Frank Stäudner:
Ende der Verschwiegenheit
Vier Thesen darüber, warum sich eine Beteiligung am Wissenschafts-
dialog für Unternehmen lohnen kann.
Deutsche Unternehmen forschen wie die Weltmeister. Doch darüber reden
wollen sie nicht. Obwohl die Wirtschaft mehr als zwei Drittel der Forschungs-
investitionen in Deutschland stemmt und eine riesige Menge spannender
Forschungsergebnisse produziert, engagieren sich nur wenige Unternehmen
in der Wissenschaftskommunikation. Vier Thesen darüber, warum sich das
ändern sollte.
These 1: Offenheit schafft Vertrauen.
Was haben Kernkraftwerke, Biolabore, Kasernen, Gefängnisse und die meisten
Unternehmen gemeinsam? Antwort: Drum herum ist ein Zaun, und Besucher
kommen nicht so einfach hinein. Bei nennenswerten Teilen der Bevölkerung
löst die vermeintliche Parallele einen gedanklichen Kurzschluss aus. Demnach
hätten Unternehmen was zu verbergen. Das ist zwar meist nicht so. Aber
selbst angesehene Unternehmen müssen Einschränkungen hinnehmen,
wenn sie auf Tuchfühlung mit einem gesellschaftlichen Reizthema arbeiten.
Die grüne Gentechnik, bei der die Umweltpolitiker hilflos agieren und Aktivisten
mit inbrünstiger Selbstgewissheit Versuchsäcker zertrampeln, ist so ein Fall.
Gegenüber den ideologisierten Überzeugungstätern mögen Offenheit und das
Angebot zum Dialog nicht fruchten. Bei allen anderen aber schon. Deshalb
sollten sich Unternehmen am Wissenschaftsdialog beteiligen.
These 2: Der Wissenschaftsdialog erreicht interessante Dialoggruppen.
Die Mitmachangebote der Wissenschaftsinstitutionen erreichen vor allem ge-
bildete Menschen und Kinder und Jugendliche aus Akademikerfamilien. Die
Macher des Dialogs betrachten das zu Recht als Problem und wollen künftig
vermehrt bildungsferne Schichten ansprechen. Für High-Tech-Unternehmen
bedeutet der aktuelle Zustand aber eben auch: Wer mitmacht, erreicht den
meinungsbildenden, wohlhabenden Teil der Gesellschaft. Und das ist eine
interessante Zielgruppe.
These 3: Der Dialog beugt Nachwuchsmangel vor.
Deutschland hat zu wenig Ingenieure und Fachkräfte. In Schule und Kinder-
garten wird das natürliche Interesse der Kinder an Naturphänomenen und
Technik nicht optimal gefördert. Viele Initiativen setzen hier an. Mehr En-
gagement der Unternehmen kann der Sache noch mehr Durchschlagskraft
verleihen. Und: Gerade kleine und mittlere Unternehmen ohne klangvollen
Namen können sich bei den Fachkräften von morgen frühzeitig einen
Namen machen.
These 4: Die Zeit außerhalb des Labors ist produktiv.
"Keine Zeit für Firlefanz, muss arbeiten." Mit diesem Hinweis verweigerten
manche Hochschulangehörige die Beteiligung am Wissenschaftsdialog. Doch
wer einmal dabei war, blieb am Ball. Denn die Fragen der Laien bringen die
Forscher auf neue Gedanken. Die Zeit außerhalb des Labors kann wie eine
Frischluftkur für die Kreativität wirken. Warum sollte das bei Forschern aus
Firmen anders sein?
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Positionspapier: Wissenschaft
im öffentlichen Raum
Zwischenbilanz und
Perspektiven für das
nächste Jahrzehnt
im Dialog von
Wissenschaft und
Gesellschaft
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