Friedrich Schmidt-Ott
Vorsitzender des Stifterverbandes 1934-1945
Ohne Friedrich Schmidt-Ott wäre nicht nur die Geschichte des Stifterverbandes, sondern auch des deutschen Wissenschaftswesens insgesamt eine andere. Der in Potsdam geborene Jurist trat 1888 ins preußische Kultusministerium ein, wo man ihn mit Fragen der Wissenschafts- und Hochschulpolitik betraute. Die Gründung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (Vorläufer der Max-Planck-Gesellschaft) im Jahr 1911 zählte zu seinen Verdiensten. 1917 wurde Schmidt-Ott preußischer Kultusminister, musste aber während der Revolution im Jahr darauf zurücktreten.
Doch von der Wissenschaftspolitik hatte er sich nur kurzzeitig verabschiedet.
Zusammen mit dem Chemiker Fritz Haber trieb er 1920 die Gründung der
"Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft" voran – eines Zusammen-
schlusses von Hochschulen und Verbänden, die das Ziel einte, in der schwie-
rigen Zeit nach dem Ersten Weltkrieg dem Wissenschaftsbetrieb wieder auf
die Beine zu helfen. Geld dafür warb der ebenfalls 1920 ins Leben gerufene
"Stifterverband der Notgemeinschaft" bei seinen Mitglieder ein – namhaften
Unternehmen und führenden Industriellen.
Schmidt-Ott, der aus seiner Zeit im Kultusministerium den Spitznamen
"Kunst-Schmidt" behalten hatte, war bestrebt, die Vielfalt der Wissenschaften
zu fördern. Immer wieder musste er den fälschlicherweise erhobenen Verdacht
entkräften, die Geisteswissenschaften einseitig zu bevorzugen. Schmidt-Ott
stemmte sich gleichwohl gegen den Versuch mancher Unternehmen, Mittel
nur in solche Forschungsprojekte zu lenken, die ihnen konkreten Nutzen
versprachen.
Während der 20er-Jahre gelang es Friedrich Schmidt-Ott, mit der "Notge-
meinschaft" eine Förderorganisation aufzubauen, die die beantragten Vor-
haben kompetent begutachtete und die Wirtschaftsspenden in die richtigen
Kanäle leitete. 1934 wurde er zwar auf Weisung Hitlers als Präsident der aus
der Notgemeinschaft hervorgegangenen Deutschen Forschungsgemeinschaft
abgesetzt, übernahm jedoch 1935 den Vorsitz des Stifterverbandes. In den
folgenden Jahren versuchte er, soviel wie möglich des von ihm mitaufgebau-
ten Fördersystems zu retten. Doch verhindern konnte er nicht, dass der
Stifterverband zunehmend mittellos in die Bedeutungslosigkeit versank.
Formell bestand der Verband bis Kriegsende fort, hatte seit 1942 aber in
der "Fördergemeinschaft der deutschen Industrie" eine starke wie regime-
treue Konkurrenz vorgesetzt bekommen.