Web-Umfrage:
Zwangsexmatrikulation in Köln
Die Universität Köln hat nach einer mehrjährigen Übergangszeit die letzten Diplom- und Magisterstudiengänge
eingestellt. Sie hat jetzt 32 Langzeitstudenten zwangsexmatrikuliert, die noch in einem der alten Studiengänge
steckten.
Weiterführende Informationen:
- Volle Härte contra harte Fälle (Spiegel online)
- E-Petition zur Unterstützung der zwangsexmatrikulierten Studierenden
- Alt-Studenten an den Unis fliegen raus (Der Westen)
- Zwangsexmatrikulation: Unis werfen Tausende Studenten raus (Spiegel Online)
- Massenrauswurf an der Uni Köln: Plötzlich war's vorbei (Spiegel Online)
- Exmatrikulations-Blog: Studierende unterstützen statt rauswerfen
- Wer nicht schnell studiert, fliegt (Telepolis)
- AStA der Universität Köln: 32 Zwangsexmatrikulationen – AStA ist solidarisch
- Bachelorumstellung: Eine aussterbende Spezies (Kölner Stadt-Anzeiger)
Karin Gavin-Kramer schrieb am 2011-08-26 10:25:46
Was soll der Unsinn? Die Fragen sind dümmlich gestellt und platt formuliert. Derartiges wirkt unseriös, was auf den Fragesteller abfärbt. Der Stifterverband tut mit einer solch Aktionen weder sich noch der Gesellschaft einen Gefallen.
Wunder Mich schrieb am 2011-08-26 12:37:26
Studiengänge eingestellt? Nicht nur die Frage scheint dümmlich zu sein ... denn es geht aktuell doch eigentlich (nur) ums Vordiplom ... so zumindest der verlinkte Spiegelartikel ... in diesem Sinne also: Hut ab vor der Recherchegüte des Stifterverbands ... oder stehe ich auf dem Schlauch und verstehe es nicht?
Patrick Luzina schrieb am 2011-08-26 16:12:51
Es wird oft von mehr gesellschaftlichen und politischen Engagement gesprochen, und das durch viele Parteien hinweg. Warum werden dann Studierende dich sich engagieren zwangsexmatrikuliert? Hier stimmt etwas gewaltig nicht mehr, das eine Fordern und im anderen Moment bestrafen, wie sollten die engagierten Studierenden das auch anders verstehen können, außer das Sie für Ihr Gesellschaft politisches Engagement nun bestraft werden.
Hans schrieb am 2011-08-26 17:02:02
Das ist die typisch kölnerische Anti-Intellektuellen-Haltung
Erik Marquardt schrieb am 2011-08-26 17:57:51
Die Fragen sind schon sehr suggestiv und trotzdem ist die Mehrheit gegen den Rauswurf. Wir der Stifterverband jetzt Druck machen, damit die erforderlichen Schritte eingeleitet werden, oder passt das Ergebnis nicht ins Leitbild?
Martina schrieb am 2011-08-27 14:11:10
Eine unglaubliche Arroganz von Seiten der Universitätsleitung! Diese StudentInnen haben fast immer prekäre soziale Hintergründe, wie z.B. Kinder zu erziehen, Alter über 30 was keine BÄFÖG Unterstützung bedeutet und müssen mindestens 18 Stunden die Woche Arbeiten, schlicht um zu überleben! Darüberhinaus denke ich das in Deutschland Ingenieure fehlen. Und die Universitätsleitung beraubt diese Menschen ihrer Zukunft, einer Zukunft ohne Akademischen Abschluss, in der sie ihr bisher erworbenes Wissen nicht mehr produktiv für die Deutsche Volkswirtschaft einsetzen können!
Frank Stäudner schrieb am 2011-08-27 18:25:43
Liebe Kommentatorinnen und Kommentatoren, ich bedanke ich für Ihre Meinungsbekundungen und bekenne: Die Idee zu diesem Voting ist von mir. Daher hätte mich sehr interessiert, warum die Frage und die Antwortoptionen "dümmlich" und "platt" sein sollen. Leider blieben die Argumente dazu bisher aus. Mir ist schon klar, dass sich komplexe Fragen der Hochschulreform nur selten auf einfache Ja-Nein-Weiß-nicht-Alternativen verdichten lassen. Deshalb bietet der Stifterverband bei diesem Voting erstmals die Möglichkeit an, Kommentare zu hinterlassen. Ich frage die Kritiker: Wie hätten Frage und Antwortmöglichkeiten denn lauten sollen? Was die Sache selbst angeht, hat der Stifterverband die Bolgna-Reform immer unterstützt. Wir kennen viele Beispiele von neuen Studiengängen, bei denen die Reformchance genutzt wurde und Studiendauer wie Abbrecherquoten stark gesunken sind. Sie finden bei uns mehr Bolognafans als -gegner. Hier noch ein Argument für ein "Ja". Das Studium hat nach meinem Dafürhalten sehr viel damit zu tun, zu lernen, wie man sich selbstständig in neue Wissensgebiete einarbeitet. Da ist es für mich nicht zu viel verlangt, sich mit den Rahmenbedingungen des eigenen Studiums und den Konsequenzen aus einer großen Reform zu beschäftigen. Diejenigen, die jetzt vom Rauswurf überrascht worden sind, können sich daher schlecht auf Unkenntnis berufen. Wenn, dann war es eine selbst verschuldete Unmündigkeit - meint der Kommunikationschef des Stifterverbandes.
