Ars legendi-Fakultätenpreis Medizin

Der Ars legendi-Fakultätenpreis für exzellente Lehre in der Medizin wird an einen Wissenschaftler oder eine Wissenschaftlerin für herausragende und innovative Leistungen in Lehre, Prüfung, Beratung und Betreuung an Medizinischen Fakultäten verliehen.

Der Medizinische Fakultätentag (MFT) und der Stifterverband schreiben die mit 30.000 Euro dotierte Auszeichnung gemeinsam aus. Sie soll die besondere Bedeutung der Hochschullehre für die Ausbildung des akademischen Nachwuchses sichtbar machen und einen karrierewirksamen Anreiz schaffen, sich in der Hochschullehre zu engagieren und sie über den eigenen Wirkungsbereich hinaus zu fördern. Gleichzeitig soll die Qualität der Lehre als ein zentrales Exzellenzkriterium für Medizinische Fakultäten und Fachbereiche etabliert und als strategisches Ziel des Qualitätsmanagements profiliert werden.

Der Preis wird auf den Gebieten der Human- und Zahnmedizin an eine Wissenschaftlerin oder einen Wissenschaftler für herausragende und innovative Leistungen in Lehre, Prüfung, Beratung und Betreuung an Medizinischen Fakultäten verliehen. Für die Auszeichnung ist neben einer exzellenten Didaktik und Lehrqualität ausschlaggebend, inwieweit die Preisträger über die eigenen Lehrveranstaltungen hinaus Impulse für die Weiterentwicklung der Lehre in der Hochschulmedizin gegeben haben.

 

Preisträger 2017: Stefan Bösner

Foto: privat

Stefan Bösner ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung für Allgemeinmedizin des Fachbereichs Medizin an der Philipps-Universität Marburg. Seit mehr als zehn Jahren steht er für ein breites Angebot an Lehrveranstaltungen. Dabei hat er sich auch durch die Umsetzung zusätzlicher innovativer Lehrangebote wie dem sogenannten Schwerpunktcurriculum "Primärversorgung" einen Namen gemacht. Ziel dieses Curriculums ist es, die medizinische Ausbildung ganz spezifisch im ambulanten Bereich zu stärken – und dies nicht nur in Deutschland, sondern auch international. So werden die Studierenden dazu ermutigt, während ihrer Famulaturen gezielt internationale Erfahrungen zu sammeln. Auch durch seine Aktivitäten im Bereich Global Health trägt Stefan Bösner dazu bei, den eigenen Fachbereich weiterzuentwickeln und darüber hinaus Akzente zu setzen.

Die Jury zeigte sich insgesamt beeindruckt von der Vielfalt und Ausgewogenheit der Lehransätze von Stefan Bösner. Es gelingt ihm exzellent, theoretische und praktische Inhalte miteinander zu verschränken. "Mit Stefan Bösner zeichnen wir einen Mediziner aus, der nicht nur durch seine hohe Fachkompetenz überzeugt, sondern bei der Entwicklung von Lehrinhalten auch aktuelle Bezüge berücksichtigt. Das von ihm initiierte Schwerpunktfach 'Primärversorgung' zeigt eindrücklich, wie es gelingen kann, Studierende für Lehre im ambulanten Umfeld zu begeistern", begründet MFT-Generalsekretär Frank Wissing die Entscheidung der Jury.

Volker Meyer-Guckel, stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbandes, fügt hinzu: "Der Preisträger verkörpert das Bild eines exzellenten, innovativen und kreativen Dozenten mit ausgeprägtem wissenschaftlichem Profil, welches wir als Stifterverband bei der Entwicklung des Ars legendi-Fakultätenpreises immer im Blick hatten."

Foto: MFT/Regina Sablotny
Preisverleihung am 15. Juni 2017 in Würzburg: Prof. Dr. Josef Pfeilschifter (Mitglied des MFT-Präsidiums, li.) Preisträger Prof. Dr. Stefan Bösner (Mi.), Dr. Volker Meyer-Guckel (stellv. Generalsekretär, Stifterverband)

Preisträger 2016

Im Jahr 2016 wurde der Preis zu gleichen Teilen an zwei Hochschullehrer verliehen, die seit langem kontinuierlich ein beeindruckendes, vielfältiges Engagement als Hochschullehrer, Innovatoren, Lehr-Lern-Forscher und Curriculumsentwickler gezeigt haben:

Christoph Nikendei lehrt an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Er weist als leitender Oberarzt im Fach Psychosomatik ein breites Spektrum an methodisch-didaktischen Lehrkompetenzen auf. Er ist Leiter und Dozent zahlreicher von ihm initiierter Lehr- und Tutorenprogramme. Dabei ist die exzellente Qualität seiner Lehraktivitäten ganz wesentlich für den Heidelberger Modellstudiengang "HeiCuMed". Die Schwerpunkte seiner Tätigkeit liegen unter anderem in der Vermittlung kommunikativer und interprofessioneller Fertigkeiten, auf dem Gebiet der medizindidaktischen Qualifizierung, der Stressprävention und der Einbindung internationaler Studierender, wofür er ein entsprechendes Tutorium konzipiert hat. Sowohl die von Christoph Nikendei entwickelten Lehrmodelle und Curricula als auch die Standardisierung von klinischen Fertigkeiten im Rahmen des Projektes Heidelberger Klinische Standards, dessen Leitung er innehat, sind von hohem Innovationsgrad und werden auch fakultätsübergreifend rezipiert. Daneben ist Christoph Nikendei Herausgeber nationaler und internationaler Zeitschriften sowie Autor zahlreicher Artikel in Fachzeitschriften und Fachbüchern.

Thomas Rotthoff ist Facharzt für Innere Medizin und lehrt an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Als Impulsgeber und Visionär war er zunächst maßgeblich an der Konzeption des neuen Modellstudiengangs "Düsseldorfer Curriculum Medizin" beteiligt. Seit dessen Implementierung engagiert sich Thomas Rotthoff in hohem Maße für die kontinuierliche Qualitätsverbesserung des Studiengangs. Dabei legt er den Fokus vor allem auf zwei Aspekte: die Lehr-Lern-Kultur als wesentlichem Schlüssel für ein erfolgreiches Curriculum und die Integration von Theorie und Praxis. Als Leiter des Trainingszentrums für ärztliche Fähigkeiten, dem "Skillslab", gelingt es ihm, diesen praxisnahen Ansatz optimal umzusetzen, indem er Studierende motiviert und sensibilisiert, schon in einem frühen Studienabschnitt eigene Erfahrungen zu sammeln. So haben sie die Möglichkeit, bestmöglich eine klinische Expertise zu entwickeln und frühzeitig in die Rolle des Arztes hineinzuwachsen. Gegenwärtig engagiert sich Thomas Rotthoff zudem für die Überarbeitung und die digitale Aufbereitung der von der Medizinischen Fakultät erstellten StudyGuides, einer Lernunterstützung für Studierende bei der Bearbeitung von speziellen Behandlungsanlässen.

Über die Vergabe des Preises entschied eine Jury aus Experten der Lehre in der Medizin, Studierenden und Fakultätsvertretern. Die Verleihung findet auf dem 77. Ordentlichen Medizinischen Fakultätentag im Rahmen einer Festveranstaltung am 26. Mai 2016 in Würzburg statt.
 

Preisträger 2015

Prof. Dr. Martin Fischer von der Ludwig-Maximilians-Universität München ist in vielerlei Hinsicht ein Vorreiter für die exzellente medizinische Lehre in Deutschland. Er überzeugte die Jury aufgrund seiner vielgestaltigen, über den eigenen Wirkungskreis weit hinausreichenden Bedeutung für die Medizindidaktik. Als interdisziplinär wirkender Hochschullehrer trägt er seit langem systematisch und engagiert zur Etablierung und Weiterentwicklung der Ausbildungsforschung in der Medizin bei. Er wurde 2008 auf den deutschlandweit ersten Lehrstuhl für Medizindidaktik an der Universität Witten/Herdecke berufen und erhielt 2011 einen Ruf an die LMU München auf den Lehrstuhl für Didaktik und Ausbildungsforschung.

Die umfassenden Lehrleistungen von Martin Fischer zeichnen sich stark durch die Vermittlung neuer Lehr- und Lernkompetenzen im Sinne überfachlicher Schlüsselkompetenzen aus. Ferner orientieren sie sich an modernen didaktischen Erkenntnissen, zu denen er selbst forscht und zahlreiche Publikationen veröffentlicht hat. Mit Hilfe einer ganzen Reihe innovativer Lehrkonzepte unterrichtet er Studierende der Human- und Zahnmedizin sowie Lehrende im Rahmen von Dozententrainings und Studierende des postgraduierten interfakultären "Masters of Medical Education", den er selbst 2006 erfolgreich absolvierte. Hier unterstützt Martin Fischer als Modulleiter und Mitglied der Studiengangsleitung die Teilnehmer aus den beteiligten Fakultäten dabei, sich aus der Praxis heraus mit modernen Ausbildungstheorien und Lehrmethoden auseinanderzusetzen und ihrerseits als Multiplikatoren in der medizinischen Ausbildung kompetent aktiv zu werden. Aufgrund seiner übergeordneten Position als Studiendekan ist er auch an fakultätsinternen Prozessen, die zu strukturellen qualitätsverbessernden Maßnahmen der Lehre führen, beteiligt.

Privatdozent Dr. Christoph Brochhausen ist Oberarzt und Lehrbeauftragter für das Fach Pathologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Neben seinen umfassenden, überragenden Lehrleistungen in den verschiedenen Fachsemestern hat Christoph Brochhausen die Jury vor allem mit seinem äußerst originellen Projekt "PATE" beeindruckt, einem Angebot zum virtuellen Mikroskopieren von interessanten anatomisch-pathologischen Schnittpräparaten. Diese innovative und integrative Online-Lernplattform bildet einen wesentlichen Teil seines Lehrkonzepts.

Mit Hilfe des im Internet frei zugänglichen Mikroskops ist es Christoph Brochhausen nicht nur gelungen, Medizinstudierenden ein neues, praxisnahes Verständnis des Fachs Pathologie zu vermitteln. Zugleich erleichtert PATE auch das Erlernen wichtiger pathologischer Strukturen und Morphologien und unterstützt Studierende so bei der Vorbereitung auf Prüfungen und Staatsexamina. Es ist daher bezeichnend, dass Christoph Brochhausen von der Fachschaft seiner Fakultät vorgeschlagen wurde. Die nachhaltige positive Wirkung von PATE, dessen Weiterentwicklung Christoph Brochhausen kontinuierlich und mit großem Eifer vorantreibt, zeigt sich nicht zuletzt am wachsenden Interesse weiterer Kliniken der Universitätsmedizin Mainz, aber auch anderer Universitäten in Deutschland und im internationalen Raum, das Programm in ihre Curricula zu integrieren.

Die Preisträger erhielten ihre Auszeichnung im Rahmen der festlichen Abendveranstaltung auf dem 76. Ordentlichen Medizinischen Fakultätentages am 4. Juni 2015 in Kiel.

Kontakt

Dominique M. Ostrop

ist Programmmanagerin im Bereich '"Programm und Förderung".

T 0201 8401-162
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Dr. Corinne M. Dölling

Wissenschaftliche Referentin 
Medizinischer Fakultätentag der Bundesrepublik Deutschland
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Die Initiatoren danken der Boehringer Ingelheim GmbH, der B. Braun Melsungen AG, der Bayer AG, der Nutricia GmbH und der Janssen-Cilag GmbH für die freundliche Unterstützung des Ars legendi-Fakultätenpreises Medizin.