Rudolf-Kaiser-Preis geht an Rupert Huber

Nachwuchsgruppenleiter im Centrum für Angewandte Photonik der Universität Konstanz mit hochdotiertem Wissenschaftspreis ausgezeichnet.


Der Rudolf-Kaiser-Preis wird jährlich an einen herausragenden deutschen Nachwuchswissenschaftler in der Experimentalphysik verliehen. Mit 35.000 Euro ist er einer der höchstdotierten Nachwuchspreise im Bereich der gesamten Naturwissenschaften. Rupert Huber wird damit für seine Beiträge zur Physik auf ultrakurzen Zeitskalen ausgezeichnet. Mit hochintensiven einzelnen Lichtschwingungen im infraroten und Terahertz-Frequenzbereich gelang es dem Team um den Preisträger, fundamental neue Einblicke in die mikroskopische Dynamik von Elektronen und Ionen in Festkörpern zu gewinnen. Die Ergebnisse sind für die Grundlagenphysik ebenso wichtig wie für Anwendungen in der Elektronik und Informationsverarbeitung der Zukunft.

Mit einem Hochbegabten-Stipendium des Freistaats Bayern absolvierte Rupert Huber sein Physikstudium in München, Berkeley und Hongkong. 2004 promovierte er am Lehrstuhl von Alfred Laubereau an der Technischen Universität München, um anschließend als Humboldt-Stipendiat am Lawrence Berkeley National Laboratory, USA, in der Gruppe von Daniel Chemla zu forschen. Seit 2007 leitet Rupert Huber eine Emmy Noether-Nachwuchsgruppe in enger Kooperation mit dem Lehrstuhl für Moderne Optik und Quantenelektronik von Alfred Leitenstorfer am Fachbereich Physik der Universität Konstanz.

Das Hauptaugenmerk der Forschungsarbeiten von Rupert Huber richtet sich auf extrem schnelle elementare Vorgänge in Festkörpern. Dazu zählen etwa die Bewegung von Elektronen in modernen Halbleiter-Bauelementen, die Wechselwirkung von Licht und Materie oder die mikroskopischen Mechanismen, die zur Supraleitung spezieller Oxide führen. Die zu Grunde liegenden Prozesse laufen auf der Zeitskala von Femtosekunden ab, dem millionsten Teil einer milliardstel Sekunde. Rupert Huber und sein Team entwickelten zunächst neuartige Laser, die Lichtblitze von der Dauer einer einzigen Lichtschwingung erzeugen. Das Besondere ist, dass die Farbe des Lichts im schwer zugänglichen langwelligen Infrarot liegt, dem sogenannten Terahertz-Bereich.

Die Konstanzer Terahertz-Laser halten aktuelle Weltrekorde für kürzeste Impulsdauern und höchste Intensitäten, die derzeit selbst Großforschungsanlagen übertreffen. Diese Lichtblitze lassen sich wie ein Stroboskop einsetzen: Superschnelle Vorgänge können in eine Folge von Schnappschüssen zerlegt und anschließend zu einem extremen Zeitlupenfilm zusammengesetzt werden. Gemeinsam mit Kooperationspartnern aus Deutschland, Italien, Frankreich und den USA konnte der Preisträger niederenergetische Elementaranregungen wie quantisierte Schwingungen des Kristallgitters, elektronische Resonanzen oder kollektive Spinwellen mit unübertroffener Zeitauflösung beobachten und sogar gezielt kontrollieren. Einen Höhepunkt erreichten diese Experimente, als die Gruppe jüngst maßgeschneiderte Nanostrukturen entwickelte, die es erlauben, Licht-Materie-Wechselwirkung auf der Zeitskala kürzer als eine einzige Lichtschwingung gezielt zu manipulieren. Die Ergebnisse stellen die moderne Quantenoptik auf den Prüfstand, tragen zu einem verbesserten Verständnis der Festkörperphysik bei und eröffnen neue Möglichkeiten für superschnelle optische Schalter.

Die Rudolf-Kaiser-Stiftung im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft vergibt den Rudolf-Kaiser-Preis zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses auf dem Gebiet der Experimentalphysik. Die Stiftung wurde 1987 durch Rudolf Kaiser errichtet. Der 1923 in Nürnberg geborene Stifter war mehrere Jahre Vorsitzender Richter am Bundespatentgericht, 1979 habilitierte er im Bereich der Experimentalphysik an der TU München und widmete sich der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

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