Frank Stäudner:
Pure Emotion
Das Finale im Wettbewerb um die Stadt der Wissenschaft zeigt:
Wissenschaft als Motor der Stadtentwicklung – die Idee ist nicht
von gestern.
Erst ist die Spannung mit Händen zu greifen, dann entlädt sich der Jubel.
Der Stifterverband kürte am 25. März 2010 Mainz zur Stadt der Wissenschaft
2011 in einem emotional packenden Wettbewerbsfinale. Die Delegation um
den Mainzer Oberbürgermeister Jens Beutel und ZDF-Moderatorin Gundula
Gause singt: "Steht auf, wenn ihr Mainzer seid".
Der Kater folgt schnell: Noch am selben Tag sieht der Wissenschaftsjournalist
Armin Himmelrath im WDR-Hörfunk den Wettbewerb "Stadt der Wissenschaft"
des Stifterverbandes auf dem absteigenden Ast. Wenige Bewerber, wenige
dauerhafte Wirkungen, so seine These.
"So´n Quatsch", kann man dazu nur sagen. Es stimmt zwar: Die Zahl der Be-
werber hat abgenommen. Dafür ist die Qualität der Bewerbungen gestiegen.
Die Städte haben über die Jahre erkannt, dass nur bestens vorbereitete Kon-
zepte eine Chance haben. Schnellschüsse und Versuchsballons hat die Jury
schon lange nicht mehr gesehen. Drei überzeugende Finalisten sind allemal
besser als 15 oberflächliche Bewerbungen.
Auch die Nachhaltigkeit des Wettbewerbs bewertet der Stifterverband unein-
geschränkt positiv. Braunschweig hat das Jahr 2007 als Titelträger genutzt,
um sich europaweit als bedeutender Forschungsstandort einen Namen zu
machen. Oldenburg konnte 2009 als Stadt der Wissenschaft seine Über-
nachtungszahlen um 30 Prozent steigern, die Uni hat Wissenschaftskontakte
nach China aufgebaut, die es ohne den Titel nicht gäbe. In Magdeburg, Jena,
Potsdam und anderswo arbeiten Kommune, Wirtschaft und Wissenschaft dank
der Initialzündung der Bewerbung nun Hand in Hand an der Stadtentwicklung.
Egal, ob am Ende der Titel dabei raussprang oder nicht. Das sind Wirkungen,
die bleiben.
Der Autor
Dr. FrankStäudner
war bis Januar
2011 der Kommu-
nikationschef des
Stifterverbandes.
Klaus von Münster schrieb am 2010-03-29 17:22:21
Man kann bei der medialen Inszenierung des Entscheidungstags schon den Eindruck bekommen, daß sich der Wettbewerb eher um die Präsentationen drehte und weniger um richtig gute Ideen. Bitte weniger Hochglanz und mehr Substanz.
Frank Stäudner schrieb am 2010-03-30 09:17:17
@Klaus von Münster: Zugegeben, bei der öffentlichen Präsentation setzen die Städte nicht nur auf die Überzeugungskraft ihrer Ideen, sondern auch auf die Unterhaltungskraft von Showelementen und flotten Inszenierungen. Das war in den Vorjahren auch schon so. Ich meine: Publikum und Jury haben das durchaus gern. Man darf aber nicht vergessen, dass die Jury ihre Entscheidung auf der Basis ausführlicher schriftlicher Unterlagen UND der öffentlichen Präsentation trifft. Es geht also immer um die Substanz. Wir im Stifterverband sollten uns allerdings überlegen, wie wir die Vollbewerbungen veröffentlichen können, damit sich das Publikum ein komplettes Bild macht. Die drei Finalisten Mainz, Bielefeld und Chemnitz haben übrigens ihre Bewerbung auf eigenen Inernetseiten erklärt. Links dazu siehe www.stadt-der-wissenschaft.de
DerJour schrieb am 2010-03-30 11:16:59
Mal angenommen, Bielefeld hätte den Titel geholt - dann hätte der WDR die Stadt der Wissenschaft in den Himmel gehoben. Wetten dass ...?