Stefan Stolte:
Hochschulstiftungen in Gefahr

Die Abschaffung von Studienbeiträgen in Nordrhein-Westfalen

bedroht ein innovatives Förderinstrument.


Beitrag für "Meinung & Debatte" vom 20. August 2010


Nordrhein-Westfalens Universitäten und Fachhochschulen müssen den Ausbau
ihrer Hochschulstiftungen stoppen, wenn die rot-grüne Landesregierung ihre
Ankündigung wahrmacht, die Studienbeiträge abzuschaffen. Es droht einem
innovativen Modell das Aus, das gerade in anderen Bundesländern erste
Nachahmer findet.

Acht Hochschulen, die Universitäten Dortmund, Wuppertal und Duisburg-Essen
sowie die Fachhochschulen Münster, Bochum, Köln, Bonn-Rhein-Sieg und Süd-
westfalen, haben in den vergangenen vier Jahren Hochschulstiftungen gegrün-
det, für deren Kapitalstock sie bis zu 20 Prozent der jährlichen Einnahmen aus
Studienbeiträgen verwenden konnten. Die Stiftungen unterstützen Studierende,
die keine andere Chance auf Förderung haben. Studenten entscheiden in den
Stiftungsgremien gleichberechtigt mit über die Vergabe der Mittel. Das Modell
sorgt für mehr Partizipation und Identifikation der Studenten mit der Hoch-
schule – emanzipatorische Ziele, für die sich SPD und Grüne eigentlich be-
geistern müssten.

Noch aber ist das Kapital der Stiftungen mit ein bis zwei Millionen Euro viel
zu klein für die ambitionierten Aufgaben. Die Landesregierung sollte deshalb
Vorsorge für den weiteren Ausbau der Hochschulstiftungen treffen. Wenn die
Einnahmeausfälle der Hochschulen durch steuerfinanzierte Mittel kompensiert
werden, was dringend geboten ist, müssen die Hochschulen diese Kompensa-
tionsmittel ebenso nachhaltig und zugleich flexibel einsetzen können wie bisher
die Studienbeiträge.