Hochschul-Barometer

Wohin steuert das deutsche Hochschulsystem? Das Hochschul-Barometer gibt Antworten aus Sicht der Hochschulleitungen. Ein gemeinsames Projekt von Stifterverband und Heinz Nixdorf Stiftung.

Alle Ergebnisse und eine interaktive Datenanalyse auf der Website zum Hochschul-Barometer

Die Hochschulen in Deutschland gewinnen Gestaltungsspielräume. Ihre Strategien und Maßnahmen beeinflussen zunehmend gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen. Für das Hochschul-Barometer wendet sich der Stifterverband einmal im Jahr an alle Hochschulleitungen in Deutschland und bittet sie um ihre Einschätzungen zur aktuellen Lage der Hochschulen, drängenden Herausforderungen und geplanten Entwicklungen. Jedes Jahr liegt der Schwerpunkt auf Themen mit besonders hoher Relevanz.

 

NEUE ERGEBNISSE AUS DEM HOCHSCHUL-BAROMETER

Schlechte Stimmung bei den privaten Hochschulen

Insgesamt schätzen Rektoren und Präsidenten privater Einrichtungen ihre aktuelle und zukünftige Lage wesentlich schlechter ein als in den Vorjahren. Das zeigt sich am Stifterverband-Index, der anhand von 17 Indikatoren Rahmenbedingungen, Wettbewerbsfähigkeit und Kooperationsbeziehungen der Hochschulen misst. Während staatliche Hochschulen teilweise sogar leichte Verbesserungen erfahren haben, ist der Index für private Hochschulen zwischen 2011 und 2016 von 47 auf 25 Punkte gefallen (auf einer Skala von -100 bis +100 Punkten).

Viele Neugründungen privater Hochschulen haben den Wettbewerb in den vergangenen Jahren enorm erhöht. Dagegen sind ihre Möglichkeiten, auch staatliche Fördergelder einzuwerben, weiterhin begrenzt. Das gilt auch für die Hochschulpakt-Mittel, die der Bund zur Hochschulfinanzierung den Ländern zur Verfügung stellt. Nur in wenigen Bundesländern werden diese Gelder auch an private Hochschulen weitergeleitet. Dabei hat sich hier die Zahl der Studienanfänger zwischen 2005 und 2015 bundesweit von 14.000 auf 42.000 verdreifacht.

Pressemitteilung vom 17. August 2017

 

Hochschulen stellen sich auf steigende Diversität der Studierenden ein

Gesellschaftlicher und demographischer Wandel führen zu steigender Vielfalt bei individuellen Bildungsbiographien, kulturellen Prägungen und sozialen Hintergründe der Studierenden. Diese Vielfalt als Chance zu sehen und allen Menschen gleichermaßen Zugang zu guter Bildung zu ermöglichen, ist eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Hochschulen können hier eine Vorreiterfunktion übernehmen und Vorbilder hervorbringen. 

Diversitätsmanagement meist strategisch und operativ fest verankert
Eine zentrale Ansiedlung des Themas Diversität in Hochschulleitung und Verwaltung trägt zur Sichtbarkeit und zur kontinuierlichen Bearbeitung des Themas bei. An vier von fünf Hochschulen ist ein Mitglied der Hochschulleitung für dieses Thema explizit verantwortlich. 87 Prozent aller Hochschulen haben Diversitätsmanagement als Aufgabe der Verwaltung verankert. Am häufigsten liegt die operative Zuständigkeit bei den Gleichstellungsbeauftragten.

Diversität: Gegenstand der Lehre aber nicht der Personalpolitik
Das Thema Diversität findet in Studium und Lehre bereits eine breite Beachtung (83 Prozent), zum Beispiel mit entsprechenden Beratungs- und Betreuungsangeboten und flexiblen Studienformaten. Intensives Diversitätsmanagement beim eigenen Personal betreibt jedoch nur rund die Hälfte der Hochschulen. Weniger Berücksichtigung findet das Thema auch in Forschung und Wissenschaft. Nur knapp jede dritte Hochschule sieht Diversität in diesem Bereich als eine wichtige Aufgabe an.

 

Flexibilität durch Zeitverträge gewünscht

In den letzten zehn Jahren stieg die Zahl der Studierenden an deutschen Hochschulen um über 40 Prozent auf rund 2,8 Millionen. Um den Zuwachs zu bewältigen, mussten Hochschulen in neue Infrastruktur investieren und Lehrkapazitäten aufbauen. Oft fehlt dabei das Personal, um Vorlesungen, Seminare oder Tutorien qualitätsgerecht halten zu können. Im Durchschnitt wird mehr als jede vierte Lehrveranstaltung nicht von hauptamtlichen Mitarbeitern der Hochschulen übernommen. Private Hochschulen greifen dabei besonders häufig auf externes Personal zurück (38 Prozent).

