Hochschule Trier: 100 Tage

Studierende sollen von Anfang an offensiv dazu ermutigt werden, eigenständig eine starke selbstbewusste Position in ihrem jeweiligen individuellen Verhältnis zur Hochschule zu finden.

Die Hochschule Trier hat schon früh die Notwendigkeit erkannt, zusätzliche Maßnahmen zu etablieren, um die stetig größer werdenden Herausforderungen der Studieneingangsphase (gestiegene Anmeldezahlen und größere Heterogenität in den Bildungsprofilen) zu bewältigen. Die stetige Optimierung im Bemühen, die "Lücke" zwischen der Schule und der Hochschule zu schließen, hat sich bewährt, und so wurden die entsprechenden Strukturen nachhaltig in den Fachbereichen integriert. 

Gleichzeitig wächst die Befürchtung, durch die immer effizienteren Betreuungskonzepte einer weiteren Verschulung des Studiums Vorschub zu leisten. Mit der wachsenden Professionalisierung und Skalierung der Maßnahmen stellt sich immer weniger die Frage nach der Effizienz, als vielmehr eine grundsätzliche Sinnfrage: Wie viel klassische akademische Bildung bleibt von einem Studium in der "gut vorgewärmten Komfortzone"? 

Mit dem Konzept "100 Tage" möchte die Hochschule Trier ganz bewusst einen neuen Weg beschreiten und gemeinsam mit den Studierenden nach Antworten auf diese Fragen suchen – in der Überzeugung, dass eine starke intrinsische Motivation und ein vertrauensvolles Verhältnis zu Hochschule die besten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Studium sind. 

In Politik und Gesellschaft hat es sich durchgesetzt, "den Neuen" die Chance zu geben, sich zu orientieren, Fehler zu machen und aus Rückschlägen zu lernen – um sich schließlich zu bewähren. Es geht darum, sich 100 Tage Zeit zu nehmen, jeden dieser Tage intensiv zu erleben und das eigene Handeln zu reflektieren. 

Die Studierenden im ersten Semester erleben ihre ungewohnte Rolle nicht nur als neue Freiheit und Chance, sondern verspüren im Studienalltag oftmals großen Druck, Überlastung und Stress. Der Grat zwischen anspruchsvoll motivierender Herausforderung und scheinbar unüberwindbarer Hürde wird als schmal empfunden. 

Wie kann eine Hochschule die Einzelnen dabei unterstützen, selbstständig an den neuen Aufgaben zu wachsen? Die Hochschule Trier möchte den Studierenden einen Freiraum schaffen und sie mit den von ihr erdachten crossmedialen Werkzeugen auf ihrem Weg begleiten – ohne sie an die Hand zu nehmen!