Schneppes schrieb am 2011-08-28 11:32:10
Sehr geehrter Herr Stäudner, wenn sie sich auch nur annähernd mit dem Fall auseinandergesetzt hätten, hätten Sie gemerkt, dass sich Herr Weber sehe wohl mit der Situation seines auslaufenden Studiengangs auseinandergesetzt hat. Leider hat er sich dabei auf Gesetze und Ordnungen verlassen die der Diplomprüfungsausschuß für den Studiengang Physik vollkommen ignoriert. Neben dem Hoschulrahmengesetz schreibt auch das Hoschschzlgesetz NRW den Hochschulen vor, dass Hochschulmitglieder die sich in der akademischen oder studentischen Selbstverwaltung engagieren keinen Nachteilen unterliegen dürfen. Diverse Bundesgerichte haben in diesem Zusammenhang geurteilt, dass sich die aus diesem Engagement bedingte Studienzeitverlängerung bis zu 3 Semester angerechnet werden muss. Die Auslaufordnung des Diplomstudiengangs sieht ebenfalls vor, dass Studierende auf Antrag und bei vorliegen gesetzlicher Schutzbestimmungen vom Prüfungsausschuss zusätzliche Studienzeit zugebilligt werden muss. Daran hat sich die Uni Köln nicht gehalten. Die Zwangsexmatrikulation ist nicht nur materiell rechtswidrig, sondern auch formal rechtswidrig, da der Prüfungsausschuss es noch nicht einmal geschafft hat seine eigene Auslaufordnung zu lesen und die Entscheidung über Härtefallanträge illegalerweise auf den Ausschussvorsitzenden übertragen hat. All das hat überhaupt nix mit Bologna zu tun. Es geht einzig darum, dass sich auch eine Universität zu Köln an Gesetze und Ordnungen zu halten hat. Denn nur transparente und klare Regelungen ermöglichen es den Studierenden ihr Studium ordnungsgemäß abzuschließen. Herr Weber hat sich an die vom Gesetzgeber und von der Universität kommunizierten Regeln gehalten und soll nun ohne Studienabschluss von der Uni vor die Tür gesetzt werden, finden Sie das richtig?
Wunder Mich schrieb am 2011-08-28 12:55:22
Lieber Herr Stäudner, nun denn, ein paar Erklärungsansätze: (1) Ihr Einleitungstext spricht davon, es seien die letzten Studiengänge eingestellt - laut Spiegel-Artikel werden die Studiengänge als solche 2015 eingestellt, aktuell handelt es sich um die Frist für Vordiplomsprüfungen. Diese Unschärfe als solche erscheint mir an dieser Stelle bereits fragwürdig. Und: unseriös. (2) Viel mehr, als dass "nur" 32 Studis nicht in der Lage waren, ihr Studium entsprechend abzuschließen, liefern Sie nicht an konkreten Informationen. Trotz Verweis auf den Spiegel-Artikel: unseriös. (3) Antwortoption "Ja" lässt so nicht erkennen, was dazu geführt hat, dass jemand nach 16 Semestern sein Vordiplom noch nicht haben könnte - sondern legt nahe, dass es sich um einen unwilligen oder dummen Bummelstudi handelt. (4) Antwortoption "Nein" eröffnet zwar immerhin ein gewisses Maß an Differenziertheit, dass sich auch 16 Semester begründen lassen - allerdings findet eine Einschränkung auf eben solche Fälle statt, die ein Studium außerhalb der Regelstudienzeit als "legitim" erscheinen lassen. (5) Zurück zu den 16 Semester bis zum Vordiplom: Laut Spiegel-Artikel fehlt im konkreten Fall neben einem Vordiplomschein lediglich noch einer (!) des Hauptstudiums. Denkbar ist also ein Abschluss nach 18 Semestern - vermutlich nahe dran an der durchschnittlichen Studienzeit. In diesem Sinne berücksichtig die Fragestellung die Studiumsrealität nicht (häufige Gleichzeitigkeit von auf dem Papier linear gestrickten Studienplänen). (6) Anders als bei früheren Studiengangsreformen, die ja auch ein Auslaufen von Studien- und Prüfungsordnungen vorsahen, ergibt sich heute eben nicht die Situation, aus einem alten in einen neuen Diplomstudiengang zu wechseln - sondern vorliegend aus dem fast beendeten Diplomstudiengang in einen Bachelorstudiengang. Wobei spannend sein wird, was denn von den Diplomleistungen für den Bachelorstudiengang angerechnet wird.
Wunder Mich schrieb am 2011-08-28 13:10:11
(Fortsetzung) Sie machen die Verknüpfung mit "Bologna" auf: Ihr Hinweis "Wir kennen viele Beispiele von neuen Studiengängen, bei denen die Reformchance genutzt wurde und Studiendauer wie Abbrecherquoten stark gesunken sind." mag quantitativ die Situation zutreffend beschreiben - verkennt aber vollkommen die qualitative Dimension und lässt den Preis, den die Beteiligten zu zahlen haben, vollkommen unberücksichtigt. Schauen Sie sich mal die gehetzte und kaputte Bachelor-Studierendengeneration an. Mit einem Vollzeitstudium, das das Stundenvolumen eines Vollzeitarbeitnehmers vorsieht - dabei für den Studienplan zwar von einer gleichmäßigen Verteilung der Arbeitsaufwandes ausgeht, dies aber seltenst realisiert (und die Akkreditierungsagenturen hinsichtlich des Aspekts Studierbarkeit weiterhin versagen). Was ist mit all denjenigen, die ihr soziales, hochschul- und gesellschaftspolitisches Engagement aufgeben? Das alles hat aber nix mit Studiengängen in Bachelor-Master-Struktur an sich zu tun, sondern mit dem Geist, der mit dieser Reform verknüpft ist. Ein Geist, der Studiendauer als Qualitätsmerkmal versteht und den Wechsel eines Studienfaches als Makel. Und direkt gegen das "ökonomische Argument": Was nutzen all die schönen gezählten Bachelorabschlüsse in Regelstudienzeit, wenn ihre Inhaber/innen nix damit anfangen? Oder unglücklich diesen Pfad weitergehen? Diese langfristigen Kosten für die Wirtschaft sind noch gar nicht absehbar. Ach ja - wo im Bachelorstudium, das doch bitte schön nach Regelstudienplan und in Regelstudienzeit abgeschlossen werden möge (denn dann zahlt die Politik die lukrative Erfolgsprämie) eröffnet sich denn die Option, sich selbstständig in neue Wissensgebiete einzuarbeiten? (Richtig - vieles in den alten Studiengängen war schlichtweg nicht tolerierbar, und es wäre sinnvoll gewesen, die Großreform Bachelor-Master zu nutzen, all die organistaorischen und inhaltlichen Missstände zu beheben. Der Geist ist aber eben leider ein anderer gewesen.)
