaltes selbstbestimmt zu gehen. Dank Surendras beherzter Initiative ist innerhalb kürzester Zeit ein breites Spektrum an Weiterbildungsseminaren, Workshops und Beratungsangeboten entstanden.

Das Förderwerk will nicht nur dabei helfen, "Durchhänger", schwierige Situationen und Belastungen auf dem Bildungsweg abzufedern; es will vielmehr auch dazu ermuntern, Verantwortung zu übernehmen und den Blick über den Tellerrand hinaus zu wagen. Ein besonderes Element der ideellen Förderung ist das Mentoring-Programm "Dialog Chancen". In diesem werden Schüler bis zum Schulabschluss individuell von persönlichen Mentoren aus Politik, Kultur oder Wissenschaft unterstützt, die ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Das innovative Konzept trägt Früchte: Von der Arbeit des Aelius Förderwerks haben schon 1.500 Schüler profitiert.

Sagithjan Surendra ist als Sohn zweier Flüchtlinge aus Sri Lanka unter prekären finanziellen Umständen in Deutschland aufgewachsen. Diese Lebensgeschichte hat ihn jedoch nicht resignieren lassen, sondern zu einem beispielgebenden und herausragenden ehrenamtlichen Engagement animiert, für das er trotz eines zeitintensiven Studiums viel Herzblut und unzählige Stunden opfert. Sein beherztes Engagement bewegt auch andere, tätig zu werden. Um sich herum hat er ein inzwischen 50-köpfiges Team aus Studierenden unterschiedlichster Herkunft geschart, die oftmals selbst Hürden auf ihrem Bildungsweg überwinden mussten und ihr Erfahrungswissen nunmehr im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe mit anderen teilen wollen. Mit dem Förderangebot, das sich gezielt an Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Familien richtet, leisten Sagithjan Surendra und sein Team einen wichtigen Beitrag zu fairen Bildungschancen in Deutschland, wo die soziale Herkunft nach wie vor in stärkerem Maße über den Bildungserfolg entscheidet als in anderen Ländern.

Website des Aelius Förderwerks
Video-Beitrag auf dem YouTube-Kanal des Deutschen Hochschulverbandes

2019: Wiebke Gehm

Wiebke Gehm ist leitendes Mitglied der studentischen Initiative "TNA – Tommy nicht allein", die schwer erkrankte Kinder in der Rostocker Kinderklinik ehrenamtlich betreut. Die 24-Jährige studiert Humanmedizin an der Universität Rostock. Die Initiative wurde 2015 für den Namensgeber Tommy ins Leben gerufen – einen kranken Jungen, der stationär im Universitätsklinikum Rostock behandelt wurde. Der Schwerpunkt von TNA liegt auf der ehrenamtlichen Betreuung von schwerkranken Kindern, deren Eltern nicht die ganze Zeit in der Klinik sein können oder die während der Betreuung eine kurze Auszeit benötigen. Die Studierenden können rund um die Uhr das ganze Jahr über angefordert werden und beschäftigen die Kinder, indem sie sich mit ihnen unterhalten und spielen.

Wiebke Gehm entwickelt das Projekt stetig weiter, so dass möglichst viele Kinder von dem Angebot profitieren können. Sie kümmert sich um Einführungsveranstaltungen und Schulungen für neue Mitglieder der Initiative und wirbt neue studentische Mitstreiter an. Darüber hinaus organisiert sie besondere Veranstaltungen wie Kindertage oder Wichtelaktionen für die jungen Patienten. Wiebke Gehm setzte sich im Urteil der sechsköpfigen Jury gegen 62 weitere nominierte Studierende durch.

TNA – Tommy nicht allein auf Facebook
Think & Do-Podcast des Stifterverbandes: Interview mit Wiebke Gehm
Video-Beitrag auf dem YouTube-Kanal des Deutschen Hochschulverbandes

2018: Philipp Humbsch

Philipp Humbsch, Student der Humanmedizin an der Charité-Universitätsmedizin Berlin aus Frankfurt an der Oder, ist Urheber und Motor der Initiative "Jeder kann ein Held sein", die seit 2016 bislang mehr als 3.000 Kinder in ländlichen Gebieten Brandenburgs kostenlos in Erster Hilfe ausgebildet hat, insbesondere Grundschüler, aber auch über 100 Kinder aus Förderschulen. Möglich wird dies durch Spenden, Preisgelder sowie durch die Mitgliedsbeiträge des Vereins Pépinière e.V., den Philipp Humbsch und seine ehrenamtlichen Mitstreiter, andere Medizin- und Pharmaziestudierende sowie Rettungskräfte, ins Leben gerufen haben.

"Jeder kann ein Held sein" vermittelt in dreitägigen Kursen nicht nur lebensrettende Kenntnisse über Themenbereiche wie die stabile Seitenlage, Reanimation, das Anlegen von Verbänden und Eigenschutz, sondern schafft für Schüler durch die Einbeziehung von ehrenamtlichen Hilfsorganisationen und Freiwilligen Feuerwehren Anknüpfungspunkte, um sich selbst ehrenamtlich zu betätigen. Erklärtes Ziel ist zudem, die Erste-Hilfe-Ausbildung im schulischen Lehrplan fest zu verankern. Empfehlungen der Kultusministerkonferenz sehen bislang lediglich Unterweisungen in Erster Hilfe nach der Grundschulzeit für Schüler ab der siebten Klasse vor. Philipp Humbsch will dies ändern und lässt daher die Arbeit seiner Initiative wissenschaftlich durch das Institut für Sozialmedizin der Charité evaluieren. Auch hier leistet er Pionierarbeit.

