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Geschichte des Stifterverbandes

Seit fast 100 Jahren ist der Stifter­verband einer der Pfeiler der Wissenschafts­förderung in Deutschland.

Geboren aus der Not

Die Geschichte des Stifterverbandes beginnt in der frühen Weimarer Republik, als das Wissenschaftssystem unter materieller Not litt. In dieser Situation fanden sich im Herbst 1920 führende Wissenschaftler und Industrielle zusammen. Sie riefen eine "Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft" ins Leben, um die Interessen der Wissenschaft gegenüber dem Staat zu bündeln. Kurz darauf entstand der "Stifterverband der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft" mit dem Ziel, in den "Erwerbsständen" Geld für Forschung und Lehre zu beschaffen.

Dieser Ansatz – Wirtschaft fördert Wissenschaft – wurde bei der Neugründung des Stifterverbandes nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgegriffen. Dabei spielte der Stifterverband eine wesentliche Rolle bei der Gestaltung der Wissenschaftsförderlandschaft in der Bundesrepublik. Als unabhängige, selbstverwaltete Institution erwarb er sich den Ruf einer in Politik und Wissenschaft anerkannten Instanz.

Seit Ende der 1960er-Jahre initiiert der Stifterverband verstärkt eigene Förderprogramme, um Impulse für die Weiterentwicklung des Wissenschaftssystems zu geben. Die Förderung bürgerschaftlichen Engagements im Bereich der Stiftungen und die Auswertung statistischer Daten zum Wissenschaftssektor waren bereits in den 1950er-Jahren als weitere Standbeine hinzugekommen. 

Creative Commons Zero (CC0)
Der Stifterverband wurde 1920 in Berlin gegründet

Chronik des Stifterverbandes

1920-1945: Von der Notgemeinschaft zum ersten Stifterverband

1920
Gründung einer "Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft" durch den Chemiker Fritz Haber und den ehemaligen preußischen Kultusminister Friedrich Schmidt-Ott. Das Ziel: die Interessen der Wissenschaft gegenüber dem Staat durch eine private, selbstverwaltete Organisation zu bündeln.

Gründung des "Stifterverbandes der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft" unter Vorsitz von Carl Friedrich von Siemens zum Einsammeln von Spenden aus der Wirtschaft zur Ergänzung der staatlichen Förderung der Wissenschaft.
 

1934
Carl Duisberg übernimmt den Vorsitz des Stifterverbandes bis zu seinem Tod im darauffolgenden Jahr. Die Organisation rückt zwar verbal in die Nähe der neuen Machthaber, kann aber ihre Förderpolitik im wesentlichen unbehelligt fortsetzen.
 

1935
Friedrich Schmidt-Ott übernimmt den Vorsitz des Stifterverbandes, der in den folgenden Jahren zwar seine Fördertätigkeit fortsetzt, aber an Bedeutung und Einfluss deutlich verliert.
 

1942
Gründung der "Fördergemeinschaft der Deutschen Industrie", die als bewusste Konkurrenz zum Stifterverband mit erheblich größeren Mitteln ausgestattet wird.
 

1945
Bei Kriegsende ist der ursprüngliche Stifterverband formell noch existent. Offiziell wird er erst 1955 aus dem Vereinsregister gelöscht.

1948-1964: Neubeginn und Etablierung in der Nachkriegszeit

1948
Erste Überlegungen für einen "Bildungsfonds" der deutschen Industrie. Ein Kreis von Industriellen rund um Richard Merton (Metallgesellschaft) trifft sich, um die Neugründung des Stifterverbandes vorzubereiten.
 

1949
Gründung des Stifterverbandes als "Gesellschaft zur Förderung von Forschung und Lehre" in enger Anbindung an die (neue) "Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft". Die Gründungsphase wird von Auseinandersetzungen um die Frage geprägt, welchen Einfluss Politik bzw. Wirtschaft auf die Wissenschaftsförderung geltend machen können. Mit dem Deutschen Forschungsrat entsteht fast zeitgleich eine regierungsnahe Konkurrenzorganisation.
 

1951
Der Deutsche Forschungsrat und die Notgemeinschaft schließen sich zur Deutschen Forschungsgemeinschaft zusammen. Bis Mitte der 1950er-Jahre schwelt aber der Konflikt um den Zugriff auf die Industriespenden und die Abgrenzung der Interessen gegenüber den anderen Wissenschaftsförderorganisationen wie Max-Planck- bzw. Fraunhofer-Gesellschaft.
 

1955
Ernst H. Vits (Vereinigte Glanzstoff Fabriken) wird neuer Vorstandsvorsitzender. In der Neuausrichtung der bundesdeutschen Wissenschaftslandschaft hat der Stifterverband eine prägende Rolle gespielt.
 