JoeKa schrieb am 2011-08-31 07:55:19
Sehr geehrter Herr Staeudner, eine Formulierung wie die folgende: "Ja. Wer in 16 Semestern sein Physikvordiplom nicht schafft, soll besser etwas anderes machen." ist nun mal eine abgedroschen Phrase, die sicherlich plakativ wirkt, aber in die Richtung fauler Student deutet. Man kann diese Formulierung sicherlich als Platt bezeichnen. Es leitet den Leser an, zu sagen, dass was andere in einer deutlich kuerzeren Zeit schaffen, kann doch nicht so schwer sein, dass es der halbwegs geeignete Kandidat nicht innerhalb von 4-6 Semestern schaffen kann. Allerdings mag es tatsaechlich Gruende geben, die dazu fuehren, dass man etwas laenger braucht, die mit dieser Formulierung einfach nicht mehr in das Gesichtfeld des Lesers ruecken. Daher lasse ich es durchaus gelten, dass diese Formulierung als Platt bezeichnet wird. Ich moechte allerdings auch nicht verleugnen, dass ich durchaus der Meinung bin, dass Studienzeiten vom 20 - 30 Semestern meiner persoenlichen Meinung nach nicht vorkommen duerfen, da das spaetere Arbeitsleben von Effizienz gepraegt sein muss und nicht von einer Einstellung: Gut Ding braucht Weile... Aber etwas weniger palkative Phrasen haetten dieser Umfrage gut zu Gesicht gestanden.
joeKa schrieb am 2011-08-31 08:07:00
@ Wunder Mich Zitat: verkennt aber vollkommen die qualitative Dimension und lässt den Preis, den die Beteiligten zu zahlen haben, vollkommen unberücksichtigt. Schauen Sie sich mal die gehetzte und kaputte Bachelor-Studierendengeneration an. Mit einem Vollzeitstudium, das das Stundenvolumen eines Vollzeitarbeitnehmers vorsieht - dabei für den Studienplan zwar von einer gleichmäßigen Verteilung der Arbeitsaufwandes ausgeht, dies aber seltenst realisiert (und die Akkreditierungsagenturen hinsichtlich des Aspekts Studierbarkeit weiterhin versagen). Was ist mit all denjenigen, die ihr soziales, hochschul- und gesellschaftspolitisches Engagement aufgeben? Antwort: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,757116,00.html Kaum Unterschiede zwischen Bachelor und Diplom Bachelorstudenten klagen über vollgestopfte Lehrpläne und zu viel Stress. Jetzt zeigt eine Studie: Sie investieren pro Woche gerade Mal eine Stunde mehr in ihr Studium und ihre Nebenjobs als Kommilitonen aus Diplom- und Magisterstudiengängen.
Richard schrieb am 2011-08-31 08:39:31
Hi, ich finde es völlig korrekt, dass Dauerstudenten jetzt zwangsexmatrikuliert werden. Gerade in diesem Jahr gibt es durch den doppelten Abi-Jahrgang und das Aus für Wehrpflicht/Zivildienst doch besonders viele Neuzugänge an den Unis. Da ist es nur fair, wenn man für die Neuen Platz macht. Würden die Uni das nicht tun, würden sich die Studentenvertretungen, die jetzt schreien, wieder über volle Höhrsääle und die schlechte Qualität der Lehre beschweren. Mir kann niemand erzählen, dass er sich so sehr in sozialen Projekten engagiert, dass er 16 Semester fürs Vordiplom (!) braucht. Nein, wer jetzt noch nicht fertig ist, ist einfach zu faul oder hat kein Interesse, das Studium abzuschließen. Die Umstellung der Studiengänge war vor Jahren. Jeder, der sich ernsthaft mit seinem Studium befasst, hätte wissen müssen, dass die Uhr für alte Studiengänge tickt und das entsprechend eingeplant. Also hört jetzt auf zu jammern!
Norman schrieb am 2011-08-31 09:00:01
@ frank der kommentar bzgl deines votings war nicht von mir, bin aber der selben Meinung. Du machst aus einem echt komplexen Thema eine einzelne plakative Frage die man mit ja/nein beantworten soll. Wenn du dich mit Thema ernsthaft beschäftigen willst differenziere.
Klaus Dieter schrieb am 2011-08-31 09:03:32
Das Studium ist eine Maßnahme der Qualifizierung, wie auch Lehrausbildung u.a. Also erhebt sich die Frage, mit welchem Recht ich eigenhändig die Studienzeit bis ins Uferlose ausdehnen kann. die Gründe , die in einigen Kommentaren angeführt wurden, entbehren jeglicher Realität. Sie kostet nebenbei auch das Geld der Steuerzahler und nicht des "Staates". Und so ist es leicht zu verstehen, dass die Verärgerung über die "alten Herren im Studentenrock" stets zunimmt. Es ist an der Zeit , die Studienzeit exakt einzuhalten, bzw. die Möglichkeit der Wiederholung von 1-2 Semestern zu gestatten. Wer das nicht schafft darf gehen. In der DDR wurde auch studiert, die festgelegten Studienzeiten wurden eingehalten. Ich hatte die Möglichkeit mein Studium sogar ein Semester vorzeitig zu beenden, obwohl ich mit gesellschaftlichen Aufgaben an der Uni bis zur Halskrause eingedeckt war.