Philipp Humbsch hat die Jury durch sein vielfältiges, beispielgebendes und herausragendes ehrenamtliches Engagement überzeugt. Er macht nicht nur Helden, sondern ist selbst ein Held, der trotz eines zeitintensiven Studiums viel Herzblut und unzählige Stunden für die Erste-Hilfe-Ausbildung der Schüler opfert. Sein Ansatz, die Bereitschaft zur Leistung lebensrettender Sofortmaßnahmen im Notfall durch frühzeitige Vermittlung zu heben, ist innovativ und fördert Zivilcourage. "Jeder kann ein Held sein" sensibilisiert frühzeitig für ein ehrenamtliches Engagement in strukturschwachen Regionen und das in Zeiten, in denen das klassische Freiwilligenengagement unter Nachwuchsproblemen leidet.

Das Projekt "Jeder kann ein Held sein" auf Facebook
Videoporträt auf dem YouTube-Kanal der Stiftung Bildung und Gesellschaft
Video-Beitrag auf dem YouTube-Kanal des Deutschen Hochschulverbandes

2017: Architektur-Studierende der TU Kaiserslautern

Eine Gruppe von Architektur-Studierenden der Technischen Universität Kaiserslautern hat von Mitte August bis Ende Oktober 2016 gemeinsam mit 25 Geflüchteten einen Holz-Pavillon als Gemeinschaftshaus selbst entworfen, geplant und gebaut. Das rund 500 Quadratmeter große Gebäudeensemble auf dem Gelände der ehemaligen "Spinelli Barracks" der amerikanischen Streitkräfte wurde im November 2016 nach äußerst kurzer Bauzeit eingeweiht.

Die 16 Studierenden wendeten für das Projekt, das sie im Sommersemester 2016 entworfen hatten, die gesamten Sommersemesterferien 2016 auf sowie den Beginn des Wintersemesters 2016/2017. Sie machten alles selbst: vom Entwurf am Computer bis zur Arbeit auf der Baustelle. Während der Bauzeit wohnten sie gemeinsam mit Geflüchteten in der Landeserstaufnahmeeinrichtung.

Den Geflüchteten standen in dieser Einrichtung bisher keine Gemeinschafts- oder Begegnungsräume zur Verfügung - das wollten die Studierenden ändern. Die Geflüchteten selbst wurden bereits zur Erstellung des Raumprogramms in den Planungsprozess miteinbezogen; sie bauten im Team mit und konnten sich so handwerkliche Fähigkeiten aneignen. Das Land Baden-Württemberg hat das Projekt finanziert, die Stadt Mannheim hat es unterstützt.

Betreut wurden die 16 Studierenden von drei Professoren im Fachbereich Architektur der TU Kaiserslautern: Juniorprofessor Stefan Krötsch, Juniorprofessor Andreas Kretzer und Professor Jürgen Graf.

Sie schreiben über das Projekt: "Die Studierenden erarbeiteten sich durch das Projekt die Möglichkeit, erstmals einen eigenen Entwurf umzusetzen. Die beteiligten Flüchtlinge eigneten sich fachliche Fähigkeiten und Sprachkenntnisse an, von denen sie profitieren, selbst wenn die meisten von ihnen in ihre Herkunftsländer werden zurückkehren müssen." Geflüchtete und Studierende hätten viel voneinander gelernt; im Alltag und auf der Baustelle habe eine gute Stimmung geherrscht, schreiben die drei Professoren weiter.

Das Projekt hat die DHV/DSW-Jury überzeugt; sie kürte die Kaiserslauterer Architektur-Studierenden aus insgesamt 89 eingegangenen Nominierungen zu den "Studierenden des Jahres".

Mehr Info zum Projekt auf der Website der TU Kaiserslautern
Video-Beitrag auf dem YouTube-Kanal des Deutschen Hochschulverbandes

2016: Christoph Lüdemann

Christoph Lüdemann, Student und Doktorand der Humanmedizin und Masterabsolvent in Wirtschaftswissenschaften der Universität Witten/Herdecke, ist der erste Preisträger. Er hat mit seinen Mitstreitern ein in Afrika tätiges Entwicklungshilfe-Start-up gegründet und zielt mit dem Hilfsverein l'appel auf Nachhaltigkeit, Vernetzung und Hilfe zur Selbsthilfe. Die Studierenden werben beispielsweise Spendengelder für Stipendien ein, denn nur durch Bildung lassen sich Armut und gesellschaftliche Rückständigkeit überwinden.

Artikel zum Preisträger auf SPIEGEL online
TV-Beitrag im Campus Magazin auf ARD alpha
Video-Beitrag auf dem YouTube-Kanal des Deutschen Hochschulverbands