Erwin-Schrödinger-Preis: Forschung zwischen den Disziplinen

Der Erwin-Schrödinger-Preis, den der Stifterverband auf Vorschlag der

Helmholtz-Gemeinschaft vergibt, zeichnet wissenschaftliche oder technisch

innovative Leistungen aus, die in Grenzgebieten zwischen verschiedenen

Fächern der Medizin, Natur- und Ingenieurwissenschaften erzielt worden sind.


Vertreter von mindestens zweier Fachrichtungen müssen an den Arbeiten mit-
gewirkt haben. Der Namensgeber des Preises, Erwin Schrödinger (1887 bis
1961) war Physik-Nobelpreisträger, hat aber gleichzeitig die Entwicklung der
Biologie nachhaltig beeinflusst.

Der Preis wird jährlich im Rahmen der Helmholtz-Jahrestagung übergeben und
abwechselnd vom Stifterverband und der Helmholtz-Gemeinschaft mit 50.000
Euro dotiert.


Preisträger 2011:

  • Prof. Vasilis Ntziachristos, Institut für biologische und medizinische Bild-
    gebung am Helmholtz Zentrum München
  • Prof. Gooitzen Michell van Dam, University Medical Center Groningen


Die beidenen Forscher twickelten gemeinsam ein molekulares Bildgebungs-
verfahren, mit dem Tumorzellen erstmals in Echtzeit im Operationssaal mit
einer Fluoreszenzkamera aufgespürt werden können.

Operationen und endoskopische Eingriffe werden bis heute größtenteils vom
menschlichen Auge geleitet. Die Sicht in den Körper ist dabei sehr begrenzt,
denn selbst mit modernen Techniken kann der Chirurg nur in obere Gewebe-
schichten schauen. Sehr kleine, verborgene Tumore bleiben praktisch un-
sichtbar. Dies begrenzte bislang die Eingriffsmöglichkeiten und führte auch
zu einer gewissen Fehlerquote, wie Studien zeigen.

Die neue Technik basiert auf einer Echtzeitkamera, die Fluoreszenz im Ge-
webe erfassen kann. Dadurch lassen sich winzige Tumore im Innern des
Körpers aufspüren, ohne dabei umliegendes Gewebe zu verletzen.

Die grundsätzlichen neuen Erkenntnisse der gemeinsamen Forschungsarbeit
liegen in der klinischen Anwendung. Die Diagnostik kleiner Tumorherde wäh-
rend eines chirurgischen Eingriffs war bislang ohne diese Technik sehr
schwer bis gar nicht möglich. Nun können die Chirurgen schon während der
Operation die Ergebnisse auswerten.

Der Generalsekretär des Stifterverbandes, Prof. Andreas Schlüter, hat den
Preis am 21. September 2011 auf der Jahrestagung der Helmholtz-Gemein-
schaft überreicht.