Frank Stäudner schrieb am 2011-08-31 09:57:30
Der Journalist Armin Himmelrath hat heute (31.8.) bei Spiegel online noch einmal über die Zwangsexmatrikulationen in Köln berichtet. Dabei erfährt man, dass es Rauswürfe von Langzeitstudenten auch an anderen Unis gab und gibt. Vorschnelle Empörung erscheint aber nicht angebracht, denn in allen Fällen gab es lange Übergangsfristen. Und die Mehrzahl der Betroffenen hat rechtzeitig die Chancen genutzt, mit den alten Scheinen in die neuen Bachelor-/Master-Studiengänge zu wechseln. Den Kommentatoren, die mir die plakative Zuspitzung eines komplexen Themas vorhalten, möchte ich sagen: Sie haben Recht. Die Probleme der Bolognareform und des angemessenen Umgangs mit Langzeitstudenten (wozu ich vor allem Rat und Hilfe zähle) sind bei weitem zu vielschichtig, um sie mit einem knappen Voting abzufrühstücken. Aber genau dafür gibt es die Kommentarmöglichkeiten. Und die Beiträge sind zwar teils deutlich, aber klug und differenziert (was, wie ich finde, die Zuspitzung des Votings ausgleicht). Zu der Frage, was der Stifterverband mit den Votingergebnissen machen wird: Wir werden weiter bei den sich bietenden Gelegenheiten mit den Kritikern das Für und Wider der Bolognareform diskutieren. Dass wir auf den eigenen Seiten alle Positionen zu Wort kommen lassen, sollte unsere Offenheit dokumentieren. Und gestern habe ich die Uni Köln eingeladen, sich an unserer Debatte zu beteiligen und ihre Sicht der Dinge darzustellen.
tut wohl nichts zur sache schrieb am 2011-08-31 10:09:09
Meine Güte; es geht hier um eine Ausbildung zum Beruf ! Und glaubt ihr wirklich, ihr könntet euch nachher im Berufsleben ebenso durch-schlängeln? Wer da nicht die Leistung bringt die verlangt wird, ist einfach mal gefeuert. Da fragt keiner nach was ihr für Entschuldigungen habt, warum ihr den Arsch nicht hochbekommen könnt und warum es gerade für euch eine Ausnhame geben sollte. Es wurden zur Umstellung Fristen eingeräumt (sogar sehr großzügige wie ich finde), die hat jeder (!) zumindest per Mail mitgeteilt bekommen und damit weiß jeder Bescheid. Zumindest kann man davon in der heutigen Zeit absolut ausgehen. Es gibt bestimmt überall wieder Ausnahmen á la Jung-Familie, persönliche Probleme, vorrübergehend keine Zeit weil... , aber das ist nicht der Normalfall. Der Normalfall sieht vor, dass wenn man sich für eine weitere Bildung aktiv entscheidet, man zum gleichen Zeitpunkt Pflichten aufnimmt und sich denen bewusst ist. Man lernt, um bessere berufliche Aussichten zu haben, um seinen eigenen Marktwert zu erhöhen. Glaubt ihr wirklich, dass Leute mit 25 Semestern Studienzeit und dem Drang sich durchzumogeln, auch nur ansatzweise das Recht auf den Chefsessel haben? Sicher nicht! Deswegen: Vollkommen richtig endlich mal aufzuräumen!
Markus schrieb am 2011-08-31 10:37:12
Ich kann "tut wohl nichts zur sache" in allen Punkten zustimmen. In jedem Bereich der Gesellschaft gibt es Regeln, die es einzuhalten gilt. Warum sollen ausgerechnet hier unnötige und bürokratisch sehr aufwendige Ausnahmen gemacht werden.
Thilo B., ex-Hochschullehrer schrieb am 2011-08-31 10:41:01
Wenn nun wirklich alle Kurse belegt wurden und nur eine Prüfung fehlt, dann ist das ja keine übermäßige Belastunbg des Lehrkörpers die Prüfung abzunehmen, vorausgesetzt, der Rest des Studiums kann in der verbleibenden Zeit bis zur nächsten "Deadline" (Diplom) absolviert werden. Also stringente Deadlines für Vordiplom und Diplom, aber mit Ausnahmeregelungen wäre sinnvoll. In meinem Fach ist die Deadline für das Hauptstudium abgelaufen, aber die Diplomarbeit kann immer noch angefertigt werden ........
Christoph schrieb am 2011-08-31 10:43:47
Wer wie Jan Weber im Politikreferat der AStA ( http://www.asta.uni-koeln.de/referate/politikreferat/ ) sitzt, das sich nach eingenen Angaben mit den anstehenden Zwangsexmatrikulationen befasst, und sich auf seine Arbeit dort beruft um das lange Studium zu rechtfertigen hat ja schon ein Problem bei der Argumentation wenn er behauptet, dass er von nix gewusst hat. Offenbar ist da wohl doch nicht so viel Zeit in die Arbeit beim AStA geflossen? Der ganze Artikel vom Spiegel und die daraus entstandene Diskussion ist völlig unnötig. Wer jetzt das Vordiplom noch nicht hat, der hat es nicht geschafft eine in drei Jahren mit mäßigem Zeitaufwand machbare Arbeit in (mindestens) der doppelten Zeit zu erledigen. Sicherlich gibt es Gründe um mehr Zeit als die Regelstudienzeit zu benötigen. Aber speziell die Arbeit beim AStA sollte doch wohl nicht soviel Zeit brauchen um nichtmal in 16 Semestern ein Vordiplom machen zu können? Das ist immerhin die vierfache (!) Regelstudienzeit für das VD. Und von Scheinen für das Hauptdiplom schon vor dem VD machen steht wahrscheinlich eher nichts in der Studienordnung. Fazit: In dem im Artikel des Spiegels konkret vorgestellten Fall kann man den Studenten ruhig rauswerfen. Kann man das verallgemeinern? Wohl kaum. Aber dafür gibt es ja die ebenfalls im Artikel des Spiegels angesprochenen Härtefallregelungen bei denen eine Verlängerung gewährt wird. Die ganze Geschichte wirft vorallem ein schlechtes Licht auf den Kölner AStA, bei dem anscheinend nichtmal alle direkt beteiligten Studenten wissen, dass bald Studiengänge auslaufen.
