Stifterverband für Nationale Bildungsstiftung

Stifterverbandspräsident Arend Oetker hat sich auf der Konferenz "Mehr Ehre für die Lehre" für den Aufbau einer Nationalen Bildungsstiftung ausgesprochen: "Das Thema gehört weiter auf die politische Agenda." Die Stiftung könne eine Bildungspolitik aus einem Guss ermöglichen und zusätzliches privates Stiftungskapital mobilisieren.


11. November 2008

Das Statement im Wortlaut:

I. Exzellenzinitiative für die Lehre

Die Lehre und die Ausbildung der Studierenden für den Beruf ist neben der Forschung die eigentliche Kernaufgabe der Hochschulen. Gleichwohl verstehen sich die Universitäten primär als Forschungs- und erst in zweiter Linie als Ausbildungseinrichtungen. Im Hochschulalltag steht die Lehre dadurch im Schatten der Forschung.

Hinzu kommt: Die Unterfinanzierung des Hochschulsystems in Deutschland wirkt sich vor allem zu Lasten der Lehre aus. Die durchschnittlichen staatlichen Ausgaben je Student in Deutschland liegen immer noch unter dem OECD-Durchschnitt. Während es ein umfassendes und etabliertes System der Forschungsförderung gibt, fehlt es an einer entsprechenden Förderung innovativer Lehrvorhaben und begleitender Ausbildungsforschung.

Der Stifterverband will die Lehre nun aus ihrem Schattendasein holen. Mit einem Förderprogramm "Exzellente Lehre" wollen wir dazu beitragen, den Stellenwert der Lehre an den deutschen Hochschulen zu erhöhen und ihre Qualität nachhaltig zu steigern. Ziel ist es, im deutschen Hochschulsystem langfristig eine Lehrkultur zu etablieren, die grundsätzlich denselben Qualitätsansprüchen genügt und einer ähnlichen Entwicklungsdynamik verpflichtet ist wie die Forschung.

Wir sind guter Dinge, dieses Ziel zu erreichen. Das Problembewusstsein in Hochschulen und Politik ist gewachsen.

Wir werden das Thema Lehre in den kommenden Jahren deutlich in den Mittelpunkt unserer programmatischen Arbeit rücken. Herzstück der Initiative ist der „Wettbewerb exzellente Lehre“, den wir in Public Private Partnership gemeinsam mit der Kultusministerkonferenz durchführen. Dabei geht es um die besten Zukunftsstrategien der Hochschulen für Lehre und Studium. Der Wettbewerb soll Universitäten und Fachhochschulen dabei unterstützen, ihr internationales Renommee als Ausbildungsstätte maßgeblich zu steigern.

Der Wettbewerb wird Ende des Jahres 2008 ausgeschrieben. Er richtet sich an alle staatlichen Hochschulen. Um den Besonderheiten der verschiedenen Hochschultypen Rechnung zu tragen, werden für Universitäten (und gleichgestellte Hochschulen) und Fachhochschulen jeweils gesonderte Wettbewerbslinien mit eigener Auswahlkommission aufgelegt.

Die ersten Mittel sollen in der zweiten Jahreshälfte 2009 fließen.


II. Nationale Bildungsstiftung

Der Stifterverband setzt sich für den Aufbau einer Nationalen Bildungsstiftung ein. Das Thema gehört weiter auf die politische Agenda. Ich finde es außerordentlich bedauerlich, dass sich Bund und Länder auf dem Dresdner Bildungsgipfel nicht auf eine solche Stiftung verständigen konnten, obwohl die Überlegungen und Verhandlungen weit gediehen waren.

Eine nationale Bildungsstiftung hätte viele Vorteile. Mit staatlichem Kapital gestartet, würde sie bald weiteres privates Geld anziehen. Ihre Arbeit wäre unabhängig von politischen Wechselfällen. Die Stiftung könnte Impulse für die Qualitätsentwicklung des Bildungssystems von der frühkindlichen Bildung über die allgemeinbildenden Schulen, die Berufsbildung und die Hochschulbildung bis zur Weiterbildung geben.

Sie würde damit alle Glieder der Bildungskette miteinander verbinden und Bildungspolitik aus einem Guss ermöglichen – was die unsystematisch verteilten Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern bisher erschweren.