Oliver Vornberger:
Classroom-Quiz und Vorlesungsvideo
Der Ars legendi-Preisträger über neue Instrumente für
gute Hochschullehre.
Auszug aus einem Interview in "Wirtschaft & Wissenschaft" 2/2009
Die klassische Vorlesung ist in der Tat sehr problematisch, insbesondere dann, wenn es sich um eine sehr große Vorlesung handelt. Vorne steht einer, der die Studenten "zutextet" und die können sich nicht wehren. Ich versuche deshalb in meinen Vorlesungen, in eine dauernde Interaktion mit den Studierenden zu kommen. Ich lese in ihren Gesichtern, ob sie überhaupt noch bei mir sind, oder ich stelle eine spontane Frage. Es ist sehr wichtig, dass die Zuhörer auch Feedback geben können.
Beim "Classroom-Quiz" können sich meine Studenten ein kleines Java-Programm auf ihr Handy laden. Ich stelle während meiner Vorlesung dann eine Multiple-Choice-Frage. Ihre Antwort können die Zuhörer dann – ähnlich wie bei Günter Jauch – per Handy an meinen mobilen Rechner senden und das Ergebnis wird direkt als Powerpoint-Folie angezeigt. So bekomme ich einen guten Überblick über den aktuellen Leistungsstand. Das ist ja für mich auch weit aufschlussreicher als die Befragung eines einzelnen Studierenden. Auf der anderen Seite haben natürlich auch die Zuhörer so die Möglichkeit aus ihrer passiven Rolle herauszutreten.
Ich sehe Videos (mit meinen Vorlesungen) als Zusatzangebot für die Präsenzstudenten an. Und man muss deutlich feststellen: Die guten Studenten werden durch dieses Zusatzangebot besser, die Schlechten aber nicht. Die Guten nutzen es, um in Ruhe bestimmte Dinge nachzuarbeiten oder sich gezielt auf eine Prüfung vorzubereiten. Die Schlechten sammeln alle Videos und glauben, sie könnten an einem verregneten Feiertag durch bloßes Anschauen der Videos ein ganzes Semester nachholen. Das ist natürlich ein Trugschluss.
Der Autor
Prof. Dr. Oliver Vornberger
lehrt Praktische
Informatik an
der Universität
Osnabrück.
Er wurde 2009 vom Stifterverband mit dem Ars legendi-Preis für exzellente Hochschullehre ausgezeichnet.