Thomas Riese schrieb am 2011-08-31 10:45:07
Ich schließe mich Karin Gavin-Kramer an, schon die erste Frage ist nicht sauber gestellt. Davon mal abgesehen, allen eingeschrieben Szudenten war seit Jahren bekannt wann ihre Studiengänge auslaufen und wieviel Zeit sie hatten um alle Prüfungen abzulegen. Es ist lächerlich das sich jetzt mal wieder alle über die bösen Unis aufregen.
Prof. Dr. Wolfgang Winkler schrieb am 2011-08-31 10:48:15
Das Grundproblem der Deutschen Hochschulen ist ihre als modernes Management verkaufte Überbürokratisierung. Dies geht schon zurück auf den Numerus Clausus und die folgende Regelungswut deutscher Bildungsbürokratien und Gerichte, um angeblich "gerecht" zu sein (man vergleiche hier mit Österreich oder der Schweiz). An der "Gerechtigkeit" wurde nichts verbessert, aber der bürokratische Aufwand steigt seither nahezu exponentiell. Jeder vernünftige Mensch wird irgendwann ein Studium aufgeben, wenn er merkt, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein. Die Hörsäle laufen doch nicht vor lauter "Altstudenten" total über. Meist sind es Leute, die irgendwo einen Job haben und nebenbei studieren. Sie liegen also auch niemandem wirklich auf der Tasche, stören aber die Statistik. Es erhebt sich vielmehr die Frage, ob die deutsche Kontrollbürokratie nicht schon längst mehr kostet, als die Behebung des Mangels an Studienplätzen kosten würde, zu deren Verwaltung die Bürokratie angeblich benötigt wird. Die Frage zu stellen, ist vermutlich schon politisch unkorrekt, weil das System heute schon zu viele Nutznießer hat, einschließlich insbesondere auch der "Managementprofessoren". Das Bachelor und Mastersystem, wäre im Prinzip nicht so schlecht, wenn man sich am Internationalen Standard orientiert hätte (8 Semester Bachelor). Die deutschen FH und Unistudiengänge hätten lediglich harmonisiert werden müssen und die alten deutschen Diplomtitel hätten ebenso beibehalten werden können. Dass dies nicht passierte, lag wohl vorwiegend an den Hahnenkämpfen in den Hochschul- und Bildungsbürokratien und nicht am System Bachelor und Master an sich. Aber die Befriedigung bürokratischer Wichtigkeiten scheint im heutigen Deutschland wohl ohnehin wichtiger zu sein, als das Wohlergehen des Landes und der nächsten Generation. Der konkrete Fall belegt auch hier wieder, dass Bürokratien Machtkämpfe gewinnen müssen, auch wenn Menschen auf der Strecke bleiben.
Bernd schrieb am 2011-08-31 10:50:36
Wer sich fünf Jahre lang „für die Hochschulpolitik engagiert“, ohne im Studium weiterzukommen, bei dem wird das Studentsein zum Selbstzweck und hat nichts mehr mit Ausbildung zu tun. Darauf sollte die Uni dann auch keine Rücksicht nehmen müssen!
Christian S. schrieb am 2011-08-31 10:50:39
Um Gottes Willen! Gibt's denn bei uns gar keine Diplom-Studiengänge mehr? Will man jetzt unserem Nachwuchs diese minderwertigen Bachelor- und Masterstudiengänge aufzwingen. GIbt Deutschland jetzt auch noch die Bildungsvorreiterrolle auf und speist die Jugend mit einer Ausbildung zweiter Klasse ab? Und jetzt entledigt man sich auch noch der letzten Tapferen, die diesem Trend widerstanden haben. Da wird mir doch Angst um unsere Zukunft.
Destined schrieb am 2011-08-31 10:54:25
Ich bin ebenfalls der Meinung, dass es durchaus richtig ist, Leute, die extrem lange für das Studium brauchen, zu exmatrikulieren. Ich habe selbst 2005 mit meinem Studium begonnen und uns wurde schon kurz nach Beginn mitgeteilt, dass 2012 der Studiengang ausläuft. Entsprechend wurden uns 7 Jahre für ein Studium eingeräumt, das in 5 Jahren machbar ist. Ich bin der Meinung, dass eine 1.5-fache Zeit in jedem Fall ausreichen sollte, das Studium zu beenden. Wenn man es nicht schafft, seine familiären Verpflichtungen und Nebenjobs während des Studiums mit diesem überein zu bringen, dann wird man das wahrscheinlich auch in einem Job nicht schaffen, wenn dieser ebenfalls viel Zeit und Einsatz verlangt. Ich weiß, es ist eine soziale Ungerechtigkeit, aber nicht jede Person kann studieren, auch wenn vielleicht die geistigen Kapazitäten dafür vorhanden sind.