Der deutliche Anstieg der Lehraufgaben trägt ebenso wie ein hoher Anteil an drittmittelfinanziertem Personal dazu bei, dass viele Wissenschaftler an den Hochschulen befristet tätig sind. An Universitäten sind fast zwei Drittel der Arbeitsverhältnisse von Wissenschaftlern nur auf Zeit abgeschlossen, an Fachhochschulen ein Drittel. Ein Grund ist der geringe Anteil von Nachwuchswissenschaftlern und Drittmittelstellen an Fachhochschulen. Für alle Hochschultypen gilt, dass in der Verwaltung der Anteil befristeter Stellen deutlich geringer ist.

 
Den bestehenden Anteil an Zeitverträgen bewerten die Hochschulleiter von privaten sowie spezialisierten Hochschulen als weitgehend adäquat. Allerdings arbeitet dort auch nur rund jeder fünfte Wissenschaftler und ein Zehntel der Verwaltung befristet. Anders sieht es an den staatlichen Universitäten aus: Sie sehen bei einer großen Anzahl an Qualifizierungs- und Drittmittelstellen nur begrenzten Spielraum für eine Senkung der befristeten Beschäftigung. Ihnen ist auch die Flexibilität wichtig, die sich bei Hochschulentwicklung und der Weiterqualifizierung des wissenschaftlichen Nachwuchses durch Zeitverträge ergibt. So wollen die Universitätsleitungen den hohen Anteil (62,9 Prozent) befristeter Verträge beim wissenschaftlichen Personal um 5,5 Prozentpunkte auf 57,4 Prozent senken, was einer Entfristung von etwa jeder elften Stelle entspricht. Die Leiter von Fachhochschulen wollen sogar jede vierte bisher befristete Stelle entfristen. In der Verwaltung liegen entsprechende Werte etwas höher: Staatliche Fachhochschule wünschen sich, jeden Zweiten in der operativen Ebene zu entfristen, staatliche Universitäten jeden Vierten.

Hochschulpakt mit Licht und Schatten

Vor dem Hintergrund steigender Studierendenzahlen haben Bund und Länder den Hochschulpakt 2020 beschlossen, der die Finanzierung zusätzlicher Studienplätze sichern und ein qualitativ hochwertiges Studium ermöglichen soll. 2016 wurde die dritte Phase des Paktes gestartet. Zwischenfazit: Nur die Hälfte der befragten Hochschulleiter ist überzeugt, dass der Hochschulpakt seine Ziele in der Vergangenheit erfüllt hat.

Je nach Hochschultyp fällt die Einschätzung über die Wirkung des Hochschulpaktes ganz unterschiedlich aus. Unter den privaten Hochschulen meinen lediglich 18 Prozent der Hochschulleiter, der Hochschulpakt habe sein Ziel erfüllt. Grund ist, dass der schnell wachsende Anteil der Studienplätze an privaten Hochschulen in die Berechnung der Bundesmittel zwar einbezogen, aber von den Ländern in der Regel nicht weitergegeben wird. Leiter staatlicher Hochschulen sehen das Programm dagegen überwiegend positiv. Fast 80 Prozent von ihnen sagen, die Studienqualität habe sich durch den Hochschulpakt verbessert. Aber nur 34 Prozent meinen, der Studienerfolg habe sich durch eine geringere Abbruchquote erhöht. Auch bei weiteren Zielen sieht nur eine Minderheit bereits Erfolge: wie etwa mehr Studienanfänger für Fachhochschulen und für die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) zu gewinnen, den Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte zu verbessern und den Anteil von Frauen insbesondere bei Professuren zu erhöhen.

 
 
Kapazitäten für Studium und Lehre ist eines der Schwerpunkthemen der aktuellen Ausgabe. Die Ergebnisse des gesamten Hochschul-Barometers werden im Herbst 2017 veröffentlicht.

 

Kontakt

Dr. Pascal Hetze

leitet im Stifterverband den Programmbereich 
"Analysen und Innovationspolitik".

T 030 322982-506
F 030 322982-515

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Elena Mostovova

ist wissenschaftliche Referentin im Bereich "Programm und Förderung".

T 030 322982-543
F 030 322982-515

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