1956
Aufnahme der Stiftungsverwaltung Beginn des Gesprächskreises "Wirtschaft und Wissenschaft" als prominent besetztes Forum zu wichtigen wissenschafts- und bildungspolitischen Themen (Vorläufer der Villa-Hügel-Gespräche).
 

1964
Gründung des ersten Landeskuratoriums in Baden-Württemberg, das den Stifterverband in seiner Arbeit beratend begleiten soll.

1967-1985: Der Stifterverband setzt neue programmatische Akzente

1967
Der Stifterverband beschließt, eigene Schwerpunktprogramme zur Strukturverbesserung der Wissenschaft aufzulegen.
 

1970
Hellmut Ley (Metallgesellschaft) wird Vorstandsvorsitzender des Stifterverbandes.
 

1974
Hans-Helmut Kuhnke (Ruhrkohle) wird Vorstandsvorsitzender des Stifterverbandes.
 

1976
Eröffnung des vom Stifterverband errichteten Wissenschaftszentrums Bonn als Ort des Dialogs: Das WZ dient zum einen als Veranstaltungsort, zum anderen sind die Wissenschaftsorganisationen mit eigenen Verbindungsbüros dort präsent.
 

1980
Klaus Liesen (Ruhrgas) wird Vorstandsvorsitzender des Stifterverbandes. Gründung des Historischen Kollegs in München (gemeinsam mit der Deutschen Bank) als Einrichtung zur Förderung von Spitzenforschung.
 

1985
Einrichtung des Programms "Stiftungsprofessuren", das bis heute fortgeführt wird. Die Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft prägt die Programmarbeit des Stifterverbandes.

1993 bis heute: Gründung des DSZ, Aufbau des Hauptstadtbüros, neue Schwerpunkte

1993
Karlheinz Kaske wird Vorstandsvorsitzender des Stifterverbandes.
 

1996
Das Hauptaugenmerk in der Programmarbeit liegt in der Reform des Hochschulwesens u.a. mit dem Programm "ReformUniversitäten" und der Entwicklung eines Modells zur Einführung von Studiengebühren.
 

1997
Zum ersten Mal wird der Deutsche Zukunftspreis mit Unterstützung durch den Stifterverband verliehen.
 

1998
Arend Oetker wird Vorstandsvorsitzender (2000 bis 2013: Präsident des Stifterverbandes). Gründung der Deutschen StiftungsAkademie gemeinsam mit dem Bundesverband Deutscher Stiftungen Erster Wissenschaftspreis des Stifterverbandes.
 

1999
Einrichtung des Programms "PUSH", das den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft fördert
 

2002
Das Deutsche Stiftungszentrum (DSZ) nimmt seine Arbeit als Nachfolger der Stiftungsverwaltung GmbH im Stifterverband auf.
 

2005
Der Stifterverband startet den Wettbewerb "Stadt der Wissenschaft". Gesucht ist das beste Konzept der Vernetzung zwischen Wissenschaft, Unternehmen und Kommune. Bis 2012 tragen insgesamt sieben Städte den Titel.
 

2006
Jahresthema des Stifterverbandes: Austausch zwischen Wirtschaft und Wissenschaft
 

2007
Der Stifterverband richtet sein Hauptstadtbüro in Berlin ein, um den Austausch mit der Politik und die Netzwerkarbeit zu intensivieren.
Zum Jahr der Geisteswissenschaften trägt der Stifterverband u.a. das Programm "PUSH in den Geisteswissenschaften". Es hat das Ziel, den Dialog zwischen den Forschern und der Öffentlichkeit anzuregen.
 

2009
Start des Wettbewerbs exzellente Lehre, um die Hochschullehre aus dem Schatten der Forschung zu holen
 

2010
Beginn des Wettbewerbs "Hochschulperle", die für wenig bekannte Projekte und Initiativen aus dem akademischen Bereich Öffentlichkeit schafft
Neustart von Bildung & Begabung als vom Stifterverband und Bundesbildungsministerium getragenes Zentrum für Begabungsförderung
Der Stifterverband startet seinen Bildungskanal auf YouTube mit Video-Interviews.
 

2011
Start des Servicezentrums Deutschlandstipendium. 
Der Stifterverband bezieht einen neuen Standort in der Essener Innenstadt auf dem Evonik-Campus.
Das Deutsche Stiftungszentrum übernimmt die Macenata Management GmbH mit Büros in München und Berlin.
Die Zahl der vom DSZ betreuten Stiftungen erreicht die 500er-Marke.
 

2013
Start der Bildungsinitiative, die in sechs Feldern quantitative Bildungsziele für den Hochschulbereich im Jahr 2020 formuliert
Erste Ausgabe des Bildungsmagazins CARTA 2020 und des Hochschul-Bildungs-Reports
Andreas Barner wird Präsident des Stifterverbandes.