Prof. Dr. Wolfgang Winkler schrieb am 2011-08-31 11:06:49
Gestatten Sie mir noch eine Ergänzung: Jede Behörde ist zur wirtschaftlichen Haushaltsführung verpflichtet. Der Verwaltungsaufwand für die Beibehaltung der Studiengänge ist minimierbar und kostet fast nichts, wenn er lediglich dazu dient, die Abwicklung sicherzustellen (einige Dateien mehr). Die noch fehlenden Prüfungen könnten ersatzweise in den neuen Studiengängen noch immer abgelegt werden und vom Prüfungsausschuss angerechnet werden. Wenn es dann nicht genau passt, so hätten die Kandidaten eben etwas mehr zu lernen. Dem steht gegenüber, dass eine ganze Reihe von Verfahren die deutschen Gerichte beschäftigen wird, die Verwaltungen bis zu den Pressereferenten deutlich mehr Arbeit bekommen usw. Wirtschaftlich sinnvoll erscheint daher diese Aktion nicht. Ein Effekt ist allerdings, dass der Fall gute Begründungen dafür liefert, warum die Hochschulverwaltungen weiter wachsen müssen.
Lars stockmann schrieb am 2011-08-31 13:39:24
Wie schlecht ist denn diese Umfrage gestaltet ??? Natürlich sollte man einen Studenten, der sich engagiert oder jemanden daheim pflegen muss nicht exmatrikulieren dürfen. Hier sollten Ausnahmeregelungen aufgestellt werden. Aber es dreht sich doch nun um Studenten, die seit 10-20 Jahren eingeschrieben sind und es immer noch nicht geschafft haben. Für ein 8-semestriges Studium ist ein Zeitraum von 12-14 Semestern sicherlich ausreichend. Alles andere muss klar vom Staat eingegrenzt werden. Ab der doppelten Studienzeit einfach wieder Studiengebühren einführen in einer "ansprechenden" Höhe (ab 1000 €). Der Staat möchte von einem Studenten ja auch irgendwann mal eine Lohnsteuer kassieren und die Staatsschulden verringern oder das Geld für Bildung ausgeben. An meiner Uni wurde den "alten" Studenten die 1,5-fache Studienzeit eingeräumt. Wer sich nun wundert, dass er plötzlich exmatrikuliert wird, war wohl schon lange nicht mehr in der Uni und gilt für mich nicht als ein ernsthafter Student.
Claudia schrieb am 2011-08-31 14:15:24
Sollte man da nicht genauer differenzieren? Es gibt Studenten, die nebenher arbeiten müssen oder kleine Kinder daheim haben und dadurch nicht die Regelstudienzeit schaffen (während andere ihr Studium mit den gleichen Vorraussetzungen mit Einsern und kürzester Zeit absolvieren). Es wurden hier sehr soziale Fristen gesetzt. Wer es dennoch nicht schafft, sein Studium in z.B. 16 Semestern abzuschließen, ist da sicher nicht ganz unwissentlich hineingeschlittert. Es gibt schließlich auch eine Menge bequeme Studenten. Auf der anderen Seite sollten in besonderen Härtefällen Einzelentscheidungen getroffen werden können. Dann wär die Übergangsphase fair für alle Beteiligten. Obwohl ich eher contra Bologna bin, verstehe ich doch die Probleme der Unis mit der Zweigleisigkeit.
Kritiker schrieb am 2011-08-31 16:08:07
Ist schon kaum zu fassen was die ehemaligen deutschen Universitäten und heutigen Stiftungen da leisten. Zuerst vernichten sie den wissenschaftlichen Anspruch, verkaufen sich an die IUndustrie und schotten sich jetzt zusehens ab damit nur noch die Kinder reicher Eltern an akademische Abschlüsse zu denken brauchen. Nach Bologna-Chaos, Studiengebüphren Hin- und Her nun das. Ich glaube die gute akademische Ausbildung gibt es in Deutschland eh nicht mehr. Unis, das war gestern. Heute sind das Profitcenter wo sowohl Forschung als auch Lehre nur noch Darstellerischen Charakter haben. Ich stelle jedenfalls keine Bachelor/Master- Leute ein, die noch Daumen lutschen weil sie vom Elternhaus zum Wiwi-Prof niemals in Ihrer Fähigkeit zum eigenständigen Denken gefordert wurden. Kein Wunder das wir heute unbeholfen von einer Krise in die nächste stolpern, fehlt uns doch nach der Privatisierungswelle im universitären Sektor gänzlich der fähige Personalnachwuchs.
Meine Meinung schrieb am 2011-08-31 16:55:57
Nein. Wer lange studiert, weil er sich in der Hochschulpolitik engagiert oder Angehörige pflegt, darf dadurch keine Nachteile haben. Wer es aber trotzdem nicht schafft in 16 Semestern sein Vordiplom zu beenden, sollte etwas anderes machen. Mit den gegebenen Übergangsfristen hatte man genug Zeit, das zu planen und sich ggfs. frühzeitig um eine Lösung mit der Uni zu bemühen. Wer auf das Beste hofft und hinterher jammert, ist selbst schuld.
Wolfram schrieb am 2011-08-31 21:07:08
Versäumnisse bei der Durchlässigkeit zwischen dem alten und neuen System werden jetzt verkauft als Strafaktion gegen Langzeitstudierende. Kaum zu glauben. Oder eben 'typisch deutsche Bildungsreformen'. Bleibt zu hoffen, dass nicht viele auf diese PR reinfallen.
Die Gerichte schonen schrieb am 2011-08-31 21:57:24
Ich denke, dass die wenigsten Prüfungsordnungen unbegrenzte Wiederholungsmöglichkeiten für die Vordiplomsprüfungen vorsehen. Also einfach alle Studierende in Diplomstudiengängen, die noch kein Vordiplom haben, direkt zur Vordiplomsprüfung zulassen und dann dort durchfallen lassen.
Darmstädter WI schrieb am 2011-08-31 23:54:13
Die Notwendigkeit der ebenfalls an der TU Darmstadt durchgesetzten Regelungen leuchten mir nur zum Teil an. Die schriftlichen Prüfungen werden exakt weiterhin angeboten (da die WIs die schriftlichen Prüfungen aus dem Masterbereich ihrer Fachspezialisierung wählen, welche schon vor einiger Zeit umgestellt wurden) und die mündlichen Prüfungen erfordern einen Zeitaufwand von ca 20 min Pro Professor und Prüfling (bei ca. 5 solcher Prüfungen im Diplom ein überschaubarer Aufwand). Aus meiner Beobachtung dürfte lediglich die Halbtagskraft im Sekretariat die für Diplome zuständig war entfallen... Meines Erachtens ein schwaches Argument! In Anbetracht dass nach Ablauf der bisherigen DURCHSCHNITTLICHEN Studiendauer keine Prüfungen mehr möglich sind! Diese wurde als Maximum zum Ablegen aller Prüfungsleistungen herangezogen. Das besondere Schmankerl ist meines Erachtens, dass dies einem selbst auf Nachfrage vor 4 Semester noch als nahezu lächerlich verneint wurde. Man absolviert also 3/4 seines Studiums und engagiert sich in vielen Bereichen, bildet sich auf Exkursionen anderer Fachgebiete um dann auf dem letzten viertel zu Erfahren dass man maximal die Zeit des Durchschnittes zur Verfügung hat... wenn schon solche Restriktionen dann bitte mit vorheriger Ankündigung!
Matthias schrieb am 2011-09-01 07:45:00
Richtig so. Im Wesentlichen läuft ein Studium auf Kosten der Allgemeinheit. 16 Semester ohne Vordiplom ist schlicht unsoziales Verhalten. Man stelle sich mal vor, jemand befindet sich 8 Jahre in der Ausbildung zu einem nichtakademischen Beruf, im Wesentlichen steuerfinanziert. Irgendwann ist auch mal Schluß und die Hochschulen müssen sich die Frage gefallen lassen, warum diese - mit Verlaub Bummelstudenten - nicht schon früher den Weg gewiesen bekommen haben.
Robert schrieb am 2011-09-01 07:55:56
Ich finde die ganze Diskussion wurde als Rundumschlag gegen die Bologna-Reformen als Sommerthema aufgebauscht. Von 100.000enden von Studenten trifft es ein paar Einzelfälle, die jetzt notfalls die Gerichte bemühen dürfen - als Arbeitgeber würde ich den "zukünftigen hoffentlich effektiven Arbeitnehmer" schon Fragen was das mit den >8-10 Jahren studieren soll? Da nützt das Beste Urteil und/oder Diplom nichts, wenn einem die nachvollziehbaren Argumente in der Zukunft fehlen. Bologna ist da und wird auch bleiben. Die vielen Probleme in der Praxis werden von den Hochschulen, Professoren und sonstigen Unfähigen verschuldet. In anderen Ländern hat man die Pläne entschlackt und das Studium verschnellert und professionalisiert. Hier lamentiert man immer noch über z.T. alberne Basics - was ein sehr schlechtes Licht auf Massen von Studierten "Universitätsbetreiber" wirft, die einfachste Reformpläne nicht praktikabel umsetzen können. Aber man von denen erwartet, die Fachkräfte von Morgen auszubilden. Wer die Ironie sieht...kann sie behalten.
MJHH schrieb am 2011-09-01 08:55:32
Sehr geehrter Herr Prof. Winkler, so sehr ich auch Ihre professorale Haltung verstehen kann, eine Universitätsverwaltung als nahezu unnütz zu verdammen, halte ich diese Argumentation jedoch für falsch. Wenn es klare gesetzliche Vorschriften zum Auslaufen von Studiengängen gibt, müssen diese auch umgesetzt werden - dies ist Aufgabe der Universitätsverwaltung. Es gilt - wie in anderen Sachfragen auch - das Rechtsstaatsprinzip. Es scheint mir schwierig, ohne genaue Kenntnis der Rechtslage den Fall des Studerenden aus Köln zu beurteilen, der als Auslöser der Debatte ge- bzw. auch missbraucht wird. Dennoch halte ich eine Debatte über den Umgang mit den auslaufenden Studiengängen für sinnvoll - dabei sollten sich alle Statusgruppen der Universität fragen, ob es nicht gemeinsam von den Universitäten getragene Lösungen geben kann. Eine einseitige Schuldzuweisung hilft nicht weiter.
Tobias Metzger schrieb am 2011-09-01 10:18:01
Die gestellte Frage trifft nicht des Pudels Kern. Welchen Schaden hat die Universität die alten Studenten noch ein paar Jahre weiter wurschteln zu lassen? Welche Kosten verursachen diese Studenten wirklich? Und decken diese diese Kosten nicht über ihre Studiengebühren für Langzeitstudenten? Vielen der heutigen Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft, insbesondere im Finanzsektor, hätte es gut angestanden mehr Semester zu studieren, als Sie es haben. Vielleicht hätte sich bereits frühzeitig bei vielen die Erkenntnis durchgesetzt, dass Derivate keine Nahrung auf den Tisch befördern und es unredlich ist, was das System propagiert. Sicher ist allerdings auch richtig, dass Langzeitstudenten manchmal auch einen Schubs in die richtige Richtung benötigen - ob es allerdings die wilde Zwangsexmatrikulation ohne Vorwarnung ist, wage ich zu bezweifeln. Aktuell besuchen in Heidelberg die alten Diplomer und Magister die Veranstaltungen der Bachelor und Master. Wieso es hier zu Problemen gereichen soll ist für mich unverständlich. Im Gegenteil - viele Professoren sind froh über die "Bummelstudenten" - einerseits als günstige Hiwis mit Fachkenntnissen, andererseits weil diese auch manchmal sehr umfangreiche Kenntnisse in ihrem Studium erworben haben, welche die Diskussion bereichern. Wenn Sie wirklich ein Interesse an der Verbesserung des Systems Hochschule haben, rate ich Ihnen die Frage näher zu analysieren, wieso Studenten so lange studieren und welche individuellen Lösungen erarbeitet werden können. Denkbar wäre doch auch eine Anerkennung des Bachelors, und noch einige Scheine des Masters abzuleisten. Das wäre dann ein vergleichbarer Abschluss. Viele konstruktive Zusammenarbeiten sind denkbar - die Zwangsexmatrikulation ohne eine feste Frist von 1 - 2 Semester hingegen halte ich für Bürokratiewillkür. Aber sind wir ehrlich, es gibt nicht wenige Studenten die wegen dieser Willkür 1-2 Semester länger studieren mussten - auch DASS ist ein Skandal.
jemand aus der Ferne schrieb am 2011-09-01 15:18:44
Es wurden 32 Studierende gleichzeitig exmatrikuliert. Die Diskussion rankt sich um den einen, der in Gremien aktiv war. Sind die anderen 31 auch solche Fälle, in denen man sagen könnte "Naja, ein Angebot zur Güte hätte es eigentlich auch getan, zumal der Studienfortschritt hier erkennbar ist?" Für die Hochschule ist es natürlich lästig, die alten Systeme immer noch vorhalten zu müssen und mit x Verordnungen gleichzeitig zu arbeiten. Mein Rat wäre: Ruft ein Schiedsgericht an, welches einen weisen Spruch sprechen möge, sodass in absehbarer Zeit alles über die Bühne ist. Abgesehen davon glaube ich, dass die Mehrzahl der Scheine an einer anderen Hochschule anerkannt werden können, sodass der Student nicht mit "nichts" da steht...
JMT schrieb am 2011-09-01 19:29:11
Ich als Studentin habe wenig Verständnis für Herrn Weber und andere Studenten, die mehr als die vierfache Zeit für ihr Vordiplom benötigen. Ich bin selber als Vorstand eines Vereins ehrenamtlich im Schnitt 15-20 Stunden die Woche tätig, außerdem engagiere ich mich noch in der Fachschaft und den Hochschulgremien (wenn auch nicht im AStA) und habe einen Nebenjob. Trotz einem nicht in der Studienordnung vorgesehenen halbjährigen Praktikum und einem Auslandsaufenthalt werde ich mein Studium in Regelstudienzeit abschließen. Und dabei studiere ich ein naturwissenschaftliches Fach. Ich bin mir sicher, dass nicht jeder Student sich in diesem Maße engagieren möchte, aber schließlich sucht man sich solche Dinge ja freiwillig aus. Ich halte es durchaus für gerechtfertigt, dass man ein paar (= 2-4) Semester länger studiert, wenn man z.B. im AStA tätig ist. Jedoch bin ich auch der Meinung, dass man bei allem Engagement nach einigen Semestern die Prioritäten wieder anders verteilen sollte und seine Ausbildung wieder in den Vordergrund rücken sollte. Ansonsten entsteht das Bild, dass das hochschulpolitische Engagement vorgeschoben wird, um sein Studium nicht beenden zu müssen. Klar, den meisten dieser engagierten Studenten macht das Ehrenamt ja auch deutlich mehr Spaß als in der Bibliothek zu sitzen und den trockenen Stoff des Studiums zu lernen. Das geht mir nicht anders. Trotzdem wird man feststellen, dass das Leben und vor allem auch das spätere Berufsleben nicht nur aus Spaß besteht, sondern dass die Kunst darin besteht die Waage zwischen den beiden Dingen zu finden. Es gibt mit Sicherheit Gründe, die eine größere Verzögerung des Studium rechtfertigen, z.B. wenn man ein Kind erzieht oder einen Angehörigen pflegt. Eine Verzögerung um 12 Semester weil man sich in der Hochschulpolitik engagiert, gehört meines Erachtens nicht dazu. Und wenn man sich die 32 Fälle genauer betrachtet, wird man feststellen, dass unter ihnen wahrscheinlich auch einige Bummelstudenten sind.
FE schrieb am 2011-09-01 21:10:45
Zum Studium gehört(e) Eigenverantwortung. Studierende haben sich über die Rahmenbedinungen ihres Studiums zu informieren, dazu gehört neben Studien- und Prüfungsordnung auch das Auslaufen der 'alten' Studiengänge, das zudem schon sehr lange absehbar war und (zumindest an der RWTH Aachen) wiederholt und beinahe penetrant bekanntgemacht wurde. Ob das Auslaufen in Form eines solch 'definitiven' Endes und die gesetzte Frist sinnvoll sind, ist eine andere Frage; aber eine 'Überraschung' konnte die Exmatrikulation definitiv nicht sein. Allerdings ist es natürlich ironisch, wenn jetzt Studierende wegen fehlender Eigenverantwortung ihr Studium abbrechen müssen aufgrund der neuen Studiengänge, in denen Eigenverantwortung weitgehend abgeschafft wurde.
SIS schrieb am 2011-09-02 02:38:30
Als vor ca. 10 Jahren an der Hochschule die BM-Studiengänge eingeführt wurden, war der winzige Unterschied von Alt- zu Neu-Vorlesungen meistens die vom Prof. ins Englische übersetzten Unterlagen und Vorlesungen (logischerweise war damit bei einem dt. Muttersprachler-Prof. ein "Qualitätszuwachs" zu verzeichnen !! ;-) ) oder auch nur ein "optimierter" Vorlesungs-Titel! Was also soll der Unterschied sein von BM zu den originalen Vorlesungen? Und warum sollen Leistungen nicht nach BM-Strukturen anerkannt werden, auch für die originalen Abschlüsse? Es ist wohl hauptsächlich ein Verwaltungs-Problem oder wie? Übrigens: Tolle Fragestellung!!! Schön Objektiv!!
schneppes schrieb am 2011-09-04 13:07:36
Unter: http://www.openpetition.de/petition/online/zwangsexmatrikulationen-nein-danke-studieren-ja-bitte gibt es nun eine e-Petition zur Unterstützung der zwangsexmatrikulierten Studierenden. Jede Unterschrift zählt!!!!