Der Lehrkräftemangel stellt auch Rheinland-Pfalz weiterhin vor große Herausforderungen: Prognosen zeigen, dass bis 2035 für die Sekundarstufe I und die beruflichen Fachrichtungen nur bis zu 40 Prozent der Lehrkräftestellen besetzt werden können. Darüber hinaus sind Kooperationen mit außerschulischen Partnern bislang wenig systematisch verankert, obwohl sie entscheidend dazu beitragen können, Bildungspotenziale umfassend zu heben. Zudem gibt es auch in Rheinland-Pfalz – trotz einer umfangreichen MINT-Strategie – einen besorgniserregenden Leistungsabfall in den Naturwissenschaften. Dies verdeutlicht den massiven Handlungsdruck.
Die Analyse der Wahlprogramme zeigt: Die Lehrkräftebildung erhält strukturell nicht die bildungspolitische Priorität, die sie aus Sicht des Stifterverbandes haben müsste, um den Lehrkräftebedarf nachhaltig decken zu können. Die durch den Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK) eröffneten Möglichkeiten für Ein-Fach-Lehrkräfte oder duale Lehramtsstudiengänge werden von den Parteien nur zögerlich aufgegriffen. Zwar thematisieren einige Parteien konkrete Ansätze, jedoch bleibt der im Lehrkräftetrichter des Stifterverbandes beschriebene massive Schwund insbesondere zu Studienbeginn in allen Programmen nahezu unbeachtet. Ebenso werden die Risiken durch die ungeregelten Bedingungen für den Einsatz studentischer Vertretungslehrkräfte in den Programmen nicht berücksichtigt.
Beim Thema der Kooperation zwischen Schulen und außerschulischen Partnern zeigt sich ein deutlicher Schwerpunkt auf den Ganztag. Die Parteien heben finanzielle Mittel und Qualitätsentwicklung im Ganztag, sowie punktuelle Kooperationen in Bereichen wie MINT, Sport oder Berufsorientierung hervor. Es mangelt jedoch an einer klaren Strategie, wie Kooperationen curricular verankert und für alle Schüler zugänglich gemacht werden können. Auch die von der KMK vorgeschlagene neue, erweiterte Rolle der Schulaufsicht findet in den Wahlprogrammen keine Beachtung.
Insgesamt zeigt die Analyse der Wahlprogramme: Rheinland-Pfalz verfügt über wertvolle Einzelbausteine, insbesondere bei der digitalen Bildung und MINT-Infrastruktur. Allerdings fehlt es an einer abgestimmten langfristigen Gesamtstrategie und Evaluation bisheriger Maßnahmen. Die Programme enthalten viele Absichtserklärungen. Sie bleiben aber oft vage bei der Frage, wie neue Zielgruppen für den Lehrerberuf erschlossen oder der Schwund im Studium adressiert werden sollen. Um die Qualität schulischer Bildung nachhaltig zu sichern, müssen strukturelle Reformen in der Lehrkräftebildung sowie eine konsequente Einbeziehung außerschulischer Partner eine deutlich stärkere bildungspolitische Priorität